Pharmastudien Tests am Menschen müssen sein

Neue Medikamente sind riskant - sie an Menschen ohne ihre Einwilligung zu testen, ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Doch klinische Studien im Allgemeinen zu diffamieren, ist unangebracht: Ohne Pharmastudien ist Fortschritt nicht möglich.

Ein Kommentar von Christina Berndt

Neuartige Medikamente sind riskante Erfindungen. Sie an Menschen zu testen, die nicht eingewilligt haben oder nicht über den experimentellen Charakter ihrer Behandlung aufgeklärt wurden, ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Gleich, ob dies in den 1980er-Jahren in der DDR geschehen ist oder sich noch heute in Schwellenländern wie Indien zuträgt. Dass Pharmafirmen die ethischen Anforderungen einhalten, muss daher besser kontrolliert werden.

Gleichwohl darf sich die Empörung über die Arzneitests nicht auf klinische Studien im Allgemeinen erstrecken. Sie als "Menschenversuche" zu diffamieren, ist unangebracht. Auch mit ausgefeilten Vorversuchen am Computer, in der Kulturschale und im Tierexperiment werden sich Studien mit Menschen nie vermeiden lassen, bevor ein neues Medikament zugelassen werden kann. Dabei ereignen sich mitunter schwere Zwischenfälle, die Leben kosten und von denen der Hersteller im besten Fall nichts geahnt hat.

Ohne Pharmastudien aber ist Fortschritt nicht möglich. Es ist daher unabdingbar, dass sich Kranke dafür zur Verfügung stellen. Ohnehin können die Testpersonen auch selbst erheblich von der Teilnahme profitieren. Nicht nur, weil sie in Studien eine intensive Betreuung und Nachsorge bekommen. Sie erhalten schließlich auch innovative Medikamente und damit Heilungschancen, die ihnen sonst verwehrt wären.