Saurier-Abdrücke in Bochum Älteste Wirbeltierspur Deutschlands entdeckt

Ein Hobby-Paläontologe hat in einem Steinbruch bei Bochum die 316 Millionen Jahre alten Abdrücke eines Sauriers entdeckt: Das Ichniotherium war keine Amphibie mehr, aber auch noch kein echtes Reptil.

Eigentlich soll der Fund erst am Montag offiziell vorgestellt werden - aber er ließ sich einfach nicht länger geheim halten: In einem Steinbruch im Ruhrtal im Süden Bochums hat ein Hobby-Paläontologe die bislang älteste Fußspur eines Landwirbeltiers in Deutschland entdeckt.

Es handelt sich um die etwa 316 Millionen Jahre alten Abdrücke eines reptilienähnlichen Vierfüßers aus der Gruppe der Diadectomorpha. Ähnliche und ähnlich alte Fährten wurden bereits 1923 in der Bochumer Zeche "Präsident" entdeckt und der Art Ichniotherium praesidentis sowie einem Dimetropus zugeordnet.

Der Stadt Bochum zufolge sollen die im Oktober 2012 entdeckten, etwa 20 Zentimeter langen Spuren von Vorder- und Hinterbeinen ebenfalls von einem Ichniotherium praesidentis stammen. Das Tier war vermutlich etwas kleiner als ein Hausschwein und hatte sich offenbar am Ufer eines großen Flusses aufgehalten, der im oberen Karbon durch die Steinkohlemoore des heutigen Ruhrgebietes floss.

Bei den Diadectomorpha handelt es sich um eine Gruppe von Tieren, die aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit mit den Amphibien seit einiger Zeit nicht mehr den Reptilien zugeordnet, sondern als reptilomorphe Amphibien betrachtet.

"Es handelt sich um die älteste Wirbeltierfährte in Deutschland, die je gefunden wurde", sagte Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop in Thallichtenberg (Pfalz).

Er hat die Abdrücke gemeinsam mit dem Geologischen Dienst NRW untersucht. Voigt gilt als renommierter Experte für derartige Fährten und hat auch die Spuren aus der Zeche "Präsident" untersucht.

Die Fährte ist im ursprünglichen Gestein erhalten. So sei eine genaue Bestimmung ihres Alters und ihrer Herkunft möglich, bestätigte Daniela Schwarz-Wings vom Museum für Naturkunde in Berlin. "Das ist wissenschaftlich bedeutend, weil es zeigt, welche Verbreitung diese Tiere in Europa hatten, und wie lange es sie schon gab."

Der WAZ erzählte Entdecker Sven Hoffman aus Dortmund, dass er während eines Spaziergangs mit seinem zwölfjährigen Sohn im Bochumer Ruhrtal auf die Spuren gestoßen war, und zwar "an einer Stelle, die eigentlich von jedermann leicht einsehbar ist". Die Zeitung zeigt auch ein Foto eines Abdrucks.

Der Geologische Dienst NRW, dem Hoffmann seinen Fund meldete, hatte die Entdeckung nicht offiziell bekannt gegeben, aus Sorge, dass Laien die Abdrücke zerstören könnten, bevor die Fachwelt sie untersucht hat. "Da wurde sofort ein großes Geheimnis drum gemacht, alle Beteiligten zum Stillschweigen verpflichtet", zitiert die WAZ den Entdecker.

Wie die Stadt Bochum bekannt gab, soll die Gesteinsplatte mit den fossilen Spuren am Montag geborgen werden. Danach wird sie im LWL-Museum für Naturkunde in Münster präpariert und weiter untersucht. Schließlich wird sie ins Deutsche Bergbau-Museum in Bochum kommen, das bereits Abdrücke aus der Zeche "Präsident" ausstellt.

Abdrücke von Landwirbeltieren aus dem Karbon sind selten. In Deutschland wurden sie bislang vor allem in Zechen entdeckt.