Experten verlangen einen größeren Abstand des Klimarats zur Politik und warnen vor einer Hängepartie - wenn Pachauri Vorsitzender bleibt.
Nach einer Reihe von Fehlern des Weltklimarates üben prominente Klimaforscher Kritik am Aufbau des Gremiums und seinem Vorsitzenden Rajendra Pachauri.
In der Kritik: der Weltklimarats-Vorsitzende Rajendra Pachauri. (© Foto: AFP)
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Hartmut Graßl, ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, drängte den Inder, "reinen Tisch" zu machen. "Wenn Pachauri im Amt bleibt, bekommen wir eine Hängepartie, die dem Klimarat schadet", sagte Graßl der Frankfurter Rundschau.
Auch Hans von Storch vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht nannte den IPCC-Chef eine Belastung für den Klimarat, da er "Schlampereien" beim UN-Klimabericht 2007 zugelassen habe. Dass die Menschheit Verantwortung für den Klimawandel trägt, wie es der IPCC-Bericht beschreibt, steht für Graßl und von Storch außer Zweifel.
Im britischen Fachjournal Nature mahnen fünf prominente Klimaforscher und IPCC-Autoren Reformen an. Am weitesten in der Kritik geht John Christy von der University of Alabama. Er kennt sich mit Irrwegen der Klimaforschung aus, seit er nach langem Streit mit Kollegen einräumen musste, Satellitendaten falsch kalibriert zu haben.
Nun beklagt er, Leitautoren der Klimaberichte würden schlecht ausgewählt. "Sie stehen für eine verstörende Homogenität des Denkens", schreibt Christy. Der IPCC sei zur "Echokammer" verkommen, die nur eigene Ansichten verstärke.
Vorschlag: Klima-Wikipedia
Hingegen bekräftigt Thomas Stocker von der Universität Bern, Co-Vorsitzender der für harte Naturwissenschaft zuständigen Arbeitsgruppe1 des IPCC, der Weltklimarat habe bisher die Rolle eines ehrlichen Maklers erfüllt und das Spektrum der wissenschaftlichen Literatur abgebildet. Das Gremium müsse sich strikt auf "Wenn-Dann-Aussagen" beschränken, also allein mögliche Folgen von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen aufzeigen.
Das passt zu Forderungen, die Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einem Gastbeitrag in der FAZ äußert. Edenhofer ist Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe 3, die sich um technische und wirtschaftliche Aspekte von aktivem Klimaschutz kümmert.
Wissenschaftliche Politikberatung werde "gefährlich, wenn nur ein Weg exploriert und damit präjudiziert wird". Die Wissenschaft dürfe sich nicht dem Druck der Politik beugen, angebliche Sachzwänge zu beschreiben, die dann nur eine einzige Entscheidung zuließen.
Reformen sollen dem IPCC vor allem größere Unabhängigkeit verleihen, fordern andere Klimaforscher. John Christy schwebt eine Art Klima-Wikipedia vor, wo Forscher schreiben, die sich durch hochrangige Veröffentlichungen qualifiziert haben.
Eduardo Zorita, ebenfalls vom GKSS-Forschungszentrum, fordert in Nature für ein globales Klimaforschungsgremium einen Status, wie ihn zum Beispiel die Internationale Atomenergieagentur in Wien besitzt: Frei von direkter Mitsprache der Politik und mit genügend Autorität, Einflussversuchen auf Berichte zu widerstehen.
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(SZ vom 11.02.2010/gal)
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Im allgemeinen gebe ich Ihnen recht damit, dass sich Klimasektierer, wie sie diese Leute nennen, nicht überzeugen lassen werden. Aber Herr Pachauri hat begründete Zweifel an der Zahl 2050 zunächst als "Voodoo-Wissenschaft" abgetan. Das ist sein Kernproblem, weil es mindestens so aussieht als wenn er keine Diskussion zulassen wollte, von Interessenkonflikten ganz zu schweigen.
An alle, die mit dem Klimawandel kein Problem haben:
Die Rohstoffe sind endlich und mindestens in Bezug auf Erdöl, -gas und Kohle ist Klimaschutz automatisch auch Ressourenschonung.
Wer meint, dass "Unabhängigkeit von Forschungsgeldern" gleichzusetzen wäre mit einer "Arbeit ohne Bezahlung", hat etwas falsch verstanden. Es geht vielmehr um feste Gehälter und sichere Arbeitsplätze für Klimaforscher, um unabhängig zu sein von der Notwendigkeit, Gefahren künstlich hochzurechen um weitere Forschungsgelder bewilligt zu bekommen.
Die falsche Himalaya-Prognose z.B. war mehr als ein Zahlendreher. Zählen wir doch mal! Der sog. "Zahlendreher" selbst, also 2035 statt 2350=Fehler 1.
Dann: Die Grössenangabe für die Himalaya-Gletscherfläche war ebenfalls falsch, 500.000 km² statt 33.000 km²,=Fehler 2.
Des Weiteren handelte es sich bei der Jahreszahl 2350 nur um eine Andeutung des indischen Gletscherforschers Syed Hasnain. Der erklärte, er habe "weder in einem Interview noch in einer Publikation je ein bestimmtes Jahr oder Datum im Zusammenhang mit der Gletscherschmelze am Himalaja genannt." Die Jahreszahl sei ihm ohne sein Wissen nachträglich "untergeschoben" worden.=Fehler 3.
Drei Fehler, nicht nur einer. Das schafft kein Zahlendreher im Alleingang...!
Die Gletscher sind für die Wasserversorgung von ca. 1 - 2 MILLIARDEN Menschen in Asien lebenswichtig. Mit Hinweis darauf versuchte man den Kampf gegen CO2 zu begründen.
Fakt ist, dass aufgrund der Nutzung fossiler Brennstoffe durch den Menschen große Mengen CO2 (ca. 31 Mrd. t/Jahr) ZUSÄTZLICH in die Atmosphäre gelangen, und dass der CO2-Anteil den Temperaturhaushalt der Atmosphäre und damit das Klima beeinflußt. Dies wird im 1. Teil des IPCC-Berichtes belegt und ist, abgesehen von der wirren Fundamentalopposition einiger Sektierer, wissenschaftlich derzeit unbestritten.
Dass die im 2. Teil des Berichtes enthaltenen PROGNOSEN über die Auswirkungen dieser Klimaeinflüsse eben Prognosen sind und keine Prophezeiungen und absoluten Wahrheiten, ist ebenfalls jedem klar der sich rational mit Thema beschäftigt.
Ebenso klar ist, dass ein mehrere tausend Seiten umfassender Bericht nicht völlig fehlerfrei sein kann.
Das Problem ist leider, dass berechtigte fachliche Kritik völlig untergeht in der Flut von unqualifizierten Anwürfen wissenschaftshassender Fundamentalsektierer. Hier muß sich der IPCC zukünftig mehr Mühe geben, die Spreu vom wenigen Weizen zu trennen, damit echte Fehler wie der Gletscher-Zahlendreher schneller korrigiert und nicht jahrelang mitgeschleppt werden.
Nur wenn Pachauri dazu nicht bereit ist, dann sollte er wirklich zurücktreten. Sonst wäre ein Rücktritt nur ein Einknicken vor dem Mob der Klimasektierer und ein schlimmer Rückschritt hin zu einer Zerschlagung des IPCC und der Installation eines mittelalterlichen ICIC (International Climate Inquisition Comittee).
Es ist natürlich einfach, Pachauri die alleinige Schuld in die Schuhe zu schieben und damit ein Versuch zu starten, sich von der weitgehenden Kritik abzukoppeln. Nur ist das zu durchsichtig.
Die falschen Zahlen zur Himalaja Schmelze war nun nicht nur Pachauri bekannt. Insgesamt 300 Regirungsvertreter waren 2007 davon unterrichtet worden. lediglich sieben machten Bemerkungen dazu, darunter ein österreichischer Glaziologe, für den die Zahlen schlicht absurd waren. Eine Mitteilung dazu wurde dem IPCC gestellt, wurde aber nicht berücksichtigt. Sicher nicht ohne Absicht. Stand doch die Kopenhagen-Konferenz kurz vor ihrem Beginn.
Wenn es eine Neuorganisation des IPCC geben sollte, dann aber nicht mit den bisherigen Klimatologen. Das wird zu heftigen Reaktionen führen, worauf man aber keine Rücksicht nehmen kann. Auch persönliche Betroffenheit ist kein Argument.
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article7017922.ece
Es ist völlig egal, ob Pachauri zurücktritt, der Weltkliamarat umstrukturiert wird oder was auch immer.
Wie an den meisten "Beiträgen" hier klar ersichtlich ist, geht es den Klimasektierern nicht um Aufklärung, sondern um Unterdrückung sämtlicher wissenschaftlicher Arbeit im Bereich Klimaforschung. Schließlich "wissen" die Klimasektierer mit der allen Sektierern eigenen fundamentalistischen Unbelehrbarkeit längst, dass es gar keinen Klimawandel gibt und außerdem Al Gore und die Eisbären daran schuld sind, und niemals nicht das heilige CO2!
Den Gipfel der Lächerlichkeit erreicht dann der Sektierer-Agitprop, wenn heuchlerisch die "Unabhängigkeit von Forschungsgeldern" gefordert wird. Sollen die Forscher für umsonst arbeiten, und ihre Geräte aus dem dann nicht vorhandenen Privatvermögen finanzieren?
Immerhin eine humanere Lösung, Forschung zu unterdrücken, als die Scheiterhäufen der Inquisition...
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