In welchen Fällen eine PID fortan in Deutschland erlaubt ist, haben die Karlsruher Richter nicht eindeutig geregelt. Was sind "schwere genetische Schäden", die durch die frühe Diagnose verhindert werden sollen? Ist eine vermutete Mutation im Mukoviszidose-Gen Grund genug für eine PID - obwohl die Mutation die Lebensqualität später vielleicht kaum einschränken würde? Oder rechtfertigt das erblich bedingte Risiko, mit 30 Jahren an Brustkrebs zu erkranken, die PID?

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"In Deutschland wäre dies kein ausreichender Grund", sagt Hehr. Als Mitglied einer Ethikkommission arbeitet sie an einer Stellungnahme darüber mit, in welchen Fällen die PID gerechtfertigt ist. Eindeutige, verbindliche Regelungen wird es jedoch nicht geben. "Wir lehnen die PID ab, wenn es um Krankheiten geht, die erst spät im Leben einsetzen und für die es Vorsorgemöglichkeiten gibt, wie etwa bei Brustkrebs", sagt die Genetikerin.

Außerdem müsse man bedenken, dass sich das Spektrum der Krankheiten, die eine PID rechtfertigen, ständig ändere. "Vor 20 Jahren hatten zum Beispiel Mukoviszidose-Patienten eine sehr geringe Lebenserwartung und -qualität", sagt Hehr. "Das ist heute dank der besseren Therapiemöglichkeiten anders, und das müssen wir bei unserer Empfehlung berücksichtigen."

Ute Hehr hat Erfahrung in solchen Entscheidungen. Als erste Klinik in Deutschland bietet sie seit mehreren Jahren eine abgespeckte, schon länger erlaubte Version der PID an, die sogenannte Polkappenanalyse. Dabei wird nur ein Teil der Eizelle untersucht, also nur der mütterliche Teil des Erbguts. Eine solche Analyse kostet schnell 4000 Euro oder mehr, und häufig müssen die Paare den größten Teil davon selbst bezahlen. Mit ähnlichen, wenn nicht höheren Kosten rechnet Hehr auch für die PID. Trotzdem ist die Diagnostik beim Embryo ihrer Meinung nach nicht lukrativ für die Kliniken und Labore: "Das ist sehr personalaufwändig, vor allem wegen der langen Beratungsgespräche mit den Paaren."

Auch wegen der hohen Kosten erwartet Hehr, dass sich die Anzahl der Paare, die sich zu einer PID entschließen, auf einem niedrigen Niveau einpendeln wird. "Diese Erfahrungen", sagt er, "haben auch die Kollegen in den Nachbarländern gemacht, wo die PID schon seit Jahren erlaubt ist."

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  1. Das Risiko, falsch zu liegen
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(SZ vom 08.07.2010/mcs)