Männer mit blauen Augen bevorzugen offenbar blauäugige Frauen als Partnerinnen, weil sie dem Nachwuchs dann ansehen können, ob er von ihnen stammt.
Blauäugige Männer finden blauäugige Frauen besonders attraktiv. Darauf deutet eine Studie aus Norwegen. Und dafür gibt es offenbar auch einen guten Grund, wie Bruno Laeng und seine Kollegen von der Universität Tromsö in der Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology (Online-Veröffentlichung, DOI: 10.1007/s00265-006-0266-1) erklären:
Blaue Augen können sehr aussagekräftig sein. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Vorliebe der Blauäugigen hängt vermutlich damit zusammen, dass dann die Augenfarbe eines Kindes ein relativ gutes Indiz für die Vaterschaft ist.
Denn: "Die blaue Augenfarbe bei Menschen spiegelt einen einfachen, vorhersagbaren und zuverlässigen genetischen Mechanismus der Vererbung wieder", so die Forscher. "Bei blauäugigen Individuen gibt es immer eine direkte Übereinstimmung zwischen dem Genotyp und dem Phänotyp."
Eine Frage der Genetik
Mit anderen Worten, blauäugige Menschen besitzen ein Gen, welches die Augenfarbe festlegt, zweimal in der gleichen Version - derjenigen für blaue Augen. Ihre Kinder können deshalb von ihnen auch nur ein Gen für blaue Augen erhalten. Da das gleiche für Männer und Frauen gilt, muss der Nachwuchs von zwei blauäugigen Menschen ebenfalls blaue Augen besitzen.
Braunäugige zum Beispiel können dagegen das Gen in zwei Varianten tragen. Sie besitzen eine "dominante" Version, die die Farbe Braun festlegt, und sie können außerdem noch eine "rezessive" Variante für blaue Augen besitzen, die sich jedoch nicht durchsetzt. An ihre Kinder können sie diese jedoch weitergeben, so dass selbst zwei braunäugige Menschen Nachwuchs mit blauen Augen bekommen können.
Für einen blauäugigen Mann könnte es deshalb besonders attraktiv sein, Kinder mit einer Frau zu zeugen, die die gleiche Augenfarbe besitzen. Schließlich, so die Vermutung der norwegischen Forscher, kann ein Mann sich seiner Vaterschaft dann bei blauäugigen Kindern relativ sicher sein. (Außer seine Partnerin betrügt ihn mit einem ebenfalls blauäugigen Konkurrenten.)
Alle anderen Augenfarben aber deuten fast sicher darauf, dass der Mann nicht der leibliche Vater der Kinder ist.
Laeng und sein Team überprüften ihren Verdacht mit Hilfe von 88 weiblichen und männlichen Studenten, die gebeten wurden, die Attraktivität von Gesichtern auf einem Bildschirm zu bewerten.
Bei den Bildern wurde die Augenfarbe so manipuliert, dass zwei Versionen eines jeden Gesichts existierten: eine mit der natürlichen Augenfarbe - zum Beispiel blau - und eine zweite mit der anderen Augenfarbe - zum Beispiel braun.
Frauen zeigen keine Vorliebe
Frauen zeigten keine Vorliebe für eine bestimmte Augenfarbe - und das galt sowohl für blau- als auch für braunäugige Frauen. Tatsächlich ist für Mütter eine Art Lackmus-Test der Augenfarbe überflüssig - schließlich können sie sich ihrer Mutterschaft ja sicher sein.
Auch braunäugige Männer fanden alle Augenfarben gleich attraktiv.
Doch bei Männern mit blauen Augen war es anders. Wie die Wissenschaftler vermutet hatten, beurteilten diese Frauen mit ebenfalls blauen Augen als deutlich attraktiver als solche mit braunen Augen.
Dass die beobachteten Vorlieben auf Klischees oder Vorurteile zurückgehen, schließen die Wissenschaftler aus. Sonst hätten die dieselben Vorlieben bei blau- und braunäugigen Männern auftreten müssen.
Zudem stärkt eine weitere Untersuchung den Befund: 443 junge Männer und Frauen unterschiedlicher Augenfarbe gaben dafür die Augenfarbe ihrer Partner an. Tatsächlich waren blauäugige Männer dabei die Gruppe mit dem größten Anteil an Partnern mit derselben Augenfarbe.
Eine Möglichkeit, dass auch blauäugige Eltern Kinder mit andersfarbigen Augen zeugen, lässt sich natürlich nicht ausschließen: Mutationen. Endgültige Gewissheit haben skeptische Väter demnach erst nach einem Vaterschafts-Test.
(sueddeutsche.de/dpa)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft