Interview: Birgit Kruse

Andreas Zapf, Präsident des obersten bayerischen Gesundheitsamtes, über erste Seuchenmaßnahmen in Deutschland - und warum es so schnell keinen Impfstoff geben wird.

Dr. med. Andreas Zapf ist Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Er ist Facharzt für innere Medizin und Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen. Zwischen 2001 und 2002 war er Leiter des Referates "Grundsatzfragen der Medizin" im damaligen Bayerischen Gesundheitsministerium. Bis 2008 war Zapf Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Tamiflu soll gegen das Schweinevirus helfen. (© Foto: ddp)

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sueddeutsche.de: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland erste Verdachtsfälle bestätigt sind, oder?

Andreas Zapf: Auch in Deutschland wird ersten Verdachtsfällen nachgegangen. Dazu werden die Patienten untersucht, befragt und die Symptome eingeordnet. Diese werden jeweils durch Laboruntersuchungen rasch geklärt. Nur so kann man sicher feststellen, ob ein Patient tatsächlich an Influenza-Viren erkrankt ist.

sueddeutsche.de: Ist die Sorge der Bürger vor einer Pandemie berechtigt?

Zapf: Wir nehmen die Gefahr sehr ernst und beobachten das Geschehen sehr sorgfältig. Es gibt aber keinen Anlass zur Panik.

sueddeutsche.de: Sind bereits erste Vorsorgemaßnahmen von Seiten der Behörden ergriffen worden?

Zapf: Ja. Wir bereiten uns schon seit längerem auf eine solche Situation vor und haben mögliche Szenarien geübt. Neben dem Bundesrahmenplan gibt es auch einen bayerischen Pandemieplan, der die verschiedenen Maßnahmen aufführt.

sueddeutsche.de: Welche konkreten Maßnahmen haben Sie eingeleitet, seitdem die ersten Fälle in Mexiko bekanntgeworden sind?

Zapf: Wir verfolgen das Geschehen mit höchster Aufmerksamkeit. Jetzt geht es darum, Verdachtsfälle möglichst rasch zu ermitteln. Dann werden konkrete Maßnahmen ergriffen. So wird einer möglichen Ausbreitung entgegengewirkt.

sueddeutsche.de: Wenn es ernst wird: Wie schnell greift der Notfallplan?

Zapf: Der Plan greift jetzt schon. Sollte die neue Influenza Deutschland erreichen, ist die wichtigste Maßnahme, den Patienten zu isolieren. Das bedeutet, dass die Gesundheitsbehörden vor Ort möglichst rasch über Verdachtsfälle informiert werden müssen. Deshalb unterrichten wir regelmäßig Ärzte und Krankenhäuser über die aktuelle epidemiologische Situation.

sueddeutsche.de: Wie lange ist die Inkubationszeit?

Zapf: Üblicherweise merkt man nach zwei bis fünf Tagen erste Anzeichen für eine Erkrankung.

sueddeutsche.de: Reichen die Sicherheitsvorkehrungen im länderübergreifenden Reiseverkehr aus?

Zapf: Für Reisewarnungen ist das Auswärtige Amt zuständig. Mit den Fluglinien haben wir konkrete Maßnahmen und Regularien entwickelt, die schon im Flugzeug greifen.

sueddeutsche.de: Welche?

Zapf: Wenn im Flugzeug ein Passagier mit Erkrankungszeichen bemerkt wird, muss der Pilot den Zielflughafen informieren. Dort wird der ärztliche Dienst aktiviert. Dieser trägt Sorge, dass erkrankte Passagiere von den gesunden abgeschirmt und ärztlich behandelt werden. Aber auch die Mitreisenden werden informiert, medizinisch beraten und über die Symptome aufgeklärt. Sie erfahren auch, welche Anlaufstellen sie gegebenenfalls kontaktieren können.

sueddeutsche.de: Medikamente wie Tamiflu können Patienten helfen. Hat Bayern genug Vorräte?

Zapf: Es handelt sich um eine Sicherheitsreserve zusätzlich zu den in den Apotheken erhältlichen Arzneimitteln. Aus meiner Sicht reichen die Vorräte völlig aus. Die Versorgung erfolgt wie gewohnt über Krankenhäuser und Apotheken mit direkter Nachbestellung der Medikamente bei den Herstellern. Erst wenn die Versorgung bei einer möglichen Pandemie tatsächlich knapp wird, greifen wir auf die Notfallreserve zurück.

sueddeutsche.de: Immer wieder ist die Rede davon, einen Impfstoff zu entwickeln. Ist dafür überhaupt noch die Zeit?

Zapf: Die Entwicklung eines Impfstoffes dauert mindestens drei Monate. Es ist daher wichtig, die Zeit bis zur Entwicklung eines Impfstoffes mit den genannten Maßnahmen zu überbrücken.

sueddeutsche.de: Wie sieht die Zusammenarbeit mit den anderen Bundesländern aus?

Zapf: Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Auch das haben wir in den vergangenen Jahren geübt. Es gibt regelmäßige Telefonkonferenzen mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin und den Ländern. Zudem erhalten wir ständig Informationen von der Weltgesundheitsorganisation und dem europäischen Seuchenzentrum.

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(sueddeutsche.de/jja)