Unfälle, Geldmangel und vergraulte Passagiere - noch vor den ersten kommerziellen Flügen steckt der Weltraumtourismus in der Krise.
Es war nur eine kleine Explosion im Süden Kaliforniens - und doch ein großer Schritt zurück für die private Raumfahrt. Drei Arbeiter starben, als im Sommer vergangenen Jahres ein Lachgas-Tank auf dem Testgelände der Firma Scaled Composites in die Luft ging.
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Die Firma Virgin Galactic präsentierte bereits 2007 die Ausstattung der Kabinen, in denen Passagiere einmal ins All reisen sollen. (© Foto: AFP)
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Dort, in der Mojave-Wüste unweit von Los Angeles, tüfteln Ingenieure unter großer Geheimhaltung an SpaceShipTwo - dem ersten Raumfahrzeug, das Touristen an den Rand des Weltraums und wieder zurück zur Erde bringen soll.
Bislang eine große Erfolgsgeschichte. Doch mit dem Unglück wurde plötzlich klar, was jeder wusste, aber niemand zu denken wagte: Die Entwicklung jeder neuen Generation von Raumschiffen ist unweigerlich mit Fehlschlägen verbunden - nicht selten mit tödlichen. Der Weg zu den Sternen ist und bleibt gefährlich.
Es war nicht der einzige Rückschlag in den vergangenen Monaten. Nach der Euphorie, die SpaceShipOne im Jahr 2004 mit dem ersten privaten bemannten Flug ins All ausgelöst hatte, sind die Himmelsstürmer auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen.
Tickets für 200.000-Dollar
"Wir sind in einer kritischen Phase", räumt der Raumfahrt-Unternehmer Peter Diamandis ein. Der Organisator des X-Prize, dessen zehn Millionen Dollar Preisgeld den Flug des SpaceShipOne erst möglich gemacht hatte, sagt aber auch. "Wenn man in dieser Branche erfolgreich sein will, muss man Optimist sein. Realisten verkaufen Immobilien - auf der Erde."
Nirgendwo zeigen sich der Optimismus - und die unerbittliche Wirklichkeit - besser als in den angekündigten und immer wieder verschobenen Startterminen. "Wenn man die private Raumfahrt betrachtet, scheint die Zukunft immer zwei Jahre entfernt zu sein", schreibt der amerikanische Raumfahrtexperte Alan Boyle in seinem Weblog.
Im Jahr 1997, als die ersten Ideen von Touristenflügen ins All aufkamen, sollte es 1999 losgehen. 2005, nach dem großen Erfolg von SpaceShipOne, wollte die Branche im Jahr 2007 durchstarten. Aktuell stehen die Zeichen auf 2010.
Von einem Jungfernflug des SpaceShipTwo noch in diesem Jahr, wie er vor einiger Zeit noch anvisiert wurde, ist jedenfalls nicht mehr viel zu hören. Burt Rutan, der öffentlichkeitsscheue Konstrukteur des Raumschiffes, will sich zu den Termin-Spekulationen gar nicht erst äußern. Er werde fliegen, lässt er verlauten, wenn er es für sicher halte.
Immerhin scheinen weder das Risiko noch die Verschiebungen das Interesse an den 200.000-Dollar-Tickets nachhaltig zu schmälern. Für die Erfüllung ihres All-Traums hätten Kunden mittlerweile mehr als 30 Millionen Dollar an den Reiseveranstalter Virgin Galactic überwiesen, der die Flüge mit SpaceShipTwo organisieren will, berichtete Virgin-Galactic-Chef Alex Tai während einer Raumfahrt-Konferenz Ende Oktober.
Bleiben Sie bitte angeschnallt
Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob die Gäste wie erhofft in 100 Kilometern Höhe drei bis vier Minuten lang schwerelos durch die Kabine gleiten können. Die Entwickler der Firma Rocketplane Global, die ebenfalls einen weltraumtauglichen Touristenflieger bauen wollen, haben bereits angekündigt, zunächst die Anschnallzeichen nicht auszuschalten.
"Ich werde am Anfang niemandem erlauben, seinen Sitz verlassen", sagte John Herrington, bis Anfang des Jahres Flugleiter bei Rocketplane dem britischen Magazin New Scientist. Der ehemalige Astronaut fürchtet, die fünf Passagiere könnten in der für sie ungewohnten Schwerelosigkeit nicht schnell genug zurück zu ihren Sitzen kommen - und dann vom Rücksturz zur Erde und der mit aller Macht einsetzenden Schwerkraft böse überrascht werden.
Auch die neuen Flughäfen für den Kurzurlaub im All sind noch alles andere als einsatzbereit. So existiert der Spaceport America, von dem aus Virgin Galactic in den Himmel starten will, derzeit nur als Computergrafik. Um das Bauwerk in der Wüste New Mexicos zu finanzieren, müssen die örtlichen Behörden eine Sondersteuer erheben.
Bislang haben dem Vorhaben allerdings nur die Wähler eines der beiden betroffenen Landkreise zugestimmt - mit knapper Mehrheit. Die zweite Abstimmung ist für April geplant. Wegen Problemen mit den staatlichen Umweltauflagen wird sich der erste Spatenstich, wie die lokalen Las Cruces Sun-News vor wenigen Tagen berichtet haben, jedoch verzögern. Statt im Frühjahr dieses Jahres sollen die Bauarbeiten nun frühestens im November beginnen.
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