Physiologie Hellwach und hungrig

Auch Insekten müssen schlafen, um zu überleben. Aber gerade ohne Futter überstehen Fruchtfliegen Schlaflosigkeit länger. Und das ist vermutlich auch sinnvoll.

Von Britta Verlinden

Essen macht müde, das ist ein alter Hut. Doch im Umkehrschluss kann auch Hungern hellwach machen. Dies hat ein Forscherteam von der Washington University in St.Louis an Fruchtfliegen gezeigt (PLoS Biology, online).

Wird Fliegen zusätzlich zum Schlaf das Futter entzogen, überleben sie bis zu 28 Stunden - und zeigen keinerlei Anzeichen von Müdigkeit.

(Foto: dpa)

Wie Menschen und Ratten brauchen die Insekten Schlaf zum Überleben. Die Wissenschaftler um Matt Thimgan beobachteten nun jedoch, dass das Erholungsbedürfnis der Fliegen in den Hintergrund rückt, wenn ihnen gleichzeitig die Nahrung fehlt.

Die Biologen untersuchten eine Art von Fruchtfliegen, denen das Gen für die "innere Uhr" fehlt. Diese entwickeln viel schneller ein Schlafdefizit und versterben normalerweise nach etwa zehn Stunden des Wachseins.

Wurde den Fliegen zusätzlich zum Schlaf auch das Futter entzogen, überlebten sie hingegen bis zu 28 Stunden - und zeigten keinerlei Anzeichen von Müdigkeit.

Aus Evolutionsperspektive sei das sinnvoll, sagt Thimgan: "Wenn man am verhungern ist, will man geistig fit sein und seine Chancen erhöhen, Nahrung zu finden - und nicht selbst gefressen werden."

Um den Schlafmangel wegzustecken, ist offenbar ein Eiweiß von Bedeutung, das für Speicherung und Bereitstellung von Lipiden zuständig ist. Den Forschern zufolge spielt der Fettstoffwechsel demnach eine wichtigere Rolle beim Schlafhaushalt als bislang gedacht.