Schöpferkraft lässt sich nicht messen, erlernen oder trainieren. Sie hängt von Beharrlichkeit und vom Zufall ab. Selbst Gruppen-Brainstorming ist wenig effektiv.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert erforschen Psychologen die menschliche Kreativität. Ihre bisherige Bilanz fällt ernüchternd aus:
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Die Intelligenz eines Menschen lässt sich mit standardisierten Verfahren messen, nicht aber seine Kreativität. Ob ein Kunstwerk als kreativ gilt, entscheidet das Publikum. (© Foto: iStockphoto)
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Kreativität lässt sich nicht zuverlässig messen und ist kaum trainierbar.
Ob ein Mensch kreativ ist oder nicht, hängt stark von Situationen und Zufällen ab. Kreative Menschen sind ziemlich normal - sie gelten als fleißig, verträglich, gesellig.
Die typische Kreativitätspersönlichkeit ist genauso ein Mythos wie fünf weitere Vorurteile zum Thema Kreativität.
Es ist dringend an der Zeit sie zu entzaubern.
Kreativitätstechniken wie Gruppen-Brainstorming sind wenig effektiv
Äußere jeden Einfall, der dir durch den Kopf schießt - auch wenn er unsinnig erscheint! Lass deinen Ideen freien Lauf! Das sind die Regeln beim berüchtigten Gruppen-Brainstorming.
Seit sich das der Werbefachmann Alex Osborn vor mehr als 50 Jahren ausgedacht hat, betreiben Unternehmen, PR-Agenturen und Think Tanks fleißig Brainstorming. Doch so populär die Methode auch ist, sie ist nicht sonderlich effektiv. "Die Menschen glauben zwar, dass sie in der Gruppe mehr Ideen produzieren, also kreativer und einfallsreicher sind, doch das stimmt nicht", sagt der Sozialpsychologe Wolfgang Stroebe von der Universität im niederländischen Utrecht.
In seinen Brainstorming-Experimenten forderte er Probanden auf, sich kreative Lösungen für ökologische oder soziale Probleme auszudenken. Die Versuchspersonen mussten Vorschläge machen, wie sich Energie einsparen lässt oder wie das Zusammenleben von Deutschen und Migranten verbessert werden kann.
Dabei zeigte sich: Gruppen erzeugten zwischen 20 und 50 Prozent weniger Ideen als einzeln nachdenkende Menschen. "Und dieser Produktivitätsverlust wird nicht durch eine höhere Qualität der Ideen ausgeglichen", sagt Stroebe.
Vor allem in Unternehmen mit strenger Hierarchie beäugen sich die "Brainstormer" skeptisch: Hat Kollege Meier bessere Ideen als ich? Hinzu kommt die Sorge, etwas Dummes zu sagen. "In Gegenwart des Chefs", sagt Stroebe, "trauen sich viele Menschen beim Brainstorming nicht, ihre Einfälle kundzutun."
Das Hauptproblem aber sind die Wartepausen, in denen der Einzelne nicht selbst reden kann. "Die Zeit des Zuhörens ist tote Zeit", so Stroebe. Die Teilnehmer seien damit beschäftigt, sich ihre Einfälle zu merken - das blockiere sie gedanklich. Nach Ansicht von Psychologen ist es deshalb am besten, Menschen erst einmal für sich alleine Ideen entwickeln zu lassen. Danach könnten sie sich mit anderen austauschen.
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Entspannter Vierbeiner
Es braucht eine "innere Notwendigkeit" sich mit einer Sache auseinander zu setzen.
Hat man diese innere Notwendigkeit muss man nicht besonders schlau, sozial kompetent, oder was auch immer sein um in seiner Sache erfolgreich kreativ zu werden. Man darf nur nicht aufhören. Genau das verhindert die "innere Notwendigkeit". Zum Glück lässt sich diese "i.N." nicht trainieren, manipulieren.
für "normale" Menschen mag dieser Artikel ein Trost oder vielleicht auch Ansporn sein. Aber es gibt ja unter den Kreativen auch ein paar "Kranke". Die sind wahrscheinlich bei den Untersuchungen ausgelassen worden.
Für alle die mehr wissen wollen ein fach mal Schizotypische Persönlichkeitsstörung bei Wiki durchlesen.
Da erhält man einen Vorgeschmack.
mit freundliche Grüße von der Kreativen-Überholspur!
ein "Kranker"
geomorf: "Ich nehme also an, der Dichter wird das Schreiben wohl genauso schwierig finden wie das vorherige Lesen, oder nicht?"
Guter Einwand.
Ich sehe die Leistung des Kreativen ja auch eher in der überraschenden oder neuartigen Verknüpfung, Anordnung und Kombination der Daten aus dem Hirnfundus. Die müssen aber auch erst einmal gesammelt werden. Mir widerstrebt ein wenig der Begriff "Arbeit" für den eigentlichen, kreativen Prozess, wenngleich ich jetzt auch keine Alternative anbieten kann ("tüfteln" vielleicht?).
Das "Happy Feeling" der Drogen spiegelt sich im Artikel wider, auch da haben Sie recht. Wobei ich die hauptsächliche Wirkung der Substanzen aber in der og. Kombinationsfreude sehe. Mir fehlen da zum Glück eigene Erfahrungen, aber meine Beobachtungen führen mich zu diesem Schluss. Letztlich spricht man ja auch von "Bewußtseinserweiterung", wobei das natürlich keine Aussage über die Qualität dieser Extension ist.
Um einem evtl. Mißverständnis vorzubeugen: Diese Treiber sind mE kein Allheilmittel für unkreative Menschen. Sie werden aber genutzt, und das nicht zu knapp (Alkohol inbegriffen).
"Die harte Arbeit besteht mE zum größten Teil darin, den Kopf zu füllen. Der Dichter z.B. profitiert von seinem Wortschatz, den er sich im Vorfeld angelesen hat."
Das ist schon richtig. Aber auch wenn man sehr viel Wissen auf einem Gebiet hat und wirklich kompetent ist, ist es doch genauso schwierig, dieses Wissen auf eine vernuenftige (äh-kreative) Art aufs Papier zu bringen (oder eben wie auch immer zu "Visualisieren"). Ich nehme also an, der Dichter wird das Schreiben wohl genauso schwierig finden wie das vorherige Lesen, oder nicht?
Die Treibmittelchen sind zwar nicht im Artikel beschrieben, aber sie haben doch auf jeden Fall kurzfristig den Effekt, das man "gluecklicher" ist. Und das ist man ja anscheinend kreativer. Wobei, auf die Menschen, die sich zu eifrig der Treibmittelchen bedienen, passt diese Aussage im Text vielleicht eher nicht: "Kreative Menschen sind ziemlich normal - sie gelten als fleißig, verträglich, gesellig."?
Wie sagte Kurt Beck: "Was im Kopf nicht drin ist, kommt auch nicht raus."
Die harte Arbeit besteht mE zum größten Teil darin, den Kopf zu füllen. Der Dichter z.B. profitiert von seinem Wortschatz, den er sich im Vorfeld angelesen hat. Die Frage, wie dieses Reservoir angezapft werden kann, ist natürlich interessant. Möglicherweise führen gewisse Treibmittelchen dazu, die Schleusen im Kopf zu öffnen. Dieser Aspekt wird hier leider nicht behandelt, obwohl es doch genügend Beispiele gibt, dass sich Kreative auf die Türöffner-Funktion von Drogen oder Alkohol berufen. Roger Willemsen z.B. hat mal in einem Interview frank und frei erklärt, dass er den Mariuhana-Konsum als kreatives Werkzeug schätzt.
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