Auch unter Forellen gibt es Angsthasen und Haudegen. Doch eigene Erfahrungen und die Beobachtung von Artgenossen können aus einem forschen Fisch einen Feigling machen.
Regenbogenforellen können sich selbst und ihre Artgenossen beobachten, einschätzen und aus dieser Erfahrung auch lernen.
Regenbogenforellen beobachten ihre Artgenossen. (© Foto: AP)
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Damit sei die Persönlichkeit der Fische anpassungsfähig, berichten Lynne Sneddon und ihre Kollegen von der Universität Liverpool (Großbritannien) im Journal Proceedings B der britischen Royal Society. (online vorab veröffentlicht, DOI: 10.1098/rspb.2006.3751)
Die Forscher ließen jugendliche Regenbogenforellen der Art Oncorhynchus mykiss gegen Artgenossen kämpfen. Dabei ließen sie scheue und wagemutige Tiere aufeinander los. Doch die Duelle waren manipuliert. Die Wissenschaftler hatten in jedem Fall den Sieger von vorn herein bestimmt.
In einem zweiten Versuch beobachteten die jungen Fische, wie sich andere Forellen einem unbekannten Objekt näherten. Dabei konnten sie sowohl scheue Artgenossen beobachten, die sich der Herausforderung nur vorsichtig stellten, als auch wagemutige Fische, die sich dem Objekt schnell näherten.
Auf die so gemachten Erfahrungen reagierten forsche und feige Forellen unterschiedlich.
Wagemutige Forellen, die scheue Tiere beobachtet hatten oder selbst in einem Kampf unterlegen waren, verhielten sich später weniger forsch. Zurückhaltende Tiere dagegen blieben ihrer Persönlichkeit treu, wenn sie kühne Artgenossen beobachteten.
Sahen eher feige Forellen allerdings einem ebenfalls scheuen Fisch zu, wurden sie mutiger.
Sneddon und ihre Kollegen vermuten, dass sich Tiere, deren Mut wächst, einen Vorteil beim Kampf um Nahrung verschaffen: Haben zwei vorsichtige Forellen die gleiche Beute im Auge, gelte es schneller zu sein als der Artgenosse.
Auch wenn vorsichtige Fische im Kampf unterlagen, verhielten sie sich danach wagemutiger. Das begründen die Forscher mit dem "Desperado-Effekt": Demnach geben sich Verlierer besonders aggressiv, da sie ohnehin nichts mehr zu verlieren hätten.
Sneddon und ihre Kollegen betonen, dass scheue Forellen eine flexiblere Persönlichkeit hätten als ihre mutigen Artgenossen. Dadurch könnten sie sich die feigen Fische in einer unberechenbaren Umgebung schneller anpassen.
Wagemutige Tiere hingegen könnten sich schneller Routinen zulegen und hätten dadurch Vorteile in einer stabilen Umwelt.
(dpa)
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