Rote Liste Ein Viertel aller Säugetiere bedroht

Die Weltnaturschutzunion belegt mit der aktuellen Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten eine dramatische "Artenkrise". Und "es gibt keine Ausrede mehr, nur noch zuzuschauen".

Mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht. Dies geht aus der Roten Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen hervor, die die Weltnaturschutzunion (IUCN) auf dem Weltnaturschutzkongress in Barcelona vorlegte. Über 16.900 der untersuchten Arten sind in Gefahr, 1300 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt wurden 44.800 Tier- und Pflanzenarten bewertet.

Ein wenig Hoffnung

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Auch die Säugetiere seien von einer "Artenkrise" betroffen. Von den rund 4500 untersuchten Säugetierarten in aller Welt sind laut Roter Liste 1140 bedroht - das sind rund ein Viertel. "Noch zu unseren Lebenszeiten könnten Hunderte von Arten als Folge des menschlichen Handelns verloren gehen", sagte die IUCN- Generaldirektorin Julia Marton-Lefèbvre.

Die Zahl der tatsächlich bedrohten Spezies könne sogar noch höher sein, da über fast 840 weitere Säugetierarten nicht genügend Informationen vorlägen. "In Wirklichkeit kann es sogar sein, dass bis zu 36 Prozent aller Arten von Säugetieren bedroht sind", betonte der Artenschutzexperte Jan Schipper.

188 Säugetierarten werden in der Roten Liste unter der Kategorie der am stärksten bedrohten Arten geführt. Dazu gehört der Pardelluchs (Lynx pardinus), von dem in Spanien noch etwa 84 bis 143 ausgewachsene Exemplare leben.

Der Davidshirsch (Elaphurus davidianis) in China gelte in der Wildnis gar als ausgestorben, teilte die IUCN mit. Allerdings bestehe die Hoffnung, dass in Tierparks gehaltene Hirsche ausgesetzt werden könnten. Zwei Arten gelten in Deutschland als ausgestorben: das Wildpferd und die Bayerische Kurzohrmaus (Microtus Bavaricus).

Auch für die San-Felipe-Hutia (Mesocapromys sanfelipensis) könnte es bereits zu spät. Dieses in Kuba lebende Nagetier sei seit Jahren nicht mehr gesichtet worden. Bei den Beutelteufeln (Sarcophilus harrisii), den Fischkatzen (Prionailurus viverrinus) und den Kaspirobben (Pusa caspica) nahmen die Vorkommen in letzter Zeit stark ab, so dass diese Arten in der Roten Liste nun in höheren Gefährdungskategorien verzeichnet sind.

"Je länger wir warten, desto teurer wird es, das Aussterben bestimmter Arten zu verhindern", betonte die Leiterin des IUCN- Artenschutzprogramms, Jane Smart. "Wir wissen nun, welche Arten bedroht sind, worin die Gefahren bestehen und wo sie lauern. Es gibt keine Ausrede mehr, nur noch zuzuschauen." In diesem Jahr hatten die Experten bei der Roten Liste ein besonderes Augenmerk auf die Säugetiere gerichtet.

Auswilderung macht Hoffnung

Die Rote Liste verzeichnet auch einige positive Entwicklungen. Beim Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) nahmen die Bestände in Ost- und Südafrika so stark zu, dass der Grad der Gefährdung zurückgegangen sei. Wildpferde (Equuus ferrus) seien in der Mongolei erfolgreich ausgesetzt worden, so dass diese Art nicht mehr als "ausgestorben in der Wildnis" gelte, sondern nur noch als "kritisch gefährdet". Diese gelte auch für die in den USA und Mexiko ausgesetzten Schwarzfuß-Iltisse (Mustela nigripes).

An dem Weltnaturschutzkongress in Barcelona nehmen rund 7000 Regierungsvertreter und Experten aus fast 150 Staaten teil. Sie wollen auf dem zehntägigen Treffen in der katalanischen Metropole unter anderem beraten, wie der Artenschutz verbessert werden kann und welche Auswirkungen der Klimawandel für die Artenvielfalt hat. Nach Expertenschätzungen gibt es zwei bis 100 Millionen Arten auf der Welt, viele sind noch nicht entdeckt.