Roboter werden klüger, emotionaler, humaner. Aber können Menschen sie je als echte Partner akzeptieren? Die Maschinen müssen nur noch soziales Verhalten lernen, sagen Experten.
Vor dem Kleinen ist mal wieder nichts sicher. Erst fegt er den Papierstapel vom Tisch. Dann steckt er seine Nase in ein Buch - ganz so, als könne er lesen. Und zum Schluss wirft er, von Neugier getrieben, fast noch eine Colaflasche um. Aber wenn der Racker dann den Kopf zur Seite neigt und einen mit seinen großen blauen Augen ansieht, wer kann ihm da schon böse sein? Und wer denkt noch daran, dass der kleine Pleo eigentlich strunzdoof ist?
Bild vergrößern
PAPERO: ein sehr gesprächiges Maschinchen. (© Foto: Hersteller)
Anzeige
Er versteht nichts, hat keine Empfindungen und interessiert sich schon gar nicht für die Gefühlslage der Menschen um ihn herum. Es sind nur seine 14 Servomotoren, die 38 Sensoren und eine anpassungsfähige Software, die diese Illusion erzeugen. Pleo ist eine künstliche Lebensform, ein Hightech-Spielzeug in Dinosauriergestalt. Und er ist einer von vielen Millionen Robotern, die heute - in ganz unterschiedlichen Formen - mit Menschen zusammenleben.
Die mechanischen Gesellen saugen selbstständig die Wohnung, sie kümmern sich um den Nachwuchs und versorgen bereits, zumindest in Japan, alte und kranke Menschen. Forscher sind sich sicher: Die Maschinen werden die Gesellschaft verändern, und die Gesellschaft muss sich auf sie einstellen.
Seele aus Blech
Bislang haben Ingenieure beim Bau von Robotern auf technische Details geachtet, auf das Zusammenspiel von Motoren und Sensoren. Jetzt rücken andere Dinge in den Mittelpunkt. Die künstlichen Mitbewohner brauchen Manieren und Persönlichkeit.
"Wenn Menschen über Jahre hinweg immer wieder mit Robotern in Kontakt treten, spielt es für die Akzeptanz der Maschinen eine große Rolle, dass sie soziale Fähigkeiten zeigen", sagt Kerstin Dautenhahn, die an der Universität Hertfordshire in Großbritannien das Zusammenleben von Menschen und Maschinen untersucht. Serviert ein Roboter zum Beispiel jeden Morgen mit immer denselben Worten den Kaffee, ohne sich auf seinen Besitzer einzustellen, wird das, so Dautenhahn, "schnell nervig und frustrierend". Wie aber sollte ein Roboter aussehen und handeln, wenn solch ein Frust gar nicht erst aufkommen soll?
Mitte April hat unter Führung der Londoner Queen Mary University ein ambitioniertes, europaweites Forschungsprojekt begonnen, das sich genau dieser Frage widmen will. "Uns interessiert, wie Menschen im alltäglichen Leben eine längerfristige Beziehung zu künstlichen Kreaturen aufbauen", sagt Projektleiter Peter McOwan.
Acht Millionen Euro stehen den Forschern zur Verfügung, um innerhalb der nächsten vier Jahre das Konzept eines künstlichen Begleiters zu entwickeln. Der soll nicht nur sensibel auf seine Nutzer reagieren, sondern auch deren Intentionen erkennen und verschiedene Arten der Kommunikation beherrschen. McOwan sagt: "Die große Frage ist: Welche Eigenschaften muss so ein synthetischer Kompagnon haben, damit sich Menschen auf ihn einlassen?"
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 5 nächste Seite
- Der Ethiker Brauchen wir eine Roboterethik? 09.05.2008
- Roboter-Fußball "Besser als ein Profi-Torwart" 06.05.2008
- Technischer Fortschritt Warten auf den Robo-Butler 14.06.2010
- Japan Hochzeit mit dem Robo-Priester 18.05.2010
- Roboter Schuld und Maschine 14.04.2010
- Umweltdetektiv unter Wasser Robo-Fisch auf Patrouille 05.11.2009
- Notfallmedizin Ein echt kranker Roboter 23.10.2009
Mubarak-Prozess in Ägypten