Man ist so alt wie man sich fühlt, heißt es. Und wer sich alt fühlt, bei dem kann vorübergehend sogar eine Altersschwäche wie ein schlechtes Gedächtnis auftreten.

So jedenfalls ist es einer Gruppe von 48- bis 62-Jährigen ergangen, die an einer Studie der Tulane University und der University of Kansas teilgenommen haben.

Senior

Alt oder nicht alt, das ist die Frage. (© Foto: photodisc)

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Die Wissenschaftler Laurie O'Brien und Mary Lee Hummert hatten 85 Männer und Frauen in drei Gruppen aufgeteilt. Einer Gruppe wurde erklärt, ihr Erinnerungsvermögen würde getestet und mit dem Gedächtnis einer Gruppe von Über-70-Jährigen verglichen. Eine zweite Gruppe sollte - angeblich - gegen 20-Jährige antreten. Und die dritte Gruppe glaubte sich mit niemandem im Wettbewerb. Sie diente als Kontrolle.

Allen Probanden wurde eine Liste mit 30 Wörtern vorgelegt, die sie für zwei Minuten studieren durften - danach sollten sie so viele Begriffe aufschreiben, wie sie noch wussten.

Jene, die dachten, sie würden mit jüngeren Personen verglichen, kamen im Schnitt auf 14 Begriffe - genauso viele, wie die Vertreter der Kontroll-Gruppe.

Die Teilnehmer aber, die glaubten, sie würden gegen Senioren antreten, schafften im Durchschschnitt zwei Begriffe weniger. Sie schnitten damit signifikant schlechter ab als die zwei anderen Gruppen.

Wie die Forscher im Journal Social Cognition berichten, war die Leistung bei jenen besonders schlecht, die sich die meisten Sorgen über das Altwerden machten. Und das galt auch für die jüngeren Teilnehmer - also die Probanden bis Anfang 50.

Das Phänomen dieser Art von Selbst-Unterschätzung ist seit längerer Zeit bekannt. So haben frühere Studien bereits gezeigt, dass Frauen in Mathe-Tests schlechter abschneiden, wenn sie vorher gelesen haben, dass Männer in diesem Bereich besser sind. Und weiße Männer leisten weniger, wenn sie glauben, sie treten bei einem Test gegen asiatische Schüler an, berichtet die New York Times.

Auch sind die Leistungen von Menschen über 65 Jahren in Gedächtnis-Tests geringer, wenn sie zuvor auf den Zusammenhang zwischen Alter und dem Abbau geistiger Fähigkeiten aufmerksam gemacht werden.

Mary Lee Hummert vermutet, ihre Studie deute darauf, dass sogar die Dinge, die wir über uns selbst sagen - etwa Witze über unsere nachlassenden geistigen Fähigkeiten - unsere tatsächlichen Leistungen schwächen. "Es ist zu befürchten, dass dies zu einer negativen Rückkopplung führt", so Hummert in der US-Zeitung.

Wer sich das nächste Mal nicht an seine Telefonnummer erinnern kann, sollte sich also lieber eine Eselsbrücke zulegen, statt über Alzheimer zu witzeln.

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(sueddeutsche.de)