Schweinegrippe Böse Überraschung nach der Grippeimpfung

Macht die Impfung gegen die saisonale Grippe anfälliger für die Schweinegrippe? Gleich vier Studien deuten darauf hin.

Von Tina Baier

Menschen, die im vergangenen Jahr gegen die alljährlich wiederkehrende saisonale Grippe geimpft wurden, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko, an Schweinegrippe zu erkranken.

Zu diesem Ergebnis kommen vier voneinander unabhängige Studien, die jetzt in der Fachzeitschrift PLoS Medicine (online) veröffentlicht wurden.

Der Verdacht, dass es einen derartigen Zusammenhang geben könnte, kam erstmals im Frühjahr 2009 auf. Während eines Ausbruchs von Schweinegrippe an einer kanadischen Schule fiel auf, dass vor allem solche Schüler die Krankheit bekamen, die gegen die normale Grippe geimpft waren.

Um diese Beobachtung genauer zu untersuchen, starteten im Sommer 2009 vier verschiedene Studien mit insgesamt 2700 Teilnehmern. Alle Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die Impfung das Risiko, an Schweinegrippe zu erkranken, um das 1,03- bis 2,74-Fache erhöht hat. Der Verlauf der Erkrankung war aber nicht heftiger als bei ungeimpften Menschen, die sich mit H1N1 infiziert hatten.

Über die Gründe für die erhöhte Anfälligkeit nach einer Grippeimpfung können die Wissenschaftler nur spekulieren. Ein Fehler bei der Herstellung der Vakzine fällt als Ursache aus, da alle geimpften Versuchsteilnehmer gegen die saisonalen Grippeviren gut geschützt waren.

Vorstellbar wäre aber, dass die Antikörper, die der Körper als Reaktion auf die Impfung herstellt, sich an das Schweinegrippe-Virus binden, es aber nicht unschädlich machen können. Zu allem Überfluss würden die ineffektiven ,,falschen'' Antikörper das Immunsystem auch noch bei der Bekämpfung des Schweinegrippe-Erregers behindern.

Obwohl alle vier Studien auf verschiedenen Wegen zu dem gleichen Ergebnis gekommen sind, können die Virologen nicht mit Sicherheit ausschließen, dass der Grund für die erhöhte Anfälligkeit für Schweinegrippe gar nicht der Impfstoff ist, sondern irgendein anderer, noch unbekannter Faktor, den alle geimpften Studienteilnehmer gemeinsam haben.

Um das Risiko kontraproduktiver Wechselwirkungen zu verringern, hat die Weltgesundheitsorganisation trotzdem vorsorglich empfohlen, als Nächstes einen saisonalen Grippeimpfstoff zu produzieren, der auch abgeschwächte H1N1-Viren enthält. Eine solche Vakzine soll gleichzeitig gegen die saisonale Grippe und die Schweinegrippe schützen.