Indien gehört zu den zehn Ländern mit den größten Treibhausgas-Emissionen. Doch bevor das Land das eigene Wirtschaftswachstum durch Klimaschutzmaßnahmen bremst, sieht es den Westen in der Pflicht.
Indien hat als Schwellenland das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert. Der CO2-Ausstoß hat sich zwischen 1990 und 2005 etwa verdoppelt und liegt bei mehr als 1100 Millionen Tonnen. Somit gehört Indien zu den zehn Ländern mit dem größten Treibhausgas-Emissionen - es belegt dort den fünften Platz. Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge wird das Land bis 2015 auf den dritten Platz vorrücken.
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(© Foto: dpa)
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Die Regierung in Neu-Delhi sieht sich zwar in der Pflicht, sich an der Rettung des Klimas zu beteiligen. So erklärte sie zusammen mit China, Japan, Südkorea und weiteren asiatischen Ländern sowie Australien kürzlich, man unterstütze das "allgemeine Ziel, die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre langfristig zu stabilisieren".
Doch das Wirtschaftswachstum im Land darf dadurch nicht gebremst werden, heißt es in Neu-Delhi. In der Pflicht sehen die Inder die Industrieländer, die ihren Wohlstand auf Kosten des Klimas gewonnen haben.
Verbindliche, einheitliche Klimaziele und konkrete Grenzwerte lehnt Indien - noch - ab. Man will abwarten, zu welchen Maßnahmen die Industriestaaten bereit sind. Schließlich, so die Einschätzung Neu-Delhis, stößt Indien pro Kopf noch erheblich weniger Treibhausgase aus als etwa die USA, Russland und einige europäische Staaten. Selbst in China ist der Ausstoß immer noch dreimal so hoch wie in Indien. Darüber hinaus ist Indien eines der Länder, die Wachstum und Energie bereits stark voneinander abgekoppelt haben.
Bei einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent im letzten Jahr ist der Energieverbrauch um weniger als vier Prozent gestiegen. Damit wird die Energie eigenen Angaben zufolge effizienter eingesetzt als selbst in Deutschland. Selbst bei einem starken Wachstum wird der Energieverbrauch pro Kopf in den nächsten Jahren voraussichtlich noch weit unter dem derzeitigen Verbrauch einiger anderer Länder liegen wie etwa den USA.
Die indische Regierung fordert deshalb, die Treibhausgas-Emissionen nicht pro Land sondern pro Kopf der Bevölkerung zu messen. Absolut gesehen wird die Belastung der Erde durch den zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen dadurch jedoch weiterhin erheblich steigen.
Eine Möglichkeit, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, sieht man im Ausbau der Atomkraft. Sieben neue Kernkraftwerke sollen in den nächsten Jahrzehnten in Betrieb genommen werden. Außerdem fordert Indien technische und finanzielle Unterstützung der Industrienationen bei der Entwicklung einer klimaverträglichen Wirtschaft.
Die IEA hat in ihrem Weltbericht 2007 gewarnt, dass allein der Ausstoß von Kohlendioxid aufgrund des Energiebedarfs der Inder und Chinesen bis 2030 im Vergleich zu heute um 25 Prozent steigen wird, wenn nicht radikale Maßnahmen ergriffen werden.
(sueddeutsche.de/cat)
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