Schmuck Teuer, schön und giftig

Nickel ist Bestandteil vieler Legierungen - und kann beim Menschen Allergien auslösen

(Foto: dpa)

Auch kostspieliger Schmuck und teure Accessoires enthalten inzwischen unzulässige Mengen Nickel oder Chrom. Kontrolleure warnen vor Gesundheitsgefahren.

Von Gunnar Römer

Sie dienen bloß der Zierde, und trotzdem machen sie immer öfter krank: Auch kostspieliger Schmuck und teure Accessoires enthalten inzwischen unzulässige Mengen Nickel oder Chrom. Das hat eine Untersuchung im Auftrag des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ergeben.

Demnach finden sich erhöhte Nickelwerte nicht nur in billigen Modekettchen, auch viele Goldprodukte sollen belastet sein. Selbst eine Weißgold-Legierung mit 18 Karat kann demnach bis zu 20 Prozent Nickel enthalten. Und in Lederwaren sind oft erhöhte Mengen Chrom nachweisbar. Der Anteil der beanstandeten Artikel ist seit der letzten Kontrolle vor sieben Jahren weiter gestiegen. "Es ist an der Zeit, dass sowohl die Hersteller als auch die Importeure dafür sorgen, dass die Grenzwerte eingehalten werden", fordert Helmut Tschiersky, Präsident des BVL.

Nickel ist Bestandteil vieler Legierungen. Es soll Schmuck robuster machen. Auch Münzen, Spielzeuge und Tätowierfarben enthalten das Metall. Entscheidend für die Gesundheit ist allerdings weniger der Gehalt des Metalls im Produkt. Vielmehr kommt es darauf an, wie viel Nickel in die Haut übergeht. Denn erst dort wird es gefährlich: Die abgegebenen Nickel-Ionen sind nämlich viel zu klein, um vom Immunsystem überhaupt erkannt zu werden. In der Haut verbinden sie sich jedoch mit Eiweißen - und werden zum Allergen. Winzigste Mengen davon sind okay, sie verursachen noch keine Allergie. Kommt es durch erhöhte Werte aber zu einer Sensibilisierung, reagiert der Körper künftig auch auf geringe Mengen Nickel.

Hohe Rückstände in Handschuhen

Deshalb sind Grenzwerte von Beginn an wichtig. Die entsprechende Messgröße heißt Nickelfreisetzungsrate, der Grenzwert liegt bei einem halben Mikrogramm pro Quadratzentimeter. Zahlreiche Accessoires überschreiten diese Grenze um das Zehnfache. Mehr als 17 Prozent der Ohrstecker und Piercingartikel wurden beanstandet. Besser sieht es bei Gürtelschnallen, Verschlüssen und Hosenknöpfen aus: Nur fünf Prozent fielen durch das Raster der Bundesbehörde.

Chrom wird vor allem zum Gerben von Leder verwendet, infrage kommen dafür verschiedene Salze des Metalls. Einige Salze sind unbedenklich, doch bei unsauberer Verarbeitung oder sehr fettreichem Leder können gesundheitsschädliche Verbindungen entstehen. Bereits kleinste Mengen sind in der Lage, starke allergische Reaktionen auszulösen. Daher gibt es strenge, EU-weit gültige Grenzwerte. Alle Produkte mit häufigem Hautkontakt dürfen höchstens drei Milligramm sogenanntes Chrom(IV)- Salz pro Kilogramm Leder enthalten. In Deutschland gelten diese Grenzen schon seit 2010. Und trotzdem wiesen 16 Prozent der 386 nun analysierten Lederproben eine zu hohe Chrombelastung auf. Produkte aus China wurden mehr als doppelt so oft beanstandet wie heimische Erzeugnisse. Ausgerechnet bei einem Drittel der untersuchten Handschuhe fanden die Wissenschaftler hohe Rückstandsmengen. Keine gute Nachricht im beginnenden Winter.

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