Wenn jemand wie Mayer zwar weiß, dass "Süßwasser ... ein strategisches Gut" ist, das sich "nur in gewissen Grenzen" erneuern "und durch keine andere Ressource ... substituieren" lässt, dennoch den Schluss zieht "wegen Wasser werden keine Kriege geführt", dann hat er entweder kein politisches oder kein geschichtliches Bewusstsein. Auch, wenn er mitteilt, ihm sei bekannt, dass "Die Zerstörung von Wasserversorgungs-Anlagen ...zu Recht als Kriegsverbrechen" gilt.

Zeit der Dürre, wenn kein Wasser mehr da ist. (© Foto: AFP)

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Wasser sei aber bisher "praktisch nie ein Kriegsgrund" gewesen, sehe "man vom Konflikt zwischen Urlama, König von Lagash, und seinem Rivalen Umma ab, dem ersterer durch die Umleitung von Euphrat und Tigris das Wasser abgrub - aber das war vor 4500 Jahren". Ein Blick in den Nahen Osten oder das Afrika von heute würde ihn eines Besseren belehren.

Selbst viele Western-Streifen aus der Traumfabrik Hollywood befassen sich mit Konflikten um Wasserrechte: "Wer die Quelle hat, dem gehört das Tal!" Ganz abgesehen von den Rechten, die den "Kampf" um Nahrungsmittel aus dem Wasser - Fische und sonstiges Meeresgetier; Stichwort: Walfang, Kabeljaukrieg - regeln. Oder denen, die den Umgang mit Bächen, Flüssen, Seen und Meeren festlegen.

Manche Regierung scheint der Ansicht zu sein, für sie und ihre Nation ginge es nicht darum, künftigen Generationen überall auf dem Globus eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Welche Brisanz eine Wasserarmut hat, die "die wirtschaftliche Entwicklung hemmt", und dass "Wasser ... - vor allem durch den Entzug - in der Tat auch als Waffe eingesetzt" wird, erkennt auch Fredy Mayer. Ihm muss allerdings entgangen sein, dass Kriege schon um weniger geführt worden sind.

Aus der Tatsache, dass es bislang wegen des Stoffes aus dem der Mensch, wie andere Säugetiere auch, zum größten Teil gefertigt ist (der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, das Gehirn - auf das der Mensch so stolz ist - sogar zu über 90 Prozent), noch nicht geknallt hat, zu schließen, das käme nicht in Frage, heißt, nicht über den Tellerrand schauen zu können.

Obschon bekannt ist, dass 97 Prozent allen Wassers auf der Erde stark salziges - der Schifffahrt und dem Fischfang nützliches - Meerwasser sind, behandelte der Mensch das Süßwasser lange Zeit, als sei es in unbegrenzter Menge vorrätig. Er verprasste es zum Beispiel als Spülwasser in WCs, vergeudete es zum Autowaschen, verschmutzte es mit jedem Dreck, dessen er sich entledigen wollte.

Was das betrifft, hat ein anderes Denken, ein umweltbewussteres Handeln eingesetzt. Der Broschüre "Die Wasserrahmenrichtlinie - Ergebnisse der Bestandsaufnahme 2004 in Deutschland" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom August 2005 ist zu entnehmen, dass noch längst nicht alles zum Besten bestellt ist, dass sich aber bereits vieles in Bächen, Flüssen und Seen zum Guten gewendet hat.

Wenn von Wasser und Gewalt die Rede ist, ist beileibe nicht nur der Umgang des Menschen mit dem "Blut des Planeten", wie Leonardo da Vinci das Lebenselixier nannte, gemeint.

Dass das Wasser selbst dem Menschen Gewalt antun kann, zählt zu den Binsenweisheiten. Tsunami, Hamburger Sturmflut, Land unter auf den Halligen in der Nordsee, die alles mit sich reißenden und ertränkenden Flüsse und Bäche der ersten Tage dieses Jahres sollten als Schlagwörter dazu dienen, dem Menschen klar zu machen, dass seiner vermeintlichen Allmacht Grenzen gesetzt sind. Dazu gehört auch die Erkenntnis:Wasser ist Leben.

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(innovate! Mai 2006)