US-Forscher haben ein Mittel entwickelt, das Mäuse und Affen vor Strahlung schützt. Opfern von Nuklearunfällen könnte es das Leben retten, hoffen sie.
Amerikanische Forscher haben ein Medikament entwickelt, das zumindest Mäuse und Affen vor radioaktiver Strahlung schützt. Die Wissenschaftler hoffen, das Präparat eines Tages Krebspatienten geben zu können, um Tumoren bei geringeren Nebenwirkungen effektiver bestrahlen zu können.
Ein Präparat aus Bakterien könnte nach einem Atomunfall die Strahlenkrankheit lindern. (© Foto: dpa)
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Opfer von Nuklearunfällen und -angriffen soll das Mittel vor dem Tod durch Strahlenkrankheit bewahren (Science, Bd.320, S.226, 2008).
Das Mittel wirkt nach Angaben der Forscher, indem es den Selbstmord bestrahlter Zellen in Darm und Knochenmark verhindert. Diese sogenannte Apoptose ist eigentlich ein Schutzmechanismus des Körpers, bei dem untauglich gewordenes Gewebe entfernt wird. Sie ist aber für radioaktiv verstrahlte Menschen gefährlich, weil die blutbildenden Zellen im Knochenmark und Zellen der Darmschleimhaut absterben.
Die Forscher um Lyudmila Burdelya vom Roswell Park Cancer Institute in Buffalo, New York, haben ein Protein aus den Flagellen von Salmonellen weiterentwickelt, der die Apoptose stoppen kann.
Das Mittel mit dem Arbeitsnamen CBLB502 rettete im Tierversuch 87 Prozent der Mäuse vor den Folgen einer Bestrahlung, wenn es den Tieren 30 Minuten vorher injiziert wurde. Eine Vergleichsgruppe ohne Schutz verendete ausnahmslos innerhalb von zehn Tagen. Das beste vorhandene Vergleichsmedikament konnte 54 Prozent der Tiere vor dem Tod bewahren.
Dennoch behinderte das Mittel nicht die Strahlentherapie: Krebsgeschwüre wurden bei den Mäusen also nicht in gleicher Weise geschützt wie das gesunde Gewebe. Einige der Mäuse überlebten kleinere Strahlendosen auch, wenn sie das Mittel eine Stunde nach der Bestrahlung bekamen.
Bei Rhesus-Affen rettete eine CBLB502-Spritze fast zwei Drittel der Tiere vor einer Strahlendosis, die sonst sieben von zehn Tieren tötet. "So eindrucksvolle Ergebnisse habe ich noch nie gesehen.
Das ist ein experimenteller Durchbruch", sagt Peter Huber, Leiter der Strahlentherapie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Allerdings müsse sich zeigen, ob die Apoptose beim Menschen die gleiche Rolle spielt wie bei den Versuchstieren.
(SZ vom 11.04.2008/mcs)
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