Rasende Neutrinos am Cern Verquaste Erklärung des Cern

Nachdem man die lockere Kabelverbindung befestigt hatte, seien Messsignale schneller durch die Elektronik des Versuchs geflossen, berichten Insider. Das könne den Vorsprung von 60 Milliardstel Sekunden mehr als wettmachen, um den die Neutrinos schneller als ein Lichtstrahl zwischen Genf und dem Gran Sasso unterwegs zu sein schienen.

"Die ganze Kollaboration tippt darauf, dass sich nach der Korrektur der Fehler der gemessene Effekt deutlich abschwächt", sagt die am Opera-Experiment beteiligte Hamburger Physikerin Caren Hagner. Im Herbst 2011 hatte sie ihre Unterschrift auf der ersten Veröffentlichung der merkwürdigen Neutrino-Messungen verweigert. Im November stimmte sie schließlich zu, sagt heute jedoch, die Veröffentlichung der Daten sei verfrüht gewesen. "Man hat den Aufbau zwar penibel überprüft, aber eben nicht zwei Mal oder drei Mal", bedauert Hagner.

Offenbar aufgeschreckt durch Berichte im Internet, sah sich die Leitung des Opera-Experiments am Donnerstag zu einer schriftlichen Stellungnahme veranlasst. Doch diese klingt ähnlich verquast wie die Ausflüchte eines Sportlers unter Dopingverdacht. Von zwei möglichen Fehlerquellen ist dort die Rede, wobei eine den gemessenen Effekt verstärken und die andere ihn dämpfen könne. Zwar nennt auch die Pressemitteilung die fehlerhafte Steckverbindung in der Elektronik, erklärt das jedoch nicht ausdrücklich zur Ursache der aller Wahrscheinlichkeit nach falschen Messdaten.

Man müsse nun weitere Versuchsreihen anstellen. Offenbar erwägt das Cern angesichts des allgemeinen Interesses an den Neutrino-Messungen, eine für Mai geplante Messreihe nun vorzuziehen und den Neutrino-Strahl schon bald wieder in Richtung des Gran-Sasso-Massivs zu lenken.