Pharmaindustrie US-Biotech-Firmen beantragen Patent auf genmanipulierte Affen

Weil sie dem Menschen ähnlich sind, werden Schimpansen für grausame Experimente herangezogen. Wissenschaftler machen sich sogar an der DNA der Tiere zu schaffen: Gleich drei Patente auf gentechnisch veränderte Affen hat das Europäische Patentamt in diesem Jahr erteilt. Kritiker wollen nun Einspruch einlegen.

Von Silvia Liebrich

Tierschützer protestieren schon lange gegen den Einsatz von Menschenaffen in Forschung und Pharmaindustrie.

(Foto: dpa)

Schimpansen gelten als engste Verwandte des Menschen. Doch diese Familienbande haben den Menschenaffen in der Vergangenheit vor allem eines eingebracht: viel Leid. Seefahrer brachten die ersten Tiere im 17. Jahrhundert nach Europa. Seitdem werden sie misshandelt und verfolgt.

Tierschützer protestieren seit langem gegen ihren Einsatz in Forschung und Pharmaindustrie. Dort werden Schimpansen und andere Affenarten für grausame Experimente herangezogen, gerade weil sie dem Menschen so ähnlich sind. Nun haben sich Wissenschaftler sogar an der DNA der Tiere zu schaffen gemacht. Mit Erfolg. Das Europäische Patentamt hat in diesem Jahr gleich drei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen erteilt.

Je ähnlicher der Organismus funktioniert, um so zuverlässigere Ergebnisse erhalten Forscher, wenn sie Medikamente gegen das HI-Virus, Krebs oder Diabetes testen. Um die Übereinstimmung zwischen menschlichem Erbgut und dem von Schimpansen zu vergrößern, wurde nun Gentechnik eingesetzt. Die Patente beantragt haben die US-amerikanischen Biotech-Firmen Altor BioScience und Intrexon.

"Die Tiere sollen für die Pharmaforschung eingesetzt werden", sagt Christoph Then von Testbiotech, einer Organisation, die sich gegen Patente auf Leben wendet. Altor BioScience erhielt nach seinen Angaben ein Patent auf Schimpansen, deren Immunsystem "humanisiert" wurde. Die Firma kooperiere dabei mit einem Pharmahersteller, der Medikamente mit Antikörpern entwickelt, die dann auch an Schimpansen getestet werden sollen. So könnten etwa Wirkstoffe gegen Aids entwickelt werden. Von den Unternehmen lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Das Europäische Patentamt hat bereits 1200 Patente auf Tiere erteilt

Für Then ist es ein Skandal, dass die Patente auf Schimpansen zum Teil auch von den Behörden in den USA, Kanada, Japan, Australien und Mexiko erteilt wurden, "derartige Patente unterlaufen die Bemühungen für einen besseren Schutz von Menschenaffen". Ein Sprecher des Europäischen Patentamtes weist das zurück: "Grundsätzlich ist es möglich, Tiere zu patentieren", betonte er. Gegen jedes Patent könne aber binnen neun Monaten nach Bekanntgabe Einspruch erhoben werden. Testbiotech und drei weitere Organisationen wollen dies nun tun.

Die Europäische Patentamt hat nach Recherchen von Testbiotech bereits 1200 Patente auf Tiere erteilt, auch auf Menschenaffen. Gentechnik war bis jetzt aber nur zwei Mal im Spiel. 2006 genehmigte die Behörde erstmals ein Patent auf Affen mit Krebsgenen. Die antragstellende Firma zog es jedoch nach Protesten von Greenpeace wieder zurück. Ein weiteres Patent auf gentechnisch manipulierte Affen, die an Epilepsie leiden, wurde erteilt.

Der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller sieht keine große Gefahr durch die Patente. "Versuche mit Menschenaffen sind generell in Deutschland nur unter höchsten Auflagen gestattet. In der Pharmaindustrie hat es hierzulande seit vielen Jahren keine Versuche mit Menschenaffen mehr gegeben", sagt ein Verbandssprecher. Affen und Halbaffen machten 2010 etwa 0,2 Prozent der Versuchstiere in deutschen Forschungseinrichtungen aus.