Hintergrund ist offenbar eine automatisch ablaufende Vorurteilskaskade: Zunächst beurteilten die Befragten, ob die Namen in ihren Ohren altmodisch, zeitlos oder modern klangen. Daraus leiteten sie dann das vermeintliche Alter der Personen ab und zogen daraus wiederum Rückschlüsse auf deren Attraktivität. Hier haben die Befragten also gleich drei Vorurteile aneinandergereiht.
Sagt man Mädchen, dass sie schlecht in Mathematik seien, leiden ihre Leistungen tatsächlich. (© Foto: dpa)
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Aber woher kommen die vermeintlichen Weisheiten, die wir dabei benutzen? Wem von klein auf immer wieder gesagt wird, er solle nicht wie ein Bauer essen, der assoziiert "Bauer" irgendwann mit "grob" und "unzivilisiert". Solche gedanklichen Automatismen lassen sich später nur schwer durchbrechen, wie die Psychologin Patricia Devine von der University of Wisconsin in zahlreichen Experimenten nachwies.
Allerdings seien die gedanklichen Verknüpfungen, so ärgerlich sie auch sein mögen, gar nicht das eigentliche Problem, so Devine. Niemand müsse sich für sie rechtfertigen. Entscheidend sei jedoch, ob Menschen sich dieser Assoziationen bewusst seien und sich ihrer schämten. Ohne ein Gefühl von Schuld oder Scham ließen sich Vorurteile nicht aufbrechen.
Doch auch mit Schuld und Scham gelingt es nicht immer, Vorurteile wieder loszuwerden. In seinem Buch "Kleine Einführung in das Schubladendenken" berichtet der Sozialpsychologe Jens Förster von einem Kollegen, der offen zugibt, sich vor Sex zwischen Männern zu ekeln. Zwar schäme er sich dafür, doch befreien könne er sich von dem Gefühl des Ekels nicht.
Dieses Beispiel illustriert, dass Vorurteile mehr sind als irrige Ansichten oder falsche Meinungen. Anders als stereotype Einstellungen ("Afrikaner können schneller laufen als Europäer") weisen Vorurteile eine starke emotionale Tönung auf. Sie lassen uns nicht kalt, sondern lösen in uns Ekel, Angst oder Verachtung aus.
Und just diese Gefühle sind es, die das Vorurteil als etwas Legitimes erscheinen lassen, schließlich gelten Emotionen gemeinhin als echt und authentisch. Wer käme schon auf die Idee, seine Gefühle zu hinterfragen oder sie als falsch und rückständig zu geißeln?
Ohne kollektiv gelerntes Wissen gäbe es keine emotionsgeladenen Vorurteile. So weiß jedes Kind, dass Schwaben für geizig gehalten werden. Doch woher dieses Klischee stammt, können die wenigsten sagen. Französische Vokabeln lernt man willentlich; Vorurteile hingegen unwillentlich, quasi en passant.
"Ein unmittelbares Haarsträuben, eine spontane Gänsehaut kann man nicht so leicht bekämpfen, sie sind einfach da", meint Förster. "Sagen Sie mal jemandem mit Spinnenangst, dass Spinnen sehr nützliche Tiere sind. Selbst wenn er das einsieht, wird er nicht freudestrahlend den Rücken einer dicken, haarigen Spinne massieren." Vorurteile sind ein Mix aus Gefühlen und Überzeugungen. Das macht sie so zäh und langlebig. "Es ist schwieriger, Vorurteile zu zertrümmern als Atome", befand schon Albert Einstein.
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Sollte da jemand auf seine eigenen Vorurteile hereingefallen sein? Die "Welt" ist wohl wesentlich komplizierter als hier dargestellt.
Oder reicht es Herrn Westerhoff schon, wenn wir lernen, alles, was nicht politisch korrekt ist, = Vorurteil?
Ein Bekannter hat mir einmal dazu einen netten Denkansatz geliefert:
Er meinte "Der Denker denkt und der Gründer begründet" und das er damit seine Vorurteile ausschalten könne, denn wenn wir uns etwas denken, egal wie absurd es im ersten Moment erscheint, werden wir unterbewusst immer sofort eine Begründung für unsere These finden.
Wenn uns ein Vorurteil in den Kopf schießt einfach einen gegenteiligen Gedanken aufstellen und unser Gehirn wird eine Argumentation dafür finden. Mit diesem Selbstschutzmechanismus unserer Psyche baut er seine Vorurteile langsam ab.
leider wird in dem artikel nicht hinterfragt ,inwieweit auch die medien aktiv an der klischeebildung mitwirken.
nehmen wir nur einmal den hier untersuchten namen "anna". wen wundert's , dass der name durchweg positiv abschneidet.
ganz spontan fallen mir da sofort der annasong von freundeskreis und die derzeit laufende telenovela "anna und die liebe" ein.
"Der NZZ-Beitrag sei wesentlich besser als derselbe Artikel in Blick, meinten Testleser einhellig. "Das Image zählt eben mehr als der Inhalt", sagt Fichter. Und geübte Zeitungsleser ließen sich ebenso von ihren Vorurteilen leiten wie Lesemuffel."
Die SZ online Macher versuchen oft genung Artikel auf oder sogar unter Bildniveau hier(vor allem in der Sparte "Digital") einzuschmuggeln, in der Hoffnung der geneigte Leser schluckt die Pille solange SZ draufsteht.
Sie haben recht. Ich bin auch nur eine Einzelwahrheit. (Verdammt, das war schon wieder zu allgemein (;-))
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