Von Robert Lücke

Kaum haben die Greifvogel-Bestände in Europa sich erholt, werden sie wieder verfolgt. Auch in Deutschland verenden die Tiere immer häufiger an illegal ausgelegten Giftködern.

Die Greifvogel-Bestände haben sich kräftig erholt. Noch nie in den vergangenen 150 Jahren flogen so viele See-, Stein- und Kaiseradler oder Mönchs-, Gänse- und Bartgeier über Europa.

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Weißkopfseeadler leben in Deutschland in der Regel nur in Zoos. Die wenigen Exemplare in freier Wildbahn werden nun zunehmend von Gift-Fallen oder Überresten von Bleimunition bedroht. (© Foto: dpa)

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Durch Jagdverbot, massiven Schutz und Verbesserung der Biotop-Bedingungen haben sich die Bestände einzelner besonders seltener Arten in gerade mal fünf bis zehn Jahren verdoppelt. Doch im selben Maße nimmt die Verfolgung wieder zu. Immer häufiger verendeten die Vögel an illegal ausgelegten Giftködern, berichten Naturschützer.

In Nord- und Ostdeutschland sowie in Österreich fanden Biologen in den vergangenen Jahren viele verendete Adler, die laut Untersuchungen des Berliner Instituts für Wildtierforschung (IZW) vergiftet worden waren.

"Man muss dabei zwei Dinge unterscheiden: Einmal sterben Tiere an direkten, gezielten Vergiftungsaktionen mit dem Insektizid Carbofuran. Oder sie verenden an Bleivergiftungen, weil sie die Innereien geschossenen Wildes gefressen hatten, in denen noch Teile von Bleimantelgeschossen steckten, die viele Jäger verwenden", sagt Oliver Krone vom IZW, der im Auftrag des Bundesforschungsministeriums tote Greife untersucht.

Jeder vierte der 320 toten Seeadler, die Krone seit 1996 seziert hat, war an einer Bleivergiftung durch Munitionsreste gestorben, weitere 29 waren nachweislich vergiftet worden.

In Österreich wurden seit dem Jahr 2000 insgesamt 65 tote Greifvögel gefunden, die vergifteten Köder gefressen hatten. "In fast 80 Prozent der Fälle waren die Köder mit Carbofuran vergiftet", sagt Bernhard Kohler vom WWF Österreich. Erst im April seien wieder neun mit Insektizid präparierte Hühnereier gefunden worden. Das in vielen Ländern Europas verbotene Carbofuran kann in Österreich von jedem Landwirt gegen Giftschein legal bezogen werden. In Deutschland wird der Wirkstoff nur in begründeten Einzelfällen zugelassen.

Jeder Mann muss einen Adler töten, so der Aberglaube

Manche Jäger präparierten damit Köder gegen Marder, Krähen und Füchse. Auch "krankhafte Hunde- und Katzenhasser" könnten die Fallen auslegen, sagt Kohler. Greifvögel seien meist gar nicht das Ziel der Täter, sondern fielen dem Gift wegen ihrer Vorliebe für Aas zum Opfer. Auch Taubenhalter oder Geflügelzüchter versuchten alle Räuber zu töten, die ihre Nutztiere bedrohen. "Dabei könnten Greifvögel durch Zäune effektiver abgewehrt werden", sagt Krone.

In Südspanien waren es Giftköder, die gegen Füchse ausgebracht wurden, die die Wiederansiedlung des Iberischen Kaiseradlers - der seltenste Greifvogel der Welt - scheitern ließen. "Die Adler hatten das Aas gefressen und waren gestorben. Oft sind sie Jägern ein Dorn im Auge, weil sie Rothühner und Kaninchen fressen, die diese selber gerne schießen würden", sagt Augustin Madero, Biologe bei der andalusischen Regionalregierung in Sevilla.

Auf dem Land gebe es zudem den Aberglauben, das jeder Mann in seinem Leben mindestens einen Adler töten müsse, und viele hielten sich heute noch daran, sagt Madero.

Es gibt noch einen einfachen Grund, warum heute mehr Vergiftungen durch Blei oder Carbofuran festgestellt werden: Derartige Untersuchungen wurden früher nicht gemacht. Oliver Krone war einer der ersten, der die Todesursachen von Seeadlern untersuchte - das heißt nicht, dass mehr Tiere getötet werden als zuvor, vielleicht wurde es zuvor einfach nicht bemerkt.

"Es gibt tatsächlich keine systematischen Untersuchungen, die das bestätigen", sagt Krone, "dort, wo es keine Vogelschützer gibt, die tote Greife finden und zu uns schicken, fällt es natürlich nach wie vor nicht auf, ob so etwas passiert."

Krone ist sicher, dass deswegen nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Vergiftungsfälle entdeckt werde. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz wurden von 1999 bis 2003 gerade einmal 235 Fälle von durch Pflanzenschutzmittel vergifteten Wirbeltieren dokumentiert.

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