Recycling von Bargeld Forscher fordern Geldwäsche

Eine Milliarde Geldscheine werden in Deutschland jährlich vernichtet - meist, weil sie zu abgegriffen sind

(Foto: dpa)

150.000 Tonnen Bargeldmüll entstehen jedes Jahr. Wissenschaftler haben nun eine Maschine zur Geldwäsche gebaut. Warum es sich lohnen kann, die Scheine zu säubern.

Von Christoph Behrens

Wasserzeichen, Relief, fluoreszierendes Papier, mikroskopisch kleine Schriftzeichen, Hologramme und magnetische Tinte: Bei dem neuesten Zehn-Euro-Schein, den die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt vorstellte, wurde kräftig aufgerüstet, die neuesten Sicherheitsmerkmale in den Schein integriert.

Mit dem Stand der Technik mitzuhalten, ist für Zentralbanken allerdings ziemlich teuer. Mehr als 600 Millionen Euro wird es die EZB 2014 kosten, neue Geldscheine zu drucken, und sämtliche kaputten, angerissenen, faulen und fettlappigen Banknoten durch druckfrische Scheine zu ersetzen. Alleine in Deutschland lässt die Bundesbank eine Milliarde Scheine im Jahr vernichten. Die 150 Milliarden neuen Dollar-, Euro-, Yuan- und andere Scheine, die jährlich in die Welt strömen, werden auch für die Umwelt zunehmend zum Problem. 150.000 Tonnen "Bargeldmüll" fallen jährlich an, die entsorgt werden müssen.

Eine radikale Lösung lautet: Geldwäsche. Das glaubt zumindest der Physiker Nabil Lawandy, der an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island unterrichtet, und er hat die Sache gründlich getestet. Denn was läge näher, so fragte sich Lawandy, als all die schmierigen Scheine nicht zu zerhäckseln, sondern vom Schmutz zu befreien, also zu waschen.

"Sie werfen es einfach weg"

Das Mittel der Wahl, das Lawandy und seine Kollegen im Fachblatt Industrial & Engineering Chemistry Research beschreiben, heißt "überkritisches Kohlenstoffdioxid" und ist der Industrie bestens bekannt. Kaffeeröster etwa nutzen den Stoff, der sich im überkritischen Zustand teils wie ein Gas und teils wie eine Flüssigkeit verhält, um Koffein aus Kaffeebohnen zu saugen.

Das Gleiche klappt auch mit menschlichem Talg und Schweiß. Denn nach Untersuchungen der niederländischen Zentralbank sind diese Ausdünstungen der Hauptgrund, warum Geldscheine nur zwischen einem und 15 Jahren zirkulieren, bevor sie aus dem Verkehr gezogen werden. Im "Geldwasch-Prototyp" der Wissenschaftler habe die Reinigung von amerikanischem Dollar, britischem Pfund und chinesischem Yuan schon gut funktioniert, schreiben sie: Die gewaschenen Hunderterbündel konnten die Techniker selbst mit fortschrittlichen Analysetechniken nicht mehr von frischen Noten unterscheiden - und die Sicherheitsmerkmale seien erhalten geblieben.

Nun muss man wissen, dass Lawandy rund 80 Patente hält und auch der Chef einer Firma ist, die sich mit der Erkennung von Bargeld beschäftigt. Von daher hat er schon von Berufs wegen ein Interesse an Investitionen in seine Technologie. Doch die Idee hat Charme. Zwei G-8-Zentralbanken würden nun anfangen, das System zu testen, sagt Lawandy. Nur warum kamen die Banken nicht selbst auf so eine Idee? Den Physiker wundert das selbst. "Sie haben noch nie von so einer Sache gehört und machen nie Geld sauber. Sie werfen es einfach weg."