Newton hat weitere dramatische Fälle zusammengestellt, auch aus Deutschland. So starben im September 1931 bei einem Kälte- und Schneeeinbruch nach Aufzeichnungen von Vogelkundlern Millionen Rauchschwalben, bevor sie in die rettenden wärmeren Gefilde aufbrechen konnten. 1976 starben auf der Ostsee 60.000 Meeresenten, die auf einem Ölteppich gelandet waren - in der tödlichen Fehleinschätzung, auf einem ruhigen Meeresabschnitt pausieren zu können.

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Der größte dokumentierte Massentod von Vögeln einer Art geschah 1904 in den US-Staaten Minnesota und Iowa, als 1,5 Millionen Spornammern - finkengroße Singvögel - in einem gewaltigen Schneesturm starben. Trotz dieser enormen Zahlen vermuten Biologen nicht, dass Massensterben allein katastrophale Auswirkungen hat: "Es sieht nicht danach aus, dass solche Ereignisse ganze Arten ausrotten können", sagt der emeritierte Zoologie-Professor von der Universität Tel Aviv, Yoram Yom-Tov. Mit Blick auf die häufigen Stärlingsarten aus den USA sieht Ornithologe Labinger gar "null Effekt auf die Bestände".

Obgleich Vogelmassensterben hauptsächlich natürliche Ursachen haben, sehen Experten dennoch Grund zur Sorge: Denn zum unvermeidbaren natürlichen Stress durch die Biologie der Vögel kommen menschengemachte Stressfaktoren. Wenn Feuchtgebiete trockengelegt werden, verschwinden natürliche Rastgebiete. Tourismus, Städtebau und Verkehr hindern Vögel häufig daran, ihre Energiereserven aufzutanken. Wo Menschen stören, nehmen sich die Vögel zudem weniger Zeit zum Fressen. Ungewöhnlich frühe oder späte Wintereinbrüche durch den Klimawandel berauben wie andere extreme Wetterereignisse die Vögel ihrer Nahrungsgrundlagen.

"Kommt in so einer Situation zusätzlicher Stress hinzu, beispielsweise durch das laute Knallen von Feuerwerk an Silvester, kann das der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt und die durch viele Faktoren bereits nachhaltig belasteten Vögel zu Stressreaktionen treibt, die tödlich sind", sagt Labinger.

Ganz ähnlich analysiert die US-Wildtierbehörde nach Autopsien an den toten Vögeln von Bebe in Arkansas: Die Tiere seien durch Aufprallverletzungen gestorben. Die Experten der Behörde kommen zu dem Schluss, dass womöglich Silvesterknaller die Vögel aufgescheucht und zu panischem Verhalten getrieben haben. Wahrscheinlich sind sie gegen Bäume oder Gebäude geprallt. Dass so viele Vögel gleichzeitig sterben, lässt sich damit erklären, dass die betroffenen Arten gemeinsam in großen Schlafplatzgemeinschaften von Hunderttausenden, manchmal Millionen Exemplaren rasten. Störungen bei Nacht sind für angestrengte Tiere gravierend.

Und die Stare, die im rumänischen Constanta vom Himmel gefallen sind, als die Silvesterböller längst verhallt waren? Obduktionen ergaben, dass sie vergorene Beeren von einem Komposthaufen eines Weinguts verzehrt hatten. Sie starben wohl an Alkoholvergiftung - ein tödlicher Cocktail aus natürlicher und menschgemachter Ursache.

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  1. Vom Himmel gefallen
  2. Vögel leben gefährlich
  3. Sie lesen jetzt Dramatische Fälle auch in Deutschland
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(SZ vom 18.01.2011/blg)