Raumfahrt Raumschiff mit Ecken und Kanten
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Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt startet eine ungewöhnliche Rakete, das auf die üblichen abgerundete Formen verzichtet. Das Gerät könnte die Grundlage für ein Mini-Shuttle sein, hoffen die Entwickler.
John Turner jagt gern Dinge in die Luft. Teure Dinge, vor allem aber schnelle. Mehr als 100 Höhenforschungsraketen hat der 67-Jährige im Laufe seines Lebens schon gestartet - in Australien, Brasilien, Schweden. Doch das Geschoss, das an diesem Freitagabend auf einer Startrampe in Norwegen steht, lässt den Puls des erfahrenen Ingenieurs schneller schlagen. "Dieses Projekt ist das aufwendigste, das ich je gemacht habe", sagt der gebürtige Australier. "Ich bin sehr froh, wenn das Ding jetzt fliegt - wenn es erfolgreich fliegt."
Postkartenpanorama für den Countdown: Auf der norwegischen Insel Andøya befindet sich der nördlichste permanente Startplatz der Welt. Am vergangenen Freitag hob dort die Shefex 2 ab.
(Foto: dpa)Das Ding heißt Shefex 2, ein Raumschiff mit Ecken und Kanten. Wo konventionelle Raumgleiter auf abgerundete Formen setzen, verzichtet Shefex - das Sharp Edge Flight Experiment des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) - auf solche Sperenzchen. Seine Entwickler haben stattdessen ebene Platten aneinandergeschraubt. So lange, bis eine kantige Spitze entstanden ist.
Billiger, sicherer und flexibler soll die Rückkehr aus dem Weltraum werden, so die Hoffnung der DLR-Ingenieure. Insgeheim träumen sie sogar von einem deutschen Mini-Shuttle. Eckig, wendig, unbemannt könnte der Raumgleiter Experimente in eine Umlaufbahn bringen, kontrolliert zurückfliegen und schließlich auf einem Flughafen landen. Damit es soweit kommt, muss John Turner sein Ding aber erst einmal ins All jagen.
Noch 58 Minuten bis zum Start. Der Countdown flimmert über zwei Röhrenfernseher, die an der Decke des norwegischen Kontrollzentrums hängen. Der Raum mit den rot-blauen Schlafzimmervorhängen ist klein, heiß, stickig. John Turner sitzt in der letzten Reihe in der Mitte. Noch lacht das Team. Es ist das Lachen vor dem Sturm.
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"Schweineteuer in der Entwicklung und im Unterhalt"
Hendrik Weihs ist nicht zum Lachen zumute. Mit zusammengekniffenen Lippen lehnt der Ingenieur an der Rückwand des Kontrollzentrums. Weihs leitet die 16 Millionen Euro teure Shefex-Mission. Das pfeilförmige Raumschiff, das 600 Meter entfernt auf der Startrampe steht, ist sein Kind. Elf Jahre sind vergangenen, seit der Stuttgarter DLR-Forscher mit Kollegen das neuartige Wiedereintrittskonzept entwickelt hat - in München beim Bier, wie der 49-Jährige sagt.
Im Oktober 2005 startete Shefex 1. Der ungesteuerte Flugkörper pflügte 20 Sekunden lang mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit durch die Luftschichten. Sein Nachfolger, an dem Weihs sechs Jahre gearbeitet hat, soll 50 Sekunden lang mit bis zu 12 000 Kilometern pro Stunde unterwegs sein - etwa zehnmal so schnell wie der Schall.