Seit Jahren versuchen Agrarkonzerne, sich Gene von Lebewesen patentieren zu lassen. Diese Absurdität wird anhalten, solange sich die EU nicht auf eine eindeutige Richtlinie einigt.
Für Zyniker ist die Sache simpel: Moderne Zuchtschweine sind doch längst Maschinen, statt Strom fressen sie eben Kraftfutter, anstelle von Zahnrädern produzieren sie Fleisch, wie es der Verbraucher schätzt: fettarm und billig. Warum also sollte man solche lebenden Maschinen nicht auch patentieren können?
Schweine vor dem Europäischen Patentamt: Bauern protestierten mit ihren Tieren gegen Patente auf Leben. (© Foto: Reuters)
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Wer sich dagegen nüchtern mit den Patenten auf Lebewesen beschäftigt, entdeckt eine absurde Welt. Seit Jahren versuchen Agrarkonzerne, sich Gene von Pflanzen und Tieren oder zumindest deren gezielten Einsatz für die Züchtung schützen zu lassen. Beim jetzt diskutierten "Schweinepatent" ist es eine Gensequenz, die Tiere schneller an Gewicht zulegen lässt. Sie ist nicht im Labor geschaffen worden, sie steckt schon seit langer Zeit im Erbgut vieler Tiere. Alles, was Wissenschaftler getan haben, ist, sie aufzuspüren und ihre Funktion zu beschreiben.
Patente setzen aber eine Erfindung voraus; in diesem Fall kann sich die Erfindung also nur auf das Analyseverfahren erstrecken, nicht auf das Erbgut an sich. Das hat schließlich die Natur erfunden.
Absurd ist, dass sich viele Patentanträge aber ausdrücklich auf die Tiere beziehen, dass gezielt ganze Herden geschützt werden sollen. Auch beim Schweinepatent, sagen die Gegner, erstrecke sich der Anspruch auf die Tiere und ihre Nachkommen. Doch so genau scheint das niemand zu wissen - ob die Lebewesen an sich wirklich unter den Patentschutz fallen, wird sich erst im Einspruchsverfahren herausstellen.
Nicht zu Unrecht fürchten viele Bauern, eines Tages von Patentinhabern verklagt zu werden. In den USA lässt der Konzern Monsanto seit Jahren Anwälte auf Landwirte los, die angeblich gegen seine Rechte an gentechnisch verändertem Saatgut verstoßen haben. Die protestierenden Bauern in München haben Angst vor einer Entwicklung, an deren Ende sie nur noch patentierte Tiere betreuen - und diese nur noch mit Genehmigung von Konzernen verkaufen dürfen.
Ein Problem aller Patente ist, dass sie Verbotsrechte sind. Der Inhaber kann mit dem Schutz seines geistigen Eigentums erreichen, dass Konkurrenten mit hohen Gebühren blockiert werden. Im Fall von Tieren und Pflanzen steht die freie Züchtung auf dem Spiel. Der schnelle Zugriff auf genetische Ressourcen war seit Jahrhunderten ein Recht aller Landwirte - nur so entstanden viele Nutztierrassen.
Noch ist es nicht so weit. In Deutschland stärken Gesetze die Rechte von Landwirten und Forschern. Doch solange die EU-Biopatentrichtlinie die Patentierung von natürlichen Züchtungsmethoden einerseits verbietet, andererseits mit schwammigen Formulierungen aber doch ermöglicht, wird kein Frieden einkehren zwischen Demonstranten und Patentprüfern.
Zehn Jahre haben Politiker über die Richtlinie gestritten. Sie sollten sich noch einmal an das Thema wagen und Patente auf Pflanzen wie Tiere eindeutig ausschließen. Denn auch das fetteste Zuchtschwein ist keine Maschine.
(SZ vom 16.4.2009/beu)
Großprojekte in Berlin
wird es dann irgendwann auch Patente auf das Erbgut des Menschen geben. So wie es hier einige Befürworter erklären, müsste dies auch auf den Menschen anwendbar sein. Da spricht genausoweinig dagegen, wie deren Erklärungen, warum auch Tiere, hier z.B. Schweine, als patent angemeldet werden können. lassen wir doch die Spitzfindigkeiten, wenn es heißt, da würden nur ein paar veränderte Genstrukturen patentiert: Für Das Tier insgesamt müssen sowieso Lizenzgebühren bezahlt werden, egal wieviele und welche Veränderungen da vorgenommen worden sind. Szenario in Zukunft: Mutter gebiert Kind mit einer Genveränderung, die sich irgenwann vorher mal ne Firma hat patentieren lassen: Also erst mal blechen, bevor man das Kind bekommt. Sorry, habe etwas übertrieben, aber rein logisch betrachtet wären das die Folgen, mögen sie im Moment noch total verrückt klingen. Wollte nur mal das Szenario etwas weiter spinnen. Nach Patentierung auf verändertem genmaterial bei Tieren werden es dann bald ganze Tierarten sein, Gattungen etc. Es ist nur die logische Weiterführung des Ganzen.
Wer sich die Mühe macht, mal die Verfahrenshistorie zu lesen (http://www.epoline.org/portal/public/!ut/p/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLN4i3dAfJgFjGpvqRqCKOcAFfj_zcVKBwpDmQ726kH6LvrR-gX5AbGlFunK4IAEFiq1o!/delta/base64xml/L0lDVE83b0pKN3VhQ1NZS0NsRUtDbEVLQ2xFQSEvWUtVSUFBSUlJSUlJSU1NSUlJTUlJQ0NJS0dLR09NRUFFQUtCSkJKT0JGTkZOT0ZBLzRCMWljb25RVndHeE9VVG9LNzlZUTdEbUc0UjJIS054anNPY2JnayEvN18wX0cyLzQzODk1NzIvUkRPQ1NPUlRPUkRFUi9kZXNjZW5kaW5nL1JET0NTT1JURklFTEQvZGF0ZS9vcmdlcG9saW5lcG9ydGFsZnJhbWV3b3JrcG9ydGxldGJhc2VTdGF0ZVBvcnRsZXRCYXNlQWN0aW9uL29yZy5lcG9saW5lLnBvcnRhbC5hcHBsaWNhdGlvbnMucmVnaXN0ZXJwbHVzLnBvcnRsZXQuUlBBY3Rpb25EaXNwbGF5RG9jdW1lbnRMaXN0), der wird leicht feststellen, dass sich die erteilten Ansprüche eben NICHT auf Schweine erstrecken! Sondern lediglich auf das Verfahren zur Zucht, wobei meiner Ansicht nach dabei nur der Teil wirklich neu ist, der sich auf die spezielle Art der Selektierung bezieht.
Ach ja und bisher sieht es so aus, als ob keiner der Einsprechenden die Gebühr gezahlt hätte... sofern das stimmt, ist bisher KEIN Einspruch wirksam eingelegt, denn die Frist dafür läuft heute ab! Mal abgesehen davon, dass keiner der Einsprüche (die offenbar alle copy+paste derselbe Brief sind) wirklich begründet worden ist. Somit kommt damit wohl eh keiner durch und das Patent wird erhalten bleiben.
Und was solls? Wer das Zuchtverfahren nicht benutzt, hat meiner Ansicht nach nichts zu befürchten, genau DAS ist nämlich europäisches Patentrecht! Ich verweise alle Interessierten auf http://www.epo.org/patents/law/legal-texts/html/epc/2000/d/ar53.html
Nun, die Vorgehensweise von Monsato und Co ist ja wirklich perfide. Die Transgene Saat wird ausgebracht, blüht und vermischt sich mit den Pflanzen der Nachbarsaaten. Wenn dieser Landwirt sind aus seinen, jetzt verunreinigten Pflanzen, Saatgut selbst zieht, verklagt ihn Monsato im nächsten Jahr auf Patentverletzung. Das Verursacherprinzip wird hier einfach umgedreht.
@andersX hat schon recht, dass hier zwei verschiedene Dinge angesprochen werden:
1. Die unkontrollierbare Verbreitung der Transgenen Saaten und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt
2. Die Bestrebungen von einigen Firmen ein Monopol auf Saaten herbeizuführen.
Trotzdem ist mir der Grund ziemlich egal. Beide sind unmoralisch.
Auch ist die Vermischung der medizinischen und der landwirtschaftlichen Gentechnik nicht zulässig. Ersteres findet in hermetisch abgeschlossenen Räumen statt und das Produkt wird nur Einzelpersonen verschrieben, wohin gegen Zweiteres ein riesiges Experiment mit 0 Erfahrungswerten darstellt.
Auch entzieht sich mir die Erkenntnis weshalb in Europa Transgene Saaten angebaut werden müssen. Meines Wissens gibt es de facto bei jast jedem landwirtschaftlichen Erzeugnis Überschüsse und somit würde noch mehr Ertrag noch weniger Gewinn bedeuten.
Was Gensaaten anrichten kann man in Indien erleben. Die feiern da unten gerade den 112.000ensten Bauern der sich das Leben genommen hat, weil er aufgrund der tollen Wundergensaaten soviel Ertrag erwirtschaftete, dass er Konkurs anmelden musste (es gibt Berichte, das der Ertrag nach ein paar Jahren unter dem der natürlichen Saaten fällt).
Noch interessanter wird das Thema bei Schwein und Co. Meines Wissens kommt diese Gensequenz, um das sich das Patent dreht, in jedem Schwein vor.
Im besten Fall sind, meiner Meinung nach, nur Patente zulässig, die beschreiben, wie das veränderte Gen in die Pflanze eingeschleust wird, zulässig.
stimme voll zu!
Der Landwirtschaftsministerin kann man nur eine Themaverfehlung attestieren. Hier geht es um Verhinderung von Kartellen auf Grundbedürfnisse der Menschheit. Die Angst vor etwaigen unkontrollierbaren Verbreitungen und Schädigungen darf nicht Grundlage des Verbots sein. Da könnte man ja gleich noch die Atomkraft verbieten - und das Handy auch!
Hier kommt die Europawahl rein, da muß man populisieren. Nach der Bundestagswahl kann man dann die Prozesse verlieren, ist ja nur Geld der Steuerzahler.
Ich verwahre mich erbittert gegen solche Machenschaften von Konzernen mit krimineller Energie, einer dieser Gen-Konzerne (ja, er ist derzeit mit seinem Sch... Mais gottlob gestern verhindert worden...) hatte zu Zeiten des Vietnam-Krieges das berüchtigte "Agent Orange" produziert.
Was haben wir von solchen Unternehmen denn zu erwarten, die das Leben selbst nur noch als kommerzialisierbare Ware, als ein der Ökonomisierung unterwerfbares "Gut" betrachten? Was kommt dann? Der kommerzialisierbare Mensch mit wertvollen patentierbaren Gensequenzen? Was sind das für Leute, die sich so kranke Dinge ausdenken?
Ich will KEINESFALLS von solchen kriminell veranlagten Unternehmen vorgeschrieben bekommen, wie ich zu leben habe, wie und was ich zu essen und zu trinken habe und welche Teile meines Gen-Sets reproduzierwürdig oder patentifähig/würdig sind.
Wenn wir solchen Leuten und Organisationen das Feld überlassen, haben wir verloren. In jeder nur denkbaren Weise.
Ich bin kein religiöser Mensch, aber eine Aussage trifft zu:
"Wo Gott nicht ist, wird alles möglich...."
In jeder nur schlimmsten Auslegung dieses Satzes!
Paging