Säuglinge Höheres Infektionsrisiko nach Kaiserschnitt

Babys, die auf natürliche Weise geboren werden, übernehmen Bakterien von der Mutter, die sie vor schädlichen Erregern schützen. Beim Kaiserschnitt greift dieser Schutzmechanismus nicht.

Babys, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, sind häufiger von Asthma oder Allergien betroffen als Kinder, die auf natürlichem Wege zur Welt gekommen sind.

Kinder, die mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko.

(Foto: ag.dpa)

Warum dies so ist, war bislang nicht klar. Wissenschaftler der University of Puerto Rico in San Juan haben nun festgestellt, dass dies möglicherweise damit zusammenhängt, dass Neugeborene im Bauch in einer völlig keimfreien Umgebung heranwachsen und während der natürlichen Geburt im Geburtskanal Bakterien von der Mutter übernehmen. Die sich dann entwickelnde Bakterienflora auf der Haut scheint Kinder vor Infektionen mit anderen Keimen zu schützen.

Das Team um Maria Dominguez-Bello hatte die Mikroorganismen auf der Haut und im Darm von zehn Neugeborenen untersucht und mit den Mikroorganismen verglichen, die sie im Geburtskanal der Mütter nachgewiesen hatten. Tatsächlich fanden sie eine große Übereinstimmung der Bakterienflora von Mutter und Kind nach einer natürlichen Geburt. Nach einem Kaiserschnitt war die Haut der Säuglinge dagegen überwiegend von anderen Hautbakterien besiedelt - darunter gefährliche Krankheitserreger. So wiesen sie zum Beispiel Staphylococcus aureus nach, ein gegen viele gängige Antibiotika resistenter Keim, der Hautinfektionen und im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Krankheiten wie eine Lungenentzündung hervorrufen kann.

Den Zusammenhang zwischen Infektionen mit diesem Erreger und Kaiserschnitten hatte eine Studie bereits vor einigen Jahren belegt. Demnach waren 64 bis 82 Prozent der Säuglinge, die an einer durch Staphylococcus aureus verursachten Hautinfektion litten, per Kaiserschnitt zur Welt gekommen.

Die Zusammensetzung der Bakterienflora unseres Körpers scheint demnach von derjenigen unserer Mutter und den Umständen der Geburt mitbestimmt zu werden - und damit auch die Anfälligkeit gegenüber Allergien, Asthma und Infektionen. Denn die nützlichen "geerbten" Bakterien, die für die Verdauung wichtig sind und das Immunsystem stärken, konkurrieren mit Krankheitserregern und wirken so als Schutzmechanismus.

Doch die Zahl der Kaiserschnitte wächst: Allein in den USA waren es 2007 mehr als 30 Prozent aller Geburten. Es ist demnach zu befürchten, dass auch die Zahl der von Hautbakterien ausgelösten Krankheiten weiter zunimmt.