Von Hanno Charisius

Für den Fall einer Schweinegrippe-Pandemie befürchtet die WHO einen Verteilungskampf um Impfstoffe - zu Lasten der armen Länder.

Die weltweit grassierende mexikanische Grippe steht seit Montag im Mittelpunkt der Beratungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Regierungsvertreter und Gesundheitsexperten aus 193 Mitgliedsstaaten diskutieren eine Woche lang, wie sich die Epidemie am effektivsten eindämmen lässt.

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In den vergangenen Tagen mussten die Seuchenexperten beobachten, wie sich die Erreger der mexikanischen Grippe immer weiter um die Welt verbreiten. Offiziell ist das Virus mittlerweile in 39 Staaten angekommen. Die Zahl der im Labor bestätigten Krankheitsfälle liegt weltweit bei fast 9000. Experten gehen jedoch davon aus, dass die reale Zahl der Infizierten in die Hunderttausende geht.

Am Wochenende tauchten jeweils erste Fälle in Chile, Indien und in der Türkei auf. In New York starb ein Mann an einer Grippeinfektion und mehrere Schulen wurden geschlossen. In Japan stieg die Zahl der Infektionen so sprunghaft an, dass am Montag vorsorglich mehr als 1000 Schulen und Kindergärten geschlossen blieben. Die Zahl der Erkrankten kletterte nach offiziellen Angaben auf 129, vor allem in den dicht besiedelten Gebieten um die Städte Kobe und Osaka nahm die Zahl der Schweinegrippefälle schnell zu.

Im Falle einer Pandemie rechnet die WHO inzwischen mit einem Verteilungskampf der Länder um Impfstoffe. Selbst wenn die Impfstoffproduktion gegen das neuartige Virus bald weltweit auf Hochtouren laufe, würden nach Einschätzung der Organisation Milliarden Impfdosen fehlen. Betroffen sind davon überwiegend arme Länder. Entwickelte Länder wie Deutschland haben lange bestehende Verträge mit Impfstoffherstellern abgeschlossen, die diese verpflichten, genügend Impfstoff zu liefern, um die gesamte Bevölkerung zu immunisieren.

Um eine gleichmäßige Verteilung der Medikamente zu sichern, plant die Chefin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, für Dienstag ein Treffen mit hochrangigen Vertretern der Pharmaindustrie. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will den Firmenvertretern ins Gewissen reden: "Arme Länder sind besonders anfällig. Gerade in einer Gesundheitskrise müssen wir globale Solidarität demonstrieren."

Das gängige Verfahren für die Impfstoffproduktion ist zeitraubend und teuer. Dazu werden bebrütete Hühnereier mit einem im Labor gezüchteten Virus infiziert. Innerhalb von wenigen Tagen vermehren sich die Erreger rasant in den Eiern. Dann werden die Viren geerntet, unschädlich gemacht und zum Impfstoff aufbereitet. Diese Methode ist seit 50 Jahren etabliert und bewährt, doch dauert es mit ihr wenigstens zehn bis zwölf Wochen, bis die ersten Impfdosen ausgeliefert werden können.

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