Links das Fläschchen, rechts der Aschenbecher: Warum viele Eltern immer noch die Folgen der verqualmten Elternwohnung unterschätzen. Ein Gespräch mit dem HNO-Arzt, Allergologen und Umweltmediziner Dr. Gerald Baier.
sueddeutsche.de: Viele Mütter fürchten eher wegen des Dieselrußes um die Gesundheit ihrer Kinder als wegen des Tabakqualms. Baier: Ja, die Aufregung wegen des Feinstaubs ist im Moment immens: Die hitzige Diskussion dürfte hilfreich sein, das Problem endlich anzugehen und die Belastung möglichst weit zu senken. Aber eine wesentliche Schadstoffbelastung im häuslichen Bereich ist und bleibt der Tabakrauch.
"Die meisten machen sich viel zu wenige Gedanken": Umweltmediziner Dr. Gerald Baier. (© Foto: privat)
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sueddeutsche.de: Ist Dieselruß gefährlicher als Tabakqualm? Baier: Ich würde sagen, etwa gleich gefährlich. Zweifellos sterben mehr Menschen an den Folgen des Rauchens, über den Dieselruß und seine Langzeitschädigungen wissen wir noch zu wenig.
sueddeutsche.de: "Rauchen während der Schwangerschaft gefährdet die Gesundheit Ihres Kindes." Das steht auf jeder dritten Zigarettenpackung. Baier: Werdende Mütter haben heute ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein für sich und ihr Kind: Während der Schwangerschaft wird nicht geraucht und möglichst kein Alkohol getrunken. Es gibt natürlich immer noch Ausnahmen, aber die sind selten geworden. Die Aufklärung hat immense Fortschritte gebracht.
sueddeutsche.de: Offenbar nicht genug... Baier: Bei meiner Studie haben rauchende Mütter in den Fragebögen oft angegeben: Während der Schwangerschaft haben wir das Rauchen konsequent eingestellt - und danach ging es wieder weiter. An solchen Äußerungen erkennt man, dass das Bewusstsein über die schädigende Wirkung des Passivrauchens noch weitgehend fehlt.
Wenn das Kind empfindliche Atemwege hat und hustet, dann hören die Eltern eher auf, in der Wohnung zu rauchen. Aber wenn es nicht empfindlich ist und während des Qualmens ruhig dasitzt, machen sich die Eltern meist gar keine Gedanken.
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Gysi gegen Lafontaine