Palmöl Ist umfassende Nachhaltigkeit überhaupt möglich?

Mit einem umweltverträglichen Ansatz wirbt etwa der Investor Agrofinanz. Dieser hat nur ein Produkt: Anteile an einer Palmölplantage in Ecuador, die sich noch im Aufbau befindet und später einmal das neue Siegel tragen soll. Neun Prozent jährliche Rendite sollen die Einlagen einmal bringen. Der Boden ist längst gekauft - eine ehemalige Kaffeeplantage - die neuen Ölpalmen sind bereits zwei Meter hoch. 2014 soll dann die erste Ernte erfolgen.

"Wir sehen vor allem im Nahrungsmittelbereich ein großes Wachstumspotenzial für Palmöl; auch durch die wachsende Bevölkerung", erklärt Stefan van Ühm, Vertriebsleiter bei der Agrofinanz. "Und wir finden es wünschenswert, dieses Wachstum mit nachhaltigem Palmöl abzudecken."

Agrofinanz ist eines von über 700 Mitgliedern des RSPO. Allerdings bedeute die bloße Mitgliedschaft eines Unternehmens noch gar nichts, betont Martina Fleckenstein vom WWF. Es genügt, ein Formular auszufüllen, in dem man sein Unternehmen beschreibt und angibt, was man vor Ort vorhat.

Außerdem muss man den Nachweis erbringen, dass kein Regenwald abgeholzt wird. Etwas anspruchsvoller ist dann die Zertifizierung des Palmöls als nachhaltig. Diese kann erst erfolgen, wenn die erste Ernte in einer neu angelegten Plantage ansteht. Wer die Überprüfung vornimmt, darf der Betreiber selbst bestimmen.

Trotz aller Kritik halten manche Fachleute einen wirklich nachhaltigen Palmölanbau prinzipiell für möglich, so etwa der selbstständige Gutacher und Agraringenieur Karl Müller-Sämann. Er möchte die Palmen schon deshalb nicht verteufeln, weil sie so ergiebig sind, dass man mehr Öl pro Hektar Land erzeugen kann als mit jeder anderen Pflanze. Im Schnitt werden jährlich 3,5 Tonnen pro Hektar erwirtschaftet, manche Hersteller sprechen sogar von 6 bis 8 Tonnen. Rapsöl dagegen liefert in Deutschland nur rund 1,5 Tonnen pro Hektar, es kann zudem nur jedes dritte Jahr auf demselben Feld gepflanzt werden.

Vor zwei Jahren hat sich Müller-Sämann die Plantagen des Familienunternehmens Daabon Organic im Norden Kolumbiens angesehen. Daabon ist eine Vorzeige-Plantage des biologischen Palmölanbaus, 70 Prozent des weltweiten Bio-Palmöls stammen von diesen Feldern. Seit 1914 setzt das Unternehmen auf nachhaltige und sozialverträgliche Landwirtschaft, seit 1990 auch auf den biologischen Anbau von Ölpalmen.

Was er sah, kam dem nahe, was Müller-Sämann für einen idealen Anbau hält: Eine Krautschicht wächst unter den Palmen , sie schützt den Boden vor Erosion. Mit Macheten an langen Stangen schlagen die Arbeiter die Fruchtstände ab. Die Palmen werden nur gefällt, wenn nach 25 bis 30 Jahren die Fruchtstände für diese Ernteform zu hoch hängen. Und ganz klar: "Die Abholzung von Regenwald muss heute tabu sein!" Zudem betont auch Müller-Säman, wie wichtig faire Bedingungen für die Arbeiter und Kleinbauern sind.

Auf all diese Punkte achtet die Bio-Branche schon lange, versichert Hildegard Rickert von Daabon Deutschland. Und mit zahlreichen Siegeln könne sie die Nachhaltigkeit ihres Anbaus belegen. Das wird die Branche gerne hören, denn trotz aller Alternativen ist Palmfett auch dort begehrt, vor allem wegen seines hohen Schmelzpunktes, der je nach Zusammensetzung zwischen 27 und 45 Grad Celsius liegt. Bei Raumtemperatur ist das Öl darum fest und dadurch etwa für Nuss-Nougat-Creme in Bio-Qualität fast unentbehrlich. Denn Biosiegel verbieten, Fette mit niedrigerem Schmelzpunkt chemisch zu härten. Dabei entstehen ungesunde Transfette.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass der gesamte immer noch wachsende Weltbedarf an Palmöl nachhaltig produziert werden kann. Denn das grundlegende Dilemma bleibt: Selbst ein noch so rücksichtsvoller Anbau ändert nichts daran, dass Ölpalmen den Platz brauchen, wo derzeit noch der Regenwald steht.