Raumfahrt ISS-Crew geht in Deckung

Bei einer Sonneneruption werden geladene Teilchen frei, die mit einer Geschwindigkeit von mehreren Millionen Kilometern pro Stunde durchs All rasen.

(Foto: Nasa/dpa)
  • Die Internationale Raumstation ist von einem Protonensturm der Sonne bedroht.
  • Eine sogenannte Sonneneruption kann Funksignale stören und Polarlichter auslösen.
  • Für die Menschen auf der Erde besteht keine Gefahr.
Von Jonathan Ponstingl

Auf der Sonne brodelt es. In der vergangenen Woche war die Aktivität so stark wie seit Jahren nicht mehr, die Auswirkungen machen sich selbst auf der Erde bemerkbar. Eine weitere riesige Wolke aus heißem Gas wurde in der Nacht zum Montag aus der Sonne geschleudert. Auch die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) musste vor diesem "koronalen Massenauswurf" in Deckung gehen und weniger geschützte Bereiche der Raumstation wegen der starken Strahlung meiden.

Eine Sonneneruption entsteht durch elektromagnetische Vorgänge innerhalb des Sterns. Eine riesige Wolke aus extrem heißem Gas wird aus der Sonnenatmosphäre hinausgeschleudert. Die dabei ausgestoßenen geladenen Teilchen rasen mit einer Geschwindigkeit von mehreren Millionen Stundenkilometern durch das All.

Treffen diese Teilchen auf die Erde, entstehen magnetische Stürme in der Erdatmosphäre. Je nach Stärke der Eruption können GPS- und Kommunikationssignale gestört werden. Insbesondere an den Polen werden Funksignale beeinträchtigt. In Erdnähe steigt dadurch auch die Zahl der Protonen, die in Richtung Erde strömen. Die beschleunigten und geladenen Teilchen werden vom irdischen Magnetfeld abgelenkt. Sie schlagen in einem Ring um die Pole ein und lösen dort Polarlichter aus.

Keine Gefahr für die Menschen auf der Erde

Die aktuelle Eruption ist ein Ereignis der stärksten Kategorie, ein sogenanntes X-Event. Im September hat es bereits sechs ähnliche Sonneneruptionen gegeben, darunter die stärkste seit zwölf Jahren. Weitere starke Eruptionen sind derzeit noch nicht absehbar. Der Ausgangpunkt für die Eruptionsserie der vergangenen Tage liegt am Rand der sichtbaren Sonnenscheibe. Er dreht sich weg von der Erde.

Für Menschen besteht keine Gefahr. Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt ganze 150 Millionen Kilometer. Die ISS hingegen kreist in gut 400 Kilometern Höhe um die Erde und muss deshalb auf einen Großteil der schützenden Wirkung der Erdatmosphäre verzichten. Im All ist der Teilchenschauer deutlich gefährlicher als auf der Erde. Dennoch sieht die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos keine Gefahr für die Astronauten; die Konstruktion der ISS sei sicher und die Anweisung eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Die Besatzung der ISS besteht derzeit aus einem Russen, einem US-Amerikaner und einem Italiener. Für Mittwoch ist ein bemannter Raketenstart angesetzt, der drei weitere Astronauten ins All befördern wird. Bislang soll dieser Start wie geplant stattfinden.

(mit Material von dpa)

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