Von Alexander Stirn

25 Jahre nach dem ersten Flug sind die Space Shuttles der Nasa ein Auslaufmodell. Ein Raumfahrzeug im Stil der Apollo-Rakete soll die veraltete Raumfähren-Flotte ablösen. Mit dem Crew Exploration Vehicle könnte sogar ein Pendelverkehr zum Mond Wirklichkeit werden.

An diesem Sonntagmorgen sollten John Young und Bob Krippen Geschichte schreiben - und sie wussten es.

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Start zum Jungfernflug der Columbia am 12. April 1981. (© Foto: dpa)

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Jahrelang hatten sie dafür trainiert. Jetzt saßen sie im Cockpit der Columbia, in braunen Raumanzügen, festgezurrt in den Sitzen.

Links John Young, der Kommandant, der Veteran. Viermal war er schon im Weltraum, spazierte bereits über den Mond.

Rechts Bob Krippen, der Pilot, der Neuling. Es war sein erster Flug ins All.

Krippens Herz raste. 130 Schläge zeigte der Pulsmonitor kurz vor dem Zünden der Triebwerke. Youngs Herzschlag blieb konstant bei 80 - auch als die Raumfähre kurz nach sieben Uhr losdonnerte.

Zwei Tage, sechs Stunden, zwanzig Minuten und 52 Sekunden später hatten die beiden mehr geleistet als nur die Erde zu umkreisen.

Mit dem Aufsetzen des ersten wiederverwendbaren Raumfahrzeugs auf einer staubigen Piste in Kalifornien begann eine neue Ära der bemannten Raumfahrt: Die Spaceshuttle-Flüge, die bombastischen Starts und sanften Landungen, prägten das Bild der Nasa und der amerikanischen Raketentechnik.

Am heutigen Mittwoch, genau 25 Jahre später, ist von dieser Faszination nicht mehr viel übrig. Die Shuttle-Technik, deren Entwicklung bereits 1972 begann, ist in die Jahre gekommen.

Shuttles als Auslaufmodell

Zwei tödliche Unfälle haben das Programm überschattet. Vor allem aber stehen die Raumfähren dem amerikanischen Präsidenten und seinen neuen Weltraumplänen im Weg:

Seit der George W. Bush vor zwei Jahren den Traum von bemannten Flügen "zum Mond, zum Mars und darüber hinaus" laut ausgesprochen hat, sind die Shuttles ein Auslaufmodell. Ihre Reichweite ist auf den erdnahen Orbit beschränkt.

Die Fähren sind gerade mal geeignet, um in 300 Kilometern Höhe eine Raumstation aufzubauen, Satelliten einzufangen oder Weltraumteleskope auszusetzen. Für Flüge zum Mond taugen sie nicht; für derartige Visionen muss eine völlig neue Rakete entwickelt werden.

Höchstens 17-mal werden die Shuttles noch starten. Spätestens 2010 soll der letzte der verbliebenen drei Orbiter für immer in den Hangar geschoben werden. Und trotz vieler denkwürdiger Missionen weint kaum jemand den gealterten Shuttles eine Träne nach - nicht einmal am 25. Geburtstag.

Als zu teuer und zu wartungsintensiv hat sich das Konzept des zwischen Erde und Orbit pendelnden Raumgleiters erwiesen: Rund 500 Millionen Dollar kostet ein Shuttle-Flug im Schnitt; von der ursprünglich geplanten Startrate im Wochenrhythmus blieb die Flotte stets weit entfernt. Erst nach 220 Flügen hätte rein statistisch ein Unfall passieren dürfen, in der Realität gab es zwei Totalverluste bei 114 Flügen.

Dazu kommen gravierende Konstruktionsfehler: Im Gegensatz zu einer Rakete, bei der die Kapsel mit den Astronauten an der Spitze thront, sitzen beim Shuttle die empfindlichen Teile relativ weit hinten. Cockpit und Flügelkanten können beim Start beschädigt werden, wenn Teile vom Haupttank abbrechen. Zudem verfügen die Raumfähren über keine praktikablen Fluchtmöglichkeiten. Sind die Triebwerke gezündet, können die Astronauten nur noch hoffen.

Auch das soll sich - wie so vieles - beim Shuttle-Nachfolger ändern. Crew Exploration Vehicle, kurz CEV, heißt das Gefährt der Zukunft. Es setzt auf Ideen der Vergangenheit:

Wurde beim Shuttle ein Mini-Flugzeug Huckepack auf zwei riesige Raketen geschnallt, soll beim CEV wieder die altbewährte Raumkapsel zum Einsatz kommen - wie in den 60er-Jahren beim Mondprogramm Apollo.

Eine Kapsel für vier Astronauten

Allerdings wird die neue Kapsel dreimal so groß ausfallen und Platz für mindestens vier Astronauten bieten. Auch die Trägerrakete, die Fracht und Astronauten in den Weltraum hebt, wird ein Vielfaches leistungsfähiger sein. Von "Apollo auf Steroiden" schwärmt Nasa-Chef Michael Griffin.

Bis zu zehnmal kann das neue Raumschiff wiederverwendet werden. Es kehrt an Fallschirmen zurück zur Erde, landet sanft in der Wüste, hat einen austauschbaren Hitzeschutz. Läuft alles wie geplant, soll das CEV im Jahr 2012, spätestens aber 2014, zu den ersten Testflügen abheben.

"Noch vor Ablauf des nächsten Jahrzehnts", so hat es George Bush in seiner Vision verkündet, werden die nächsten Amerikaner ihren Fuß auf den Mond setzen - und dieses Mal auch dort verweilen.

Die USA sind zwar bereits sechsmal auf dem Mond gelandet, außer einem Sternenbanner im staubigen Boden, ein paar Messgeräten, jede Menge Fußspuren und 382 Kilogramm Mondgestein ist von dem Abenteuer aber nicht viel übrig geblieben.

Das soll sich nun ändern. Die Nasa plant einen regelmäßigen Pendelverkehr zum Erdtrabanten, später auch eine Mondbasis, Rohstofffabriken und ein Weltraumteleskop.

Noch ist das eine Vision, nur der Preis für die Mond-Ausflüge ist schon sehr real: Mehr als 80 Milliarden Euro will die Nasa ausgeben, bis die ersten neuen Mondfahrer in ihre Rakete steigen können - mit rasenden Herzen und in der Gewissheit, Geschichte zu schreiben.

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(SZ vom 12.4.2006)