Psychologie Excel-Tabellen für die Verwaltung der Dates

Die Suchenden stehen daher vor dem Dilemma, unter Millionen als Individuen wahrgenommen zu werden und mögliche Partner wahrnehmen zu können. Das führe zu einer "Intensivierung der Selbstdarstellung", sagt Dombrowski, und einer "Intensivierung der Entscheidungsprozesse". Die Portale selbst sowie die Freunde der Nutzer geben ständig Tipps, was am besten in den Online-Profilen stehen soll. Und viele Nutzer entwickeln offenbar ausgefeilte Ordnungssysteme, um die Erlebnisse mit möglichen Partnern nicht durcheinanderzubringen, mit denen sie mailen, chatten oder sich in der realen Welt treffen. "Sie legen sich Ordner oder Excel-Tabellen an und verwenden darauf natürlich viel Zeit", sagt die Ethnologin.

Das System verleite dazu, endlos weiterzusuchen. Schließlich könnte der eine wahre Partner nur ein paar Mausklicks weiter warten. Oder zumindest jemand, der diese eine Macke des Mannes oder der Frau nicht hat, mit der man erste Bande geknüpft hat. Viele Geschichten von online zusammengeführten Paaren reromantisieren das Verfahren nachträglich, hat Dombrowski beobachtet, indem sie die Rolle des Zufalls und Schicksals betonen. Einer von beiden erzählt dann zum Beispiel, wie er den Computer schon ausmachen wollte, als die E-Mail des anderen kam.

Letztlich bringen die Online-Partnerbörsen das Motto des Abends auf den Punkt: die Spannung zwischen Liebe und Wissenschaft. Manche Börsen brüsten sich damit, ihren - zahlenden - Kunden mögliche Partner vorzuschlagen, die aufgrund psychologischer Erkenntnisse und anhand ausgefüllter Persönlichkeits-Fragebögen gut zu ihnen passen könnten. Unterstützt werde das, so Dombrowski, durch den unterschwelligen Gebrauch von wissenschaftlich wirkenden Grafiken und Diagrammen. Um den Eindruck aber auszubalancieren, zeigen die Webseiten viele lachende Paare, denen der Besucher dann unbewusst unterstellt, in romantischer Liebe verbunden zu sein.

Solche Fotos gibt es - im Stil ihrer Zeit - übrigens auch vom jungen Albert Einstein und seiner Ehefrau Mileva. Die beiden heirateten 1903, nachdem sie sich sechs Jahre lang Liebesbriefe geschrieben und eine uneheliche Tochter gezeugt hatten. Als Idealbild der ewig romantischen Liebe taugen der Physiker und seine auf dem Gebiet der Wissenschaft nicht weniger begabte Partnerin aber eher nicht. Sie trennten sich 1914 und wurden 1919 geschieden.