Eine Woche vor dem Start der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist ein Streit um die Impfstoffe entbrannt. Bekommen Politiker den besseren?
Große Aufregung um unterschiedliche Schweinegrippe-Impfstoffe: Während die Bundesländer am Montag auf die ersten Lieferungen des Massen-Impfstoffes Pandemrix warten, sieht sich die Bundesregierung dem Vorwurf einer "Zwei-Klassen-Impfung" ausgesetzt.
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Nur eine Woche vor dem geplanten Beginn der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe verunsichert eine Debatte um den Impfstoff die Bevölkerung. (© Foto: dpa)
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Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Bundesregierung, Bundesbeamte und Soldaten der Bundeswehr einen anderen Impfstoff bekommen sollen als Otto Normalverbraucher. Sie erhalten einen Schweinegrippeimpfstoff vom US-Pharmakonzern Baxter, der keinen umstrittenen Wirkstoffverstärker enthält. Der Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, sprach im Spiegel von einem Skandal, der den Menschen kaum zu vermitteln sei.
Die Diskussion verunsichere die Bevölkerung und schüre Angst vor der Impfung, sagt der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow. Die Angst vor einer Impfung gegen die Schweinegrippe ist nicht unbegründet und wird durch diese Diskussion sicher nicht geringer." Seiner Einschätzung nach könnte ein Großteil der bestellten Impfdosen deshalb ungenutzt bleiben. "Wer dann richtig Angst haben muss, ist der Steuerzahler, mit dessen Geld das Ganze bezahlt wird", sagt er.
Auch das Thüringer Gesundheitsministerium befürchtete, die Debatte könne die Impfbereitschaft der Menschen dämpfen. "Die Diskussion um einen vermeintlich besseren Impfstoff für Bundeswehr und Bundesregierung wirkt demotivierend", sagte Ministeriumssprecher Thomas Schulz.
Gesundheitsexperten und Politiker von Grünen und SPD hatten die unterschiedliche Impfpolitik am Wochenende stark kritisiert. Die Bundesregierung wies die Vorwürfe am Montag zurück.
Aus welchen Gründen der eine Impfstoff so und der andere so bestellt worden sei, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Bayerischen Rundfunk (BR). "Aber die Darstellung, dass hier eine Privilegierung von politischen Verantwortungsträgern vorgesehen sei, das ist nun wirklich jenseits jeder Realität."
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. "Richtig ist, es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff." Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, sagte, der Impfstoff für die Mehrheit habe entscheidende Vorteile.
Das Innenministerium hat 200.000 Dosen des Baxter-Impfstoffes bestellt. Der Rest der Bevölkerung bekommt dagegen einen Impfstoff von der britischen Firma GlaxoSmithKline, dessen Wirkstoffverstärker (Adjuvans) von einigen Ärzten kritisch gesehen werden. Mögliche Nebenwirkungen einer Grippeimpfung sind Hautrötungen oder Gliederschmerzen. Die verstärkenden Wirkstoffe könnten auch die Nebenwirkungen verstärken und zu Kopfschmerzen oder Fieber führen, befürchten Mediziner. Für Schwangere und Kinder könnte Pandemrix darum wenig geeignet sein.
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Die Bundesregierung hatte 50 Millionen Pandemrix-Impfdosen bestellt, die für mehr als ein Drittel der Bevölkerung reichen sollen. Bis zum Mittwoch sollen alle Bundesländer eine erste Lieferung erhalten haben. Trotzdem soll weiterer Impfstoff bestellt werden - diesmal ohne Wirkstoffverstärker.
Virologe Alexander Kekulé rät gesunden Erwachsenen zur Impfung - trotz auch von ihm geäußerter Kritik an dem von den Bundesländern bestellten Impfstoff. Die Nebenwirkungen seien nicht viel anders als zum Beispiel bei einer Tetanus-Impfung, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Deutschlandradio.
Erstmals gebe es die Chance, "so eine Influenza-Welle wirklich durch eine Impfung zu begrenzen", meinte er. Auch er selbst werde sich impfen lassen, mit Pandemrix. Bevor er allerdings seine drei kleinen Kinder impfen lasse, werde er "warten was sich noch tut in den nächsten Wochen".
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte die unterschiedlichen Bestellungen am Wochenende als "äußerst unglücklich" bezeichnet und Schäuble direkt angegriffen. "So entsteht der Eindruck einer Zwei-Klassen-Medizin bei der Impfung. Innenminister Wolfgang Schäuble hatte hier nicht das notwendige Gespür."
"Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff."
Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, kritisierte in der Bild-Zeitung, zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung seien das falsche Signal. "Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl."
Die Regierung und das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut versicherten dagegen, es gebe kein größeres Risiko für die Bevölkerung. Das Institut erklärte: "Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff."
Eine Sprecherin des Innenministeriums erläuterte der Berliner Zeitung, das zuständige Beschaffungsamt habe mit dem Hersteller Baxter schon vor vielen Monaten einen Vertrag abgeschlossen. Der müsse nun eingehalten werden. Zum damaligen Zeitpunkt sei von möglichen Unterschieden der beiden Stoffe keine Rede gewesen. Nach Angaben der Zeitung spricht Vieles dafür, dass der Impfstoff von Baxter einfach billiger war.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vertraut bei der Frage nach einer Impfung gegen die Schweinegrippe ganz ihrem Arzt. "Sie wird natürlich, wenn der Impfstoff dann in den Praxen angekommen sein wird in den nächsten Tagen, mit ihrem Hausarzt sprechen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. "Wenn er ihr sagt, es ist richtig, sich jetzt impfen zu lassen, dann wird sie das machen." Falls sie sich dann für eine Impfung gegen die Neue Grippe entscheidet, wird sie nach Angaben von Wilhelm keinen besonderen Impfstoff wählen, sondern den üblichen, der in allen Hausarztpraxen verwendet wird.
Innenminister Schäuble sagte im BR, er wisse noch nicht, ob er sich überhaupt impfen lassen möchte. "Ich weiß gar nicht, ob ich mich jemals impfen lassen werde". Und so geht es auch einem Großteil der Bevölkerung. Nach der anfänglichen großen Panik will sich laut Umfragen nur noch jeder fünfte Deutsche gegen das H1N1-Virus impfen lassen.
Schäubles Parteifreund Wolfgang Bosbach sagte dem Fernsehsender n-tv: "Ich lasse mich nicht impfen, dann muss ich auch nicht die Frage beantworten, ob ich als Bundestagsabgeordneter einen Luxus-Impfstoff bekommen habe", sagte er.
Auch Angstforscher Bandelow will auf die Impfung verzichten. "Nach sorgfältiger Risikoabwägung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich nicht impfen lassen werde", sagt er. In den USA seien vor einigen Jahren Menschen nach der Schweinegrippenimpfung gestorben, die Grippe selbst habe niemanden getötet.
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(sueddeutsche.de/dpa/AP/bsj/bavo)
Schlosshotels in Polen
"19.10.2009 16:20:36
oildrum: Die Schweizer machens richtig- dort ist noch kein Impfstoff zugelassen-
und schon werden Dosen verschenkt- auch Frankreich verschenkt bereits Dosen!
drs1.ch/www/de/drs1/nachrichten/147317.schweinegrippe-impfung-wohl-ab-november.html
der Wert einer Impfdosis mit Adjuvans liegt daher derzeit bei genau Null Euro."
Im von ihnen verlinkten Artikel steht davon aber nichts.
"Sollten die Nebenwirkungen des "Volksimpfstoffs" tatsächlich größer sein, droht der Wirtschaft dadurch natürlich auch größerer Schaden durch größere und vermehrte Krankenstände."
Die Nebenwirkungen sind nicht anders als wie bei z.B. Tetanusimpfung. Im schlimmsten Fall tritt bei ganz wenigen eine leichte Grippe auf. Und mit der geht inzwischen fast jeder Deutsche zur Arbeit.
Die derzeit erzeugte Hysterie ist einfach grotesk.
Es ist seltsam genug, dass Regierungssprecher Wilhelm auf einmal verkündet, die Länder seien für die Bürger und die Bundesregierung für ihre Bedienstete verantwortlich. Alles Kompetenzsache? Vielleicht, eher scheint mir das Ganze als nachgeschobene Beruhigung, was die Sache keineswegs besser macht. Und da sind ja noch die Vorwürfe der Korruption. Alles in Allem eine höchst unappetitliche Situation!! Es gibt aber noch einen anderen Aspekt: Sollten die Nebenwirkungen des "Volksimpfstoffs" tatsächlich größer sein, droht der Wirtschaft dadurch natürlich auch größerer Schaden durch größere und vermehrte Krankenstände. Hat man natürlich nicht dran gedacht. Und da war ja noch die Verpflichtung der Länderminister, keine Regressansprüche zu stellen, im Falle von Nebenwirkungen. Und das ausgerechnet im Bereich Gesundheit!!!!! Obendrein hat man möglicherweise den Impfstoff teurer bezahlt als andere Länder ( Schweiz, wie Feinstpartikelfilter im Forum schreibt )
Zitat Disley: " ... ich kann für die Gesundheit aller Menschen nur hoffen, daß die Pharmaindustrie auf allen Impfdosen sitzen bleibt (...)"
Das glauben Sie doch selber nicht, die Impfdosen sind bestellt oder schon da und werden von Ihren und meinen und unser aller Steuergelder bezahlt. Ich verneige mich wirklich ehrfürchtig vor der Lobbyarbeit der Phrarmaindustrie.
Die Sauerei ist doch nicht nur diese Zweiklassenmedizin (seit Orwell wissen wir alle, welche Tierart gleicher ist), sondern die Bereitschaft der Politiker hier ein völlig unkontrollierbares Menschenexperiment zuzulassen. Wer weiß, was uns da wirklich unter die Haut gejubelt werden soll. Ich war vorher schon nicht bereit, mich an diesem Menschenexperiment zu beteiligen und bin jetzt in meiner Überzeugung bestärkt worden.
Und, wer wirklich glaubt, dass Frau Merkel das schlechte Zeug gespritzt bekommt, der hat auch geglaubt, dass der gesetzlich krankenversicherte Joschka Fischer in einem Vier-Bett-Zimmer gelandet wäre.
Liebe Redaktion, habt ihr denn das Offensichtliche nicht erkannt? Wie könnt ihr von einer Zwei-Klassen Impfung sprechen, die dem gemeinen Bürger eventuell zum Nachteil gereichen soll? Bundeswehr, Regierung sowie die Mitarbeiter des Paul-Ehrlich-Institutes haben sich selbstlos bereit erklärt, den Impfstoff ohne Adjuvanzien zu verwenden, sodass für uns der "wirkungsvollere", verstärkte Impfstoff verwendet werden kann.
Anstelle dies zu honorieren, hagelt es nun von allen Seiten Kritik....
Das wars dann nun mit der Schweinegrippen-Massenschutzimpfung. War der Wille zum Impfen schon vor dieser Meldung eher verhalten, so wird sich dies nun nicht unbedingt zum Besseren wenden. Das einzig Positive an der ganzen Geschichte ist lediglich, dass das Thema Zwangsimpfung nun ad acta ist. Auch die in entferntesten Sphären schwebenden Mitglieder der "politischen Elite unseres Landes" wird es nun nicht mehr wagen, im Zweifelsfalle Zwangsimpfungen anzuordnen.
Wieder einmal ein schönes Beispiel, wie der deutsche Michel hier wieder für dumm verkauft wird. Wer im Übrigen davon ausgeht, dass Frau Merkel (so wie es im Artikel dargestellt wird) sich durch eine Impfung in "Gefahr" begibt, der darf beruhigt sein: Wo Pandemix draufsteht, muss noch lang kein Pandemix drin sein....
Paging