Positive Bilanz des Bundesumweltamtes Industrie vermindert Kohlendioxid-Ausstoß

Verfechter der Atomkraft warnten stets, dass der Atomausstieg Deutschland die Klimabilanz verhageln würde. Zu Unrecht, wie nun eine Bilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2011 zeigt: Obwohl sieben Atomkraftwerke vom Netz gingen und die Wirtschaftsleistung anzog, stieß die deutsche Industrie weniger Treibhausgase aus als 2010.

Von Markus Balser

Die deutsche Industrie hat trotz des beschleunigten Atomausstiegs und eines raschen Wirtschaftswachstums im vergangenen Jahr ihre Klimabilanz verbessert. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ging 2011 nach Angaben des Umweltbundesamts um ein Prozent zurück.

Die deutsche Industrie stieß 2011 weniger Kohlendioxid aus als 2010.

(Foto: dpa)

Bundesregierung und Wirtschaft hatten die jährliche Treibhausgas-Bilanz der Umweltbehörde mit Spannung erwartet. Denn einflussreiche Organisationen wie die Internationale Energie-Agentur (IEA) hatten Deutschland für den Alleingang beim beschleunigten Atomausstieg hart kritisiert. Sie bezweifelten, dass die deutschen Klimaziele nach dem Abschalten von sieben Atomkraftwerken infolge der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 noch erreichbar sind.

Am Montag gab das Umweltbundesamt (UBA) Entwarnung: Die gut 1600 für den Emissionshandel überwachten Anlagen hätten "trotz sehr starker Konjunktur und Atomausstieg" etwa 450 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Damit seien sie knapp unter der erlaubten deutschen Obergrenze von 453 Millionen Tonnen geblieben, stellte UBA-Präsident Jochen Flasbarth fest.

Verfechter der Atomkraft wie die Energiekonzerne RWE und Eon hatten gewarnt, dass der verstärkte Einsatz fossiler Kraftwerke die Klimabilanz Deutschlands verhageln würden. Zwar liefen diese tatsächlich länger. Doch eine höhere Energie-Effizienz in der deutschen Wirtschaft insgesamt und die rasche Zunahme erneuerbarer Energien glichen das mehr als aus.

Auch die EU wird ihr Ziel erreichen

So verbuchte das Umweltbundesamt mit minus zwei bis minus sechs Prozent den stärksten Rückgang des Treibhausgases gerade in der Energiebranche. "Wir erleben eine substantielle Kehrtwende in Richtung erneuerbare Energien", sagte die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Zudem mache die deutsche Wirtschaft vor, dass sich Wachstum und der Verbrauch fossiler Ressourcen entkoppeln ließen.

Bereits jetzt ist klar, dass Deutschland als größter CO2-Produzent in der Europäischen Union seinen Treibhausgasausstoß bis Ende 2012 deutlich stärker als vereinbart senken wird. Im Zuge des Kyoto-Vertrags hatte sich die Bundesregierung auf 21 Prozent Minderung im Vergleich zu 1990 verpflichtet. Die deutsche Reduktion liegt inzwischen bei 25 Prozent.

Auch die EU insgesamt wird ihr Ziel von acht Prozent erreichen. Hier sank 2011 der CO2-Ausstoß bei Industrie und Versorgern sogar um 2,4 Prozent. Das allerdings gilt vor allem als Folge der Rezession in weiten Teilen Europas. Der Kampf gegen den Klimawandel hatte zuletzt herbe Rückschläge erlitten. Die internationalen Klimakonferenzen von Kopenhagen, Cancún und Durban haben noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Weltweit war der CO2-Ausstoß vor allem wegen des starken Wachstums in Schwellenländern zuletzt auf neue Rekordwerte gestiegen.

Nun hoffen Behörden und Umweltschützer auf einen neuen Anlauf. "Dieser Trend belegt den Spielraum für eine mögliche Anpassung des europäischen Klimaziels", sagte UBA-Präsident Flasbarth. In der EU läuft eine Debatte, die Klimaziele bis 2020 zu verschärfen und die Menge der zugeteilten Verschmutzungsrechte zu verknappen. "Die Politik muss nachlegen", sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Der Emissionshandel erfasst gut die Hälfte des CO2-Ausstoßes. Für die andere sind vor allem Haushalte und Verkehr verantwortlich. Nach Angaben aus Regierungskreisen rechnet Berlin hier sogar mit einem Rückgang von bis zu drei Prozent.