Kreative können nicht erklären, wie sie zu ihren Einfällen kommen
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Neigen Genies zum Wahnsinn? Die These ist populär, aber Psychologen haben sie längst widerlegt. Kreative Menschen sind weder besonders neurotisch noch besonders unglücklich, wie unter anderem Mihaly Csikszentmihalyi von der Universität Chicago gezeigt hat. Vielmehr sind sie häufig optimistisch eingestellt, selbstsicher und in ihrem Denken flexibel. "Das Bild vom weltabgewandten Eigenbrötler, der seine Umwelt tyrannisieren muss, um erfolgreich zu sein, trifft nur ganz selten zu", sagt der Erfurter Persönlichkeitspsychologe Hany.
Die psychologische Forschung hat sich lange Zeit darauf konzentriert, die Persönlichkeit von Kreativen zu erforschen. "Dabei ist nicht so viel herausgekommen, wie man sich gewünscht hätte", sagt Förster. Seine Studien legen den Schluss nahe, dass es bei kreativen Leistungen weniger auf die Person ankommt als auf die Situation, in der jemand malt, schreibt oder philosophiert. "Manche Umgebungen stimulieren, andere nicht", sagt Förster.
Fragt man Kreative, wann und wie sie zu ihren Ideen gelangen, dann erhält man häufig die Antwort: Es war ein Geistesblitz. Damit lässt sich natürlich wenig anfangen. "Kreative können nicht zuverlässig darüber Auskunft geben, wie sie auf einen neuen oder innovativen Gedanken gekommen sind", sagt Hany. Häufig erwecken sie den Eindruck, als sei ihnen eine geniale Idee spontan gekommen. "Dass vor einem vermeintlich spontanen Einfall viele Jahre harter und konsequenter Arbeit lagen, wird dann gerne vergessen." Die Wahrheit ist: Kreative Köpfe sind echte Malocher, die beharrlich an ihrem Projekt festhalten; die über Jahre eine Vision verfolgen; die nicht aufgeben, obwohl andere sie belächeln oder verspotten. Ihr Geistesblitz ist das Ergebnis harter Arbeit. "Kreativität", sagt Ernst Hany, "ist mehr als nur ein Aha-Erlebnis".
Viele Kreative kommen auf ihre Einfälle nicht am Schreibtisch, sondern in den Bergen, in der Kneipe oder bei einem Spaziergang. So berichtet der Physiker Freeman Dyson, dass er sich über Wochen in ein mathematisches Problem verbissen habe. Er wollte die Lösung erzwingen. Doch erst als er sich entschieden habe, nicht mehr nach einer Lösung zu suchen, sei ihm eine eingefallen - und zwar mitten in der Nacht im Bus.
Ähnliche Äußerungen finden sich auch in den Biografien von Musikern oder Schriftstellern. Deshalb empfehlen Kreativitätstrainer, sich von dem gedanklichen Problem zu lösen und einer monotonen Tätigkeit nachzugehen wie Autofahren, Bügeln oder Gemüseschneiden. Dadurch werde das Gehirn abgelenkt und könne nebenbei nach einer kreativen Lösung suchen. Harte wissenschaftliche Belege für diesen Ratschlag fehlen aber bislang.
Fleiß, fachliche Expertise, Neugier und Offenheit - das sind die wichtigsten Voraussetzungen für kreatives Handeln. "Ob eine gute Idee entsteht, hängt aber auch vom Zufall ab", sagt Hany. Und den Zufall kann man nur bedingt steuern. Alles, was man machen kann, ist, sich ein kreatives Umfeld zu suchen. "Wer im Labor eines Nobelpreisträgers forscht", so der Persönlichkeitspsychologe, "der erhöht die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal auf einen außergewöhnlichen Gedanken zu kommen und Nobelpreisträger zu werden."
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(SZ vom 16.01.2009/mcs)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Es braucht eine "innere Notwendigkeit" sich mit einer Sache auseinander zu setzen.
Hat man diese innere Notwendigkeit muss man nicht besonders schlau, sozial kompetent, oder was auch immer sein um in seiner Sache erfolgreich kreativ zu werden. Man darf nur nicht aufhören. Genau das verhindert die "innere Notwendigkeit". Zum Glück lässt sich diese "i.N." nicht trainieren, manipulieren.
für "normale" Menschen mag dieser Artikel ein Trost oder vielleicht auch Ansporn sein. Aber es gibt ja unter den Kreativen auch ein paar "Kranke". Die sind wahrscheinlich bei den Untersuchungen ausgelassen worden.
Für alle die mehr wissen wollen ein fach mal Schizotypische Persönlichkeitsstörung bei Wiki durchlesen.
Da erhält man einen Vorgeschmack.
mit freundliche Grüße von der Kreativen-Überholspur!
ein "Kranker"
geomorf: "Ich nehme also an, der Dichter wird das Schreiben wohl genauso schwierig finden wie das vorherige Lesen, oder nicht?"
Guter Einwand.
Ich sehe die Leistung des Kreativen ja auch eher in der überraschenden oder neuartigen Verknüpfung, Anordnung und Kombination der Daten aus dem Hirnfundus. Die müssen aber auch erst einmal gesammelt werden. Mir widerstrebt ein wenig der Begriff "Arbeit" für den eigentlichen, kreativen Prozess, wenngleich ich jetzt auch keine Alternative anbieten kann ("tüfteln" vielleicht?).
Das "Happy Feeling" der Drogen spiegelt sich im Artikel wider, auch da haben Sie recht. Wobei ich die hauptsächliche Wirkung der Substanzen aber in der og. Kombinationsfreude sehe. Mir fehlen da zum Glück eigene Erfahrungen, aber meine Beobachtungen führen mich zu diesem Schluss. Letztlich spricht man ja auch von "Bewußtseinserweiterung", wobei das natürlich keine Aussage über die Qualität dieser Extension ist.
Um einem evtl. Mißverständnis vorzubeugen: Diese Treiber sind mE kein Allheilmittel für unkreative Menschen. Sie werden aber genutzt, und das nicht zu knapp (Alkohol inbegriffen).
"Die harte Arbeit besteht mE zum größten Teil darin, den Kopf zu füllen. Der Dichter z.B. profitiert von seinem Wortschatz, den er sich im Vorfeld angelesen hat."
Das ist schon richtig. Aber auch wenn man sehr viel Wissen auf einem Gebiet hat und wirklich kompetent ist, ist es doch genauso schwierig, dieses Wissen auf eine vernuenftige (äh-kreative) Art aufs Papier zu bringen (oder eben wie auch immer zu "Visualisieren"). Ich nehme also an, der Dichter wird das Schreiben wohl genauso schwierig finden wie das vorherige Lesen, oder nicht?
Die Treibmittelchen sind zwar nicht im Artikel beschrieben, aber sie haben doch auf jeden Fall kurzfristig den Effekt, das man "gluecklicher" ist. Und das ist man ja anscheinend kreativer. Wobei, auf die Menschen, die sich zu eifrig der Treibmittelchen bedienen, passt diese Aussage im Text vielleicht eher nicht: "Kreative Menschen sind ziemlich normal - sie gelten als fleißig, verträglich, gesellig."?
Wie sagte Kurt Beck: "Was im Kopf nicht drin ist, kommt auch nicht raus."
Die harte Arbeit besteht mE zum größten Teil darin, den Kopf zu füllen. Der Dichter z.B. profitiert von seinem Wortschatz, den er sich im Vorfeld angelesen hat. Die Frage, wie dieses Reservoir angezapft werden kann, ist natürlich interessant. Möglicherweise führen gewisse Treibmittelchen dazu, die Schleusen im Kopf zu öffnen. Dieser Aspekt wird hier leider nicht behandelt, obwohl es doch genügend Beispiele gibt, dass sich Kreative auf die Türöffner-Funktion von Drogen oder Alkohol berufen. Roger Willemsen z.B. hat mal in einem Interview frank und frei erklärt, dass er den Mariuhana-Konsum als kreatives Werkzeug schätzt.
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