Paläontologie Diätwechsel

Zähne in der Jugend, zahnlos als Erwachsene und dennoch keine Altersdegeneration: Dinosaurier der Gattung Limusaurus inextricabilis wurden nach dem Aufwachsen zu Vegetarieren und konnten deshalb auf ein scharfes Gebiss verzichten.

Von Christian Weber

Ein ungewöhnliches Phänomen haben chinesische Forscher an Dinosaurier-Fossilien der Gattung Limusaurus inextricabilis entdeckt: Wie das Team um Shuo Wang von der Capital Normal University in Peking im Fachmagazin Current Biology berichtet, scheinen die sogenannten Theropoden nur im Jugendalter Zähne besessen zu haben. Die ausgewachsenen Tiere hingegen mussten offenbar ohne Gebiss auskommen. Das schließen die Wissenschaftler aus der Untersuchung von insgesamt 13 Skelettüberresten, die sie bereits vor Jahren im Nordwesten Chinas gefunden und 2009 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatten. Die vor rund 160 Millionen Jahren lebenden Tiere waren bei ihrem Tod zwischen weniger als einem und zehn Jahre alt. Dabei war der Zahnverlust nach Ansicht der Studienautoren keine altersbedingte degenerative Erscheinung, sondern durch den Speiseplan bedingt. Demnach waren die Jungtiere Allesfresser, die auch Fleisch zerkleinern mussten. Im Erwachsenenalter hingegen wechselten die Dinosaurier zu pflanzlicher Nahrung. Wie Wang berichtet, finden sich vergleichbare Zahnverluste bei einigen heute lebenden Tieren. So gebe es Fische und mindestens eine Amphibienart, die während ihrer Entwicklung die Zähne verlieren. Auch beim in Australien lebenden Schnabeltier sei das der Fall. Doch Limosaurus sei das erste bislang gefundene Beispiel unter den Dinosauriern.