Die WHO warnt weiter: In den kommenden Monaten könnte die Zahl der Schweinegrippe-Erkrankungen deutlich steigen.

Die sogenannte Schweinegrippe könnte nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Drittel der Weltbevölkerung bedrohen. Das könnte bereits in den nächsten Monaten der Fall sein, sagte der amtierende Vize-Generaldirektor der WHO, Keiji Fukuda, bei einem Treffen von Gesundheitsexperten aus Asien am Donnerstag in Bangkok.

Schweinegrippe, Mexiko, AFP

Mexiko will zur Normalität zurückkehren - soweit dies möglich ist. (© Foto: AFP)

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Es sei gut möglich, dass die WHO in Kürze wegen der neuartigen Grippe die Pandemie ausrufe. Derzeit gilt die zweithöchste Warnstufe 5.

Besonders gefährdet ist aus Sicht der WHO Afrika. Hier könnten die Folgen der neuen Grippe besonders schwer sein, warnte der für Afrika zuständige WHO-Direktor Luis Gomes Sambo auf einer Konferenz in Addis Abeba. Das liege vor allem daran, dass auf dem ärmsten Kontinent der Erde die Kontrollsysteme nur mäßig entwickelt seien und die zur Bekämpfung der Krankheit vorhandenen Mittel nicht ausreichten. Hier sei die WHO dabei, Abhilfe zu schaffen.

Auch das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sprachen sich am Donnerstag dagegen aus, voreilig Entwarnung zu geben. "Es ist zu früh, den Sieg über H1N1 zu erklären", erklärte Bekele Geleta, Generalsekretär des Internationalen Bundes beider Organisationen, auf einer Verbandstagung in Paris. "Wir müssen vor allem für den Fall wachsam bleiben, dass das Virus in ein paar Monaten mit neuer Kraft zurückkehrt." Die Experten beider Organisationen befürchten zudem, dass ein aggressiveres Virus durch die Vermischung von Erregern der Schweine- und der Vogelgrippe entstehen könnte. Diese Gefahr bestehe vor allem in Asien, wo es relativ viele Vogelgrippe-Fälle gebe.

Nach einer Übersicht der WHO gibt es 1893 Schweinegrippe-Erkrankungen in 23 Ländern. Am schwersten betroffen mit 942 bestätigten Fällen und 29 Toten ist Mexiko, gefolgt von den USA mit 642 Erkrankungen und zwei Toten. Das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) bezifferte die Zahl der Schweinegrippe-Fälle dagegen mit weltweit mehr als 2200.

In Deutschland bestätigte sich der zehnte Schweinegrippefall. Der betroffene Mann aus Sachsen-Anhalt war vor einigen Tagen aus Mexiko zurückgekehrt und hatte über eine Erkältung geklagt, teilte das Gesundheitsministerium in Magdeburg mit. Das Robert-Koch-Institut habe die Erkrankung bestätigt. Inzwischen sei der Patient jedoch schon wieder genesen.

Mexiko stufte unterdessen den Grippealarm von "Orange" auf "Gelb" zurück. Die Absenkung der Warnstufe erlaube eine weitgehende Rückkehr zur Normalität, teilte das Epidemiologische Institut in Mexiko-Stadt mit. Unter anderem können Restaurants, Klubs und Sportstadien wieder öffnen - allerdings dürfen sie nur die Hälfte der Menschen einlassen, die sie normalerweise unterbringen könnten.

Die Regierung hatte zuvor bereits die Wiederaufnahme des Unterrichts an den Oberschulen und Universitäten angekündigt. Nach Angaben der Handelskammer in Mexiko-Stadt musste die Wirtschaft der Metropole seit Beginn der Epidemie täglich Einbußen in Höhe von 50 Millionen Dollar (37,6 Millionen Euro) hinnehmen.

Kanadische Forscher vom staatlichen Mikrobiologielabor entschlüsselten nach Regierungsangaben erstmals das komplette Erbgut von Virusproben aus verschiedenen Ländern. "Unsere vorläufigen Analysen deuten nicht darauf hin, dass sich das Virus in Mexiko signifikant von dem in Kanada unterscheidet", erläuterte Laborchef Frank Plummer.

Das Mikrobiologielabor in Winnipeg hatte drei Virusproben aus Mexiko und Kanada sequenziert. Anhand des genetischen Aufbaus lässt sich unter anderem untersuchen, welche Virenstämme - etwa von Mensch, Schwein und Geflügel - zum neuen H1N1-Virus beigetragen haben und ob sich diese neue Variante schnell verändert. Auch für die Impfstoffentwicklung kann die Entzifferung des Erbguts Bedeutung haben.

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(Reuters/dpa/beu)