Umweltstiftung WWF in der Kritik Im Dschungelbuch-Disneyland

4000 wilde Tiger soll es auf der Erde noch geben. Mit Tigerbildern hat der WWF eine apokalyptisch angehauchte Kampagne entworfen. Das braucht man auch zum Eintreiben von Spenden zur "Rettung des Tigers". Etwa 100 von ihnen sollen im indischen Kanha-Nationalpark leben. Dorthin werden Safaris für knapp 10.000 Dollar angeboten. Premiumpartner des Reisebüros: der WWF. 155 Jeeps auch anderer Veranstalter brettern jetzt täglich durch den Park. Doch was hat das mit Naturschutz zu tun?

Für die Errichtung des Nationalparks mussten Hunderttausende Ureinwohner weichen und verloren ihre Heimat, obwohl sie dort seit Jahrtausenden gemeinsam mit den Raubkatzen leben. Um den Behörden Beine zu machen, zwang der WWF Indiens sie mit Hilfe eines Gerichtsbeschlusses, die Massenumsiedlungen zu beschleunigen. Jetzt sollen noch einmal bis zu einer Millionen Ureinwohner umgesiedelt werden, denn die alten Reservate werden vergrößert und neue sollen entstehen, schreibt der Autor.

Eine Maxime, die auch anderswo gilt. "Allein in Afrika sind 14 Millionen Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt worden, um Platz für wilde Tiere zu schaffen", schreibt Huismann. Der WWF habe Umweltschutz von Anfang an als eine Art Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln gesehen.

"Vertreibung ist ein ganz dunkles Kapitel des Naturschutzes", sagt auch ein WWF-Sprecher der SZ. Aber: "Der WWF hat dazugelernt und lehnt Zwangsumsiedlung schon lange ab." Huismann dokumentiert jedoch eine andere Realität.