Dieser Geigenvirtuose hatte immer wieder davon geträumt, dass der Teufel persönlich ihm die allerschwierigste, hinreißendste Sonate vortiriliert. Er hat jahrelang darum gerungen, sie im wachen Zustand aufzuzeichnen, und es endlich doch hingekriegt (mit Abstrichen, wie er zeitlebens bedauerte, aber immerhin).

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Die Ausstellung zeigt ein interessantes drittklassiges Gemälde, wo der Teufel auf der Bettkante des schlafenden Tartini hockt, und offeriert dazu einen Kopfhörer, aus dem ein unangenehm stechendes Gezirpe dringt - eben der berühmte "Teufelstriller". Das ist ungefähr so aufschlussreich wie die neben dem Altar aufgehängten Krücken für die Heilkräfte eines Wallfahrtsorts.

Und dann gibt es die "Dream Paintings" von Jane Gifford, 144 kleinformatige Stücke, an der Wand aufgereiht, klein und demütig, ganz und gar in der Art einer Sammlung von Exvotos: Für den Traum jeder Nacht über einen bestimmten Zeitraum hinweg wollte sie ein Bild malen, das ihn möglichst getreu darstellte. (Den Traumtext liefert eine beiliegende Mappe nach.)

Wäre stichhaltig, was sie unternimmt, so würde eine wichtige Lücke geschlossen, nämlich zwischen der vorwiegend visuellen Präsenz des Traums und seiner sprachlichen Repräsentation, wie sie Freud als Standard eingeführt hat.

Diese Kunst, die allen Stolz so weit fahren lässt, dass sie sich den antipodischen Prätentionen der naiven Malerei annähert, stellt die Vertrauensfrage: Gab es ihn denn wirklich jede Nacht, den malbaren Traum? Es verdrießt das sture Regelmaß. Hätte die Künstlerin uns auf gleiche Weise mit einem Kalender ihres Sexlebens konfrontiert, so müsste man genauso sagen: Da stimmt was nicht, selbst wenn es stimmt.

Die Ausstellung hat einen wunderbaren Schluss- und Höhepunkt, ganz hinten am Ende des Wandelgangs stirnwandfüllend und sehr wirkungsvoll angebracht: "Auf Zeit" von Raffael Rheinsberg. Rheinsberg hat Hunderte Uhren und Wecker auseinandergenommen und ihre isolierten Bestandteile, Räder, Wellen, Klingeln, Unruhen (Unruhen speziell!) und was sonst noch so in diesen Höllenmaschinen steckt, über eine große Fläche verteilt. Sie hängen dort festgesteckt wie auf einer Sternenkarte.

Wer nur diese Kurzbeschreibung liest, könnte zum Schluss gelangen, es wäre halt mal wieder bloß so ein Stück Konzeptkunst. Aber das täte ihm Unrecht. Wer die ganze Ausstellung durchmessen und sich ihrer Stimmung und ihren Lichtverhältnissen überlassen hat, der wird im abschließenden Witz dieses Gebildes eine schöne, ja träumerische Heiterkeit entdecken.

Wir werden uns so bald nicht der tyrannischen Gewalt unserer Zeitmesser entwinden, und wir werden das Innere des Schlafs vielleicht so wenig je erreichen wie die Sterne der Milchstraße. Aber wenn uns die Unruhe des Weckers plötzlich als Spiralnebel erscheint, so gibt es einen Kurzschluss, den man als befreiendes Lachen erlebt.

Man darf sich vor der so geschmückten Wand auf einem Matratzenlager niederlassen und Wiegenlieder aus Deutschland, Vietnam und Neukaledonien hören. Uhren gibt es noch nicht überall auf der Welt, Wiegenlieder schon.

Wenige solcher Offenbarungen hält der Katalog bereit. Am interessantesten ist der Aufsatz, der das Verhältnis der beiden eigentlichen Traum-Wissenschaften, der klassischen Psychoanalyse und der Neurologie, behandelt. "Engführung zweier Diskurse" ist er betitelt. "Eng" ist ein relativer Begriff, bedingt vor allem vom Sichtabstand.

Der Neurologie liegt die Struktur des menschlichen Gehirns inzwischen ungefähr so offen da wie das Satellitenbild von einer nächtlichen Großstadt. Wie viel von ihr begreift, wer nur dieses sieht?

"Schlaf & Traum" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Bis 3. Oktober. Info: Telefon 03 51/4 84 64 00.

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(SZ vom 3.4.2007)