Von Alexander Stirn

Zum dritten Mal hat das US-Unternehmen Space-X versucht, eine günstigeTransportrakete ins All zu schießen. Ihr Misserfolg stürzt die Nasa in ein Dilemma.

Das amerikanische Unternehmen Space-X ist an diesem Wochenende zum dritten Mal mit dem Versuch gescheitert, eine billige und vor allem privat finanzierte Transportrakete ins All zu schießen. Der Flug von Falcon 1 endete in der Nacht zum Sonntag, bevor die Rakete ihre Fracht, mehrere kleine Satelliten, im Orbit aussetzen konnte.

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Der Versuch mit der "Falcon 1" ist zum dritten Mal gescheitert. (© Foto: Space-X)

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Dieses scheinbar kleine Unglück bringt nun die gesamte amerikanische Raumfahrt in Bedrängnis. Space-X ist von der Nasa beauftragt, einen kostengünstigen Ersatz für die teuren und veralteten Spaceshuttles zu entwickeln. Ein Raumfahrzeug wird gesucht, das nach dem Ende der Shuttle-Flüge im Jahr 2010 Fracht und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringt.

COTS (Commercial Orbital Transportation Services) nennt die Nasa das ambitionierte Privatisierungsprogramm. Anstatt selbst viele Milliarden Dollar in die Entwicklung eines neuen Raumfahrzeugs zu stecken, hat die Weltraumbehörde diese Aufgabe erstmals komplett an Unternehmen vergeben; sie unterstützt lediglich die Konzepte mit 500 Millionen Dollar, was weniger ist, als ein einziger Flug des Spaceshuttle kostet.

Im Gegenzug dürfen die Unternehmen ihre Rakete später selbst betreiben - wenn sie es denn bis ins All schaffen.

Der Start am Wochenende, von Space-X nur wenige Stunden zuvor im Internet angekündigt, stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Mehrmals musste der Countdown wegen Problemen mit dem extrem kalten, flüssigen Treibstoff gestoppt werden.

Eine halbe Sekunde vor der geplanten Zündung der Triebwerke brach der Computer die Startsequenz ab - Sensoren hatten falsche Messwerte geliefert. Beim zweiten Versuch hob die nur 28 Tonnen schwere Falcon 1 dann vom Kwajalein-Atoll im Pazifik ab. Zwei Minuten und 39 Sekunden später riss der Kontakt allerdings ab. "Leider gab es ein Problem, da sich die erste und die zweite Raketenstufe nicht voneinander trennen wollten", sagte Space-X-Gründer Elon Musk.

Der Raketenbauer, der mit dem Aufbau des Internet-Bezahldienstes Paypal reich wurde, ist mittlerweile Fehlzündungen gewohnt. Im März 2006, beim Jungfernflug der Falcon 1, fing das Triebwerk Feuer; 29 Sekunden nach dem Start ging die Rakete verloren. Beim zweiten Versuch ein Jahr später erreichte der Space-X-Eigenbau immerhin eine Höhe von 300 Kilometern. Dann geriet die zweite Raketenstufe außer Kontrolle.

Doch der ehemalige Internet-Pionier Musk demonstriert Optimismus. "Es ist gar keine Frage, dass Space-X den Orbit erreichen und zuverlässigen Raumtransport vorführen wird", schrieb er wenige Stunden nach dem Fehlschlag an seine 500 Mitarbeiter. Noch in diesem Jahr wollen die Entwickler von Space-X der Nasa beweisen, dass sie eine flugtaugliche Rakete liefern können. Geplant ist eine Weiterentwicklung der Falcon 1.

2009 muss das Raumschiff vertragsgemäß seine ersten Runden drehen. Es soll Dragon heißen und Platz für mehr als 2,5 Tonnen Fracht oder sieben Astronauten bieten. Mindestens fünf Stunden muss die Kapsel laut Nasa-Vorgaben beim ersten Flug im Orbit bleiben, bevor es zur Erde zurück darf.

Der Zeitdruck ist groß, die Aufgabe fast übermächtig. Und die Privatisierung des Raumtransports ist kein Selbstläufer: Dem Unternehmen Rocketplane Kistler, ursprünglich auch für die COTS-Initiative ausgewählt, mussten die Zuschüsse gestrichen werden - die Firma konnte die Nasa-Vorgaben einfach nicht erfüllen.

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(SZ vom 05.08.2008/mcs)