Hautflügler, zu denen die Wespen gehören, sind haplodiploid. Das bedeutet, Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und besitzen nur einen Chromosomensatz. Aus befruchteten Eiern dagegen entstehen Weibchen mit einem doppelten Satz von Chromosomen - einem von der Mutter und einen vom Vater.

Für viele Wespen anfänglich unwiderstehlich: Eine "Cryptostylis"-Blüte. (© Foto: Anne Gaskett/Macquarie University)

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Die Wespenweibchen können sich demnach ohne Partner fortpflanzen - aber es entstehen dabei nur Männchen. Je mehr von diesen nun existieren, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Weibchen später trotz der pflanzlichen Nebenbuhlerinnen einen Partner finden.

Auf die große Bedeutung der Genetik für die Beziehung zwischen den Orchideen und den Wespen deutet auch die Tatsache hin, dass "fast alle Orchideen, die auf diese Weise betrügen, von haplodiploiden und nicht staatenbildenden Insekten bestäubt werden", erklären Gaskett und ihr Team. So lange die ausgebeuteten Bestäuber sich in ausreichendem Maße sexuell fortpflanzen, können die Pflanzen davon profitieren.

Wäre die Täuschung der Orchideen dagegen perfekt auf die Männchen einer Insektenart abgestimmt und könnten sich die Weibchen der betroffenen Spezies nicht ohne Partner vermehren, so wären beide Arten in großer Gefahr, auszusterben - zuerst die Wespen als Opfer des Betrugs, und schließlich die Betrüger selbst, die auf die Insekten als Pollen-Kurier angewiesen sind.

Und wer weiß, wie häufig genau ein solcher Prozess in der Vergangenheit die Ursache für den Untergang von Arten war. Fazit: Sich abhängig zu machen, ist gefährlich und beim Wettrüsten können beide am Ende Verlierer sein.

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(sueddeutsche.de/bön)