Vor 25 Jahren nahm der Max-Planck-Forscher Ulf Merbold als erster Westdeutscher an einer Raummission teil. Der erste Deutsche im All war er nicht.
Viel hat Ulf Merbold der DDR nicht zu verdanken. Eigentlich ist da nur eine Sache, und die ist ihm nicht einmal wichtig: Nur weil Deutschland Anfang der 1980er-Jahre zweigeteilt war, nur weil die DDR hinter dem eisernen Vorhang lag und damit außerhalb des bundesdeutschen Blickfelds, galt Merbold viele Jahre als erster Deutscher im Weltall.
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Dabei war dem Physiker, als er am Morgen des 28. November 1983 in die US-Raumfähre Columbia kletterte und sich in seinen Sitz schnallen ließ, klar, dass er nur die Nummer zwei sein würde. Und es war ihm egal. Ulf Merbold wollte fliegen, er wollte forschen.
Die Verantwortlichen in der Bundesrepublik sahen das etwas anders. Immerhin hatten sie Geld in ihren Mann im All investiert, viel Geld. Etwa 1,3 Milliarden Mark waren geflossen, damit endlich ein "richtiger Deutscher", wie die Süddeutsche Zeitung seinerzeit formulierte, ins All fliegen konnte. Kein Training war ausgelassen worden, um die neue deutsche Galionsfigur ins rechte Licht zu rücken. Und der Start sollte die Schmach nun ein für alle mal vergessen machen.
Die lag mittlerweile fünf Jahre zurück. Damals, im Juli 1978, hatte Europa gerade seine ersten drei Astronauten vorgestellt. Junge, motivierte Wissenschaftler. Ein Holländer, ein Schweizer und als aussichtsreichster Kandidat Ulf Merbold, der Max-Planck-Forscher aus Stuttgart. Im Westen bezweifelte kaum jemand, dass der Mann mit dem bubenhaften Gesicht und den glänzend schwarzen Haaren als erster Deutscher ins All fliegen würde.
Bis am 26. August 1978 ein Offizier der Nationalen Volksarmee genau das machte: 125-mal kreiste Sigmund Jähn um die Erde, startete wissenschaftliche Experimente und inszenierte eine Sendung mit dem DDR-Sandmännchen.
Die Bundesrepublik hatte, wie einst die USA, den Wettlauf gegen den Klassenfeind verloren. Entsprechend eindrucksvoll musste der Gegenschlag ausfallen. Während die DDR mit Jähn nur einen "Mitesser in der Russen-Rakete" durchs All geschickt hatte, wie der damalige Welt-Chefredakteur und spätere Regierungssprecher Peter Boenisch ätzte, sollte der erste Westdeutsche ein vollwertiges Mitglied der Besatzung sein. Jemand, der mehr ist, als nur ein Eintrag im Geschichtsbuch der Raumfahrt. Ein echter Wissenschaftsastronaut eben.
Ein Geschenk an die Amerikaner
Da passte es gut, dass unter deutscher Führung gerade ein europäisches Forschungslabor entwickelt wurde: Spacelab, ein zwei Milliarden Mark teures Modul für die Ladebucht des Shuttles, war als Geschenk an die Amerikaner gedacht. Im Gegenzug hoffte Europa, beim Jungfernflug die Hälfte der Experimente stellen zu dürfen - und außerdem einen Astronauten.
Mehr als 2000 Männer und Frauen meldeten sich, als die europäischen Raumfahrtagenturen Anfang 1977 nach einem "Wissenschaftler im Weltraumlabor" suchten. Allein in Deutschland gingen 700 Bewerbungen ein, darunter auch die eines 35-jährigen Wissenschaftlers vom Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart. Wobei dessen Mappe beinahe verloren ging. Erst als Merbold keine Rückmeldung bekam, hakte er nach - und rutschte noch ins Auswahlverfahren.
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Ich bin ganz stolz, ich habe nämlich im Sommer endlich ein Autogramm von ihm bekommen.