Von Christoph Hickmann

Im Klinikum Fulda suchen Experten nach dem Auslöser einer Salmonellen-Epidemie mit hunderten Kranken und mehreren Toten. Sogar Sabotage wird nicht mehr ausgeschlossen.

Frankfurt - Am Freitagnachmittag noch schien ein Ende in Sicht, und Stefan Burkard klang zwar nicht direkt entspannt, doch zumindest in Maßen zuversichtlich. Zwei neue Fälle nur hatte er am Freitag melden müssen, nach sieben am Tag zuvor, die Kurve der Epidemie schien sich von ihrem Höhepunkt aus wieder der Null anzunähern.

Petrischale, AP

In Fulda sind im Klinikum und im Altenheim Heiliggeist 219 Fälle von schweren Samonellenerkrankungen aufgetreten. Die Ursache wurde bisher nicht entdeckt. (© Foto: AP)

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Knapp zwei Tage später, am Sonntagmittag, muss Burkard, kaufmännischer Direktor und Sprecher des Klinikums Fulda, nun doch von neun weiteren Infizierten berichten: Sieben Patienten und zwei Mitarbeiter mehr haben sich mit Salmonellen infiziert.

,,Dennoch bin ich weiterhin verhalten optimistisch'', sagt Burkard, was wohl bedeuten soll: Vielleicht, vielleicht ist ja doch bald alles vorbei in Fulda, wo sie nun seit mehr als drei Wochen versuchen, eine rätselhafte Salmonellen-Epidemie unter Kontrolle zu bekommen.

Schon einmal haben sie an ein rasches Ende geglaubt in dem mit 950 Betten größten Krankenhaus Osthessens. Am vergangenen Montag war das, ,,da waren wir aufgrund der Zahl der Neuinfektionen sicher, dass wir durch sind'', sagt Stefan Burkard.

Die erste Welle der Salmonellen-Epidemie war gerade zu Ende gegangen, in den Tagen zuvor hatte es immer weniger neue Infektionen gegeben und dann am Montag keine mehr. Am Dienstag aber meldete die Klinik, dass sich weitere 21 Menschen angesteckt hatten. Die zweite Welle hatte begonnen.

Bis einschließlich Samstag haben sich nun in der Klinik 228 Menschen mit Salmonellen infiziert, davon 143 Patienten und 85 Mitarbeiter. In einem etwa drei Kilometer entfernten Seniorenzentrum sind zudem 24 Bewohner und zwei Mitarbeiter erkrankt.

Acht Menschen sind gestorben, vier in der Klinik, vier im Seniorenzentrum. Alle acht hatten Salmonellen im Körper, doch nur bei zweien waren sie nach Angaben der Klinik auch wirklich die Todesursache. Darüber hinaus gibt es, so drückt man das in Fulda aus, in einem Fall einen ,,mittelbaren Zusammenhang'':

Eine 73 Jahre alte Frau, ohnehin schwer krank, hatte sich mit Salmonellen infiziert. Sie bekam Durchfall, verlor viel Flüssigkeit und starb, stark geschwächt, während einer Operation an Herzinfarkt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

,,Spätestens als es während der zweiten Welle weitere Todesfälle gab, mussten wir handeln'', sagt Staatsanwalt Harry Wilke. ,,Wenn sich so etwas über eine solch lange Zeit hinzieht, ist die Staatsanwaltschaft in der Pflicht zu überprüfen, ob da vielleicht nicht sorgfältig genug geputzt, gearbeitet oder kontrolliert worden ist.''

"Wir sind da ziemlich ratlos"

All das aber wissen sie auch in der Klinik nicht, noch immer ist unklar, wie die Epidemie ausbrechen konnte. ,,Wir sind da ziemlich ratlos'', sagt ihr Sprecher Burkard. ,,Ich glaube, weltweit hat es wohl noch nie eine solche Situation in einem Krankenhaus gegeben.''

Auslöser für derartige Epidemien sind in der Regel Lebensmittel. Die Zentralküche der Klinik, die auch das Seniorenheim belieferte, ist daher seit einer Woche geschlossen. Veterinäre des Kreisgesundheitsamtes haben Proben von den Arbeitsflächen genommen und Lebensmittel untersucht - bisher ohne Befund.

Inzwischen sind zusätzlich Mitarbeiter des Landes Hessen und ein Expertenteam des Robert-Koch-Instituts aus Berlin vor Ort. ,,Alles, was es an Fachkompetenz gibt, ist jetzt in Fulda gebündelt'', heißt es beim hessischen Gesundheitsministerium, doch in der Klinik werden sie mit jedem Tag ohne Ergebnis verzweifelter.

,,Wir hätten uns ja gewünscht, irgendwo eine Mülltüte zu finden, die wir als Ursache identifizieren können'', sagt Burkard. ,,Dann schmeißen wir den Lieferanten raus, und gut ist es.''

Inzwischen sagen immer mehr Patienten ihre Operationstermine ab, weil sie schlicht Angst haben. Hinzu kommen öffentliche Kritik und Spekulationen, etwa von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Deren Sprecher Klaus-Dieter Zastrow sagte der Frankfurter Rundschau, nun bleibe eigentlich nur noch Sabotage als Auslöser.

Beim Gesundheitsamt in Fulda will man das nicht mehr ausschließen, doch in der Klinik heißt es, man wolle dies nicht weiter kommentieren. Was sollen sie auch sagen, sie können jetzt nur warten, dass die Experten ihre Arbeit tun. ,,Es ist wie in einem Horrorfilm'', sagt Stefan Burkard.

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