Pestizid-Verbot Giftige Reaktion der Giftmischer

Solche Gifte waren bisher erlaubt, wenn in Studien bewiesen wurde, dass sie auf dem Acker gefahrlos eingesetzt werden können. Mit der neuen Verordnung soll sich das ändern: Für die Zulassung ist dann nicht mehr das Risiko auf dem Feld, sondern die Gefahr des unverdünnten Gifts für den Menschen entscheidend, ein weltweit bislang einzigartiges System.

Dazu erstellt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine Liste mit Substanzen, die für den Menschen als ungefährlich gelten. Produkte, die nur Wirkstoffe von dieser Liste enthalten, werden zugelassen, alle anderen müssen vom Markt verschwinden. Betroffen sind nicht zuletzt die deutschen Chemiekonzerne Bayer und BASF.

Die Vertreter der Chemie-Industrie sehen ihr Geschäft in Gefahr. Mehr als sechs Milliarden Euro setzen die Hersteller in der EU jährlich mit Pestiziden um. Seit drei Jahren machen sie Stimmung gegen die geplante Verordnung.

"Die Auseinandersetzungen waren heftig und von überaus starkem Lobbyismus gekennzeichnet", sagt Erna Hennicot-Schoepges, Berichterstatterin der konservativen Europäischen Volkspartei im EU-Parlament. "Große Interessen müssen hier im Spiel sein, sonst wäre der Widerstand gegen ein Verbot gesundheitsschädigender Stoffe wohl nicht so groß."

So warnte die Europäische Pflanzenschutzvereinigung ECPA lange Zeit, dass durch die Verordnung 80 Prozent aller Insektenvernichtungsmittel und 70 Prozent aller Pilzmittel wegfallen würden. Dadurch würden die Ernteerträge sinken und einer Studie von Euro-Care zufolge die Getreidepreise um bis zu 73 Prozent, die Preise für Gemüse um 104 Prozent steigen. Klaus Welsch, Chef der europäischen Pflanzenschutzsparte von BASF, verkündete unlängst gar: "Auf Druck der grünen Lobby wird hier die Landwirtschaft zugrundegerichtet."