Sechs Männer begeben sich für 15 Wochen auf eine simulierte Mars-Mission. Der Flug ins All ist inszeniert - doch die Belastungen sind real.
Die Luke ist dicht. Fenster gibt es keine. Sprechfunk-Kontakt mit der Außenwelt ist unmöglich, der E-Mail-Verkehr funktioniert eingeschränkt. Die Männer im Container sind auf sich selbst gestellt.
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Auch der deutsche Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel begibt sich freiwillig in Isolation. (© Foto: AP)
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Oliver Knickel hat sich freiwillig in dieses Gefängnis begeben, das er 15 Wochen nicht verlassen wird - im Dienste der Wissenschaft. Der 28-jährige Bundeswehr-Hauptmann simuliert seit Dienstag in der Nähe von Moskau mit einem Franzosen und vier Russen einen Flug zum Mars.
Dabei geht es darum, wie die Freiwilligen die Isolation psychisch und physisch überstehen, ob Hormonhaushalt und Immunsystem im Lot bleiben, wie sie in der Gruppe zurechtkommen, Konflikte und Stimmungstiefs bewältigen und ob die Vorräte ausreichen.
Frisches Essen kommt nur aus einem kleinen Gewächshaus. Immerhin: Anders als im All müssen die Probanden ihren Urin nicht zu Trinkwasser recyceln.
Wenn die sechs Probanden im Sommer wieder ans Tageslicht kommen, werden ihre Erfahrungen für die Vorbereitung einer weiteren Isolationsstudie genutzt. Diese soll dann 520 Tage dauern, wie eine echte Marsreise. Daher heißt das Forschungsprogramm "Mars 500".
Deutschland hat zwei Millionen Euro beigesteuert. Neben Knickel hat die europäische Weltraumagentur Esa den Franzosen Cyrill Fournier aus zunächst mehr als 5600 Bewerbern ausgewählt. Der 40-Jährige ist Pilot bei der Air France und fliegt dort den Airbus A320. Außerdem sind zwei russische Kosmonauten, ein Physiologe und ein Arzt dabei.
Sie haben sich in einem Container einschließen lassen, der im Institut für biomedizinische Probleme im Sternenstädtchen nördlich von Moskau steht. Von außen gleicht die Raumschiffattrappe vier großen Metallröhren, die durch Tunnel verbunden sind. Innen sind die Räume mit Holz vertäfelt, an den Decken leuchten Neonlampen.
Die Teilnehmer haben etwa 180 Quadratmeter Platz. Jeder hat eine kleine Kabine, daneben gibt es Gemeinschaftsräume, einen Fitnessbereich und Labore, wo die sechs Männer im Auftrag von mehr als 40 Forschungsgruppen Experimente machen.
Einmal pro Woche wollen die beiden Europäer einen Bericht veröffentlichen. Er kommt per E-Mail in die Welt, künstlich um 20 Minuten verzögert - als sei das Raumschiff Millionen Kilometer weit im All.
(SZ vom 01.04.2009/gal)
Urteil am Bundesverfassungsgericht