Psychologie Wenn das Prickeln schwindet

Die frühe Leidenschaft schwinde dann oft als erste wieder, zurück bleibe eine Freundesliebe aus Intimität und Bindung, die viele stabile Ehen kennzeichne. Wenn es "nicht mehr so prickelt wie am Anfang", solle man nicht leichtfertig die Beziehung aufgeben, rät der Psychologe aus Wuppertal. Der Verlust habe auch sein Gutes: In der Phase akuter Verliebtheit gelinge es kaum jemandem, Informationen so systematisch zu verarbeiten, wie es etwa im Arbeitsleben notwendig sei. Die mögliche letzte Stufe nennt Hassebrauck hingegen eine traurige Entwicklung. "Verlieren die Partner auch die Intimität, ohne sich voneinander zu trennen, bleibt eine leere Liebe zurück."

Was genau dabei im Gehirn passiert, wissen eher biologisch orientierte Psychologen noch nicht so genau, räumt Beate Ditzen von der Universität Zürich ein. Immerhin hat die Wissenschaft ein entscheidendes Hormon identifiziert, das Oxytocin. Es ist mit der Intimität und Bindung der Paare assoziiert und hilft Menschen offenbar, das Leben zu meistern.

In Versuchen der Psychologin Ditzen bekamen Frauen eine Prise des Hormons in die Nase, bevor sie in einem Scanner leichte Elektroschocks erhalten sollten. Derart gerüstet, empfanden die Probandinnen weniger Stress. Ganz ähnlich wirkten Händchenhalten und bei akut Verliebten auch ein Bild des Partners. Eine Nackenmassage durch den Mann schließlich führte bei Frauen in einem simulierten Bewerbungsgespräch dazu, dass die Stresshormone nicht so stark ansteigen, wie es sonst der Fall gewesen wäre. "Wenn er ihr aber nur sagt, sie werde das schon schaffen, hilft ihr das kaum", rät Beate Ditzen dem Berliner Publikum. Auch wenn die Leidenschaft geschwunden sei, behält Intimität eine körperliche Komponente, ließe sich daraus schließen.

Das Ideal der romantischen Liebe mit dem einen, quasi für den anderen geschaffenen, Partner, begleitet die Menschen jedoch oft durch das Leben, immer wieder angeheizt durch Romane oder Filme. Auf die Probe gestellt wird es gerade durch das modernste Instrument der Partnerwahl: Online-Börsen, die nach Aussage der Ethnologin Julia Dombrowski vom Völkerkunde-Museum Hamburg in Deutschland etliche Millionen Mitglieder haben. "Diese Masse mit ihrer Assoziation der Beliebigkeit steht im eklatanten Widerspruch zu der Einzigartigkeit, die die Liebe nach dem Ideal auszeichnet", sagt die Gelehrte.