Unfälle in der Raumfahrt Riskante Raketenstarts

Die Explosion der "Antares"-Rakete mit dem Raumfrachter "Cygnus" ist ein besonders spektakuläres Unglück. Die Raumfahrt mag sicherer geworden sein - doch das Risiko von Katastrophen bleibt groß. Ein Rückblick.

Die Explosion der "Antares"-Rakete

(Foto: AFP)

Die Explosion der Antares-Rakete mit dem Raumfrachter Cygnus ist eine besonders spektakulär gescheiterte Mission. Rund 200 Millionen Dollar dürfte der Absturz gekostet haben. Doch vor dem Hintergrund der Geschichte der Raumfahrt ist das Unglück nicht so ungewöhnlich. Weder die bemannte, noch die unbemannte Raumfahrt konnten je als sicher betrachtet werden.

Um Menschen oder Material in den Weltraum zu transportieren, ist eine hochkomplizierte Technik notwendig, die extrem viel Energie kontrollieren muss. Kleinste Fehler können gravierende Folgen haben.

Feuerball vor Wallops Island

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Frühe Katastrophen

Von Beginn an hat es in der Raumfahrt deshalb furchtbare Katastrophen gegeben. Manchmal kosteten die Fehler oder Fehleinschätzungen nur viel Geld. So explodierte 1966 ein Sojus-Raumschiff auf der Startrampe. Vier Jahre später musste die Mond-Mission Apollo 13 abgebrochen werden, nachdem ein Sauerstofftank explodiert war. Ursache war offenbar ein Kurzschluss, nachdem eine Kabelisolierung durchgeschmort war. Die drei Astronauten an Bord konnten sich retten.

Bei einer Startsimulation der Apollo-1-Mission sterben in dieser Raumkapsel 1967 die Astronauten Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee

Weniger Glück hatten 1967 drei US-Astronauten, als bei einer Startsimulation Feuer in der Rakete ausbrach. Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee starben. Als Ursache gilt ein Kurzschluss unter einem der Sitze der Astronauten, ausgelöst durch eine mangelhafte Isolierung zweier Kabel. Bereits sechs Jahre zuvor war der sojwetische Kosmonaut Walentin Bondarenko das erste Todesopfer der Raumfahrtprojekte geworden. Er starb, nachdem er sich aufgrund eines eigenen Fehlers in einer mit reinem Sauerstoff gefüllten Isolationszelle schwere Verbrennungen zugezogen hatte.

Es bleibt gefährlich

Doch nicht nur in der Anfangszeit der Raumfahrt versagten Menschen oder Technik. In Erinnerung geblieben sind die Bilder der explodierenden US-Raumfähre Challenger, die im Januar 1986 mit sieben Astronauten an Bord auf dem Weg in den Weltraum war. Als Ursache gilt eine mangelhafte Dichtung in einem der Booster, die das Spaceshuttle ins All bringen sollten.

In den 1990er Jahren gingen gleich zwei chinesische Projekte schief. So stürzte eine Trägerrakete 1995 kurz nach dem Start über einem Dorf ab und tötete offenbar etliche Menschen. Ein Jahr später kam es zu einer ähnlichen Katastrophe, bei der erneut Dorfbewohner starben.

Explosion der "Ariane 5" 1996 über Kourou, Französisch-Guayana

(Foto: AFP)

Doch auch die Bemühungen der Europäer, eigene Raketen ins All zu bringen, erlitten Fehlschläge. So musste eine Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation Esa vom Typ Ariane 1990 kontrolliert zur Explosion gebracht werden, da sie vom Kurs abkam. Das Gleiche passierte 1996 erneut.

Neues Jahrtausend, alte Probleme

Auch im neuen Jahrtausend zeigte sich, wie gefährlich die Raumfahrt ist. 2003 explodierte das amerikanische Spaceshuttle Columbia bei der Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS beim Eintritt in die Atmosphäre. Sechs amerikanische Astronauten und ein israelischer Kollege starben. Und im gleichen Jahr kamen mehr als 20 Menschen ums Leben, als in Brasilien eine Trägerrakete schon vor dem Start explodierte.

Startversuche der Falcon-1-Rakete des privaten Unternehmens SpaceX missglückten gleich dreimal. 2006 endete der erste Flug nach weniger als einer Minute mit einem Absturz. Beim zweiten Flug 2007 funktionierte die zweite Stufe nicht richtig, die Rakete stürzte ins Meer. Der dritte Flug 2008 endete mit einer missglückten Trennung der Raketenstufen.

Die US-Raumfähre "Columbia" zerbricht 2003 beim Eintritt in die Atmosphäre.

(Foto: dpa)

Zu diesen missglückten Missionen kommt noch eine Reihe gescheiterter Versuche, Sonden zum Mars zu schicken.

Zwar sind in den vergangenen 50 Jahren die meisten Raketenstarts gelungen, die bemannte und unbemannte Raumfahrt weist eine Vielzahl grandioser Erfolge auf. Menschen waren auf dem Mond, sie leben auf einer Raumstation, und Sonden erforschen seit Jahrzehnten andere Planeten unseres Sonnensystems. Auch das private Unternehmen SpaceX hat bereits einen Raumfrachter zur ISS gebracht, den Dragon.

Doch die Wahrheit ist, dass auch bei zukünftigen Raketenstarts niemand garantieren kann, dass alle Faktoren berücksichtigt wurden, alle Berechnungen stimmen, alle Teile die Belastungen tatsächlich aushalten werden. Die Raumfahrt wird auch in Zukunft ein riskantes und teures Unternehmen sein.

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