Paläontologie Der vielleicht älteste Dino der Welt

Vom Nyasasaurus parringtoni sind nur wenige Knochen erhalten geblieben - deshalb beruht diese Darstellung zum großen Teil auf der Fantasie des Künstlers. Inzwischen haben die Forscher aber eine relativ gute Vorstellung der Urzeit-Reptilien. Das Tier  könnte also so ausgesehen haben.

(Foto: REUTERS/Natural History Museum, London/Mark Witton)

Bereits vor etwa 243 Millionen Jahren lebte "Nyasasaurus parringtoni" auf dem Superkontinent Pangaea - zehn bis 15 Millionen Jahre früher als die ältesten bislang bekannten Dinosaurier. US-Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen Dinosaurier handelt. Vielleicht ist es aber auch ihr engster bislang entdeckter Verwandter.

Dinosaurier gab es möglicherweise bereits vor 243 Millionen Jahren - und damit zehn bis 15 Millionen Jahre früher als bislang bekannt. Das schließen US-Forscher, die Knochen aus Tansania analysiert haben. Zwar sei auch denkbar, dass die Fossilien zu einer Schwestergruppe der Dinosaurier gehören, berichten die Wissenschaftler um Sterling Nesbitt von der University of Washington in Seattle. Wahrscheinlicher aber sei, dass der Nyasasaurus parringtoni, wie sie das Tier genannt haben, zu den frühen Dinosauriern gehört.

Dafür sprechen etwa Merkmale wie ein besonderer Knochenkamm auf dem Oberarm. Auch zeigten die Tiere offenbar ein besonders rasches Knochenwachstum, das typisch ist für Dinosaurier, Säuger und Vögel. Das Wachstum verlief bei den Tieren demnach etwa so schnell wie das der frühen Dinosaurier, aber nicht so rasch wie bei deren späteren Vertretern. Im Gegensatz zu den Vorläufern der Dinos waren beim Nyasasaurus zudem drei Wirbel mit dem Beckenknochen verwachsen, nicht nur zwei.

Die Fossilien des zwei bis drei Meter langen und bis zu einem Meter hohen Nyasasaurus waren bereits 1930 ausgegraben worden. Doch erst jetzt hatte das Team um Nesbitt die Knochen, die im Londoner Natural History Museum aufbewahrt wurden, mit modernen Methoden untersucht. Vier Wirbelknochen stammten außerdem aus dem South African Museum in Kapstadt.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt Biology Letters berichten, lebte der etwa 20 bis 60 Kilogramm schwere Nyasasaurus während der Trias, einer Epoche des Erdmittelalters (Mesozoikum). In diesem Zeitraum von vor etwa 252 bis 201 Millionen Jahren entwickelten sich auf dem Superkontinent Pangaea fast alles Reptiliengruppen und auch die ersten Säugetiere.

Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Dinosaurier vom Ende der Mittleren Trias vor etwa 235 Millionen Jahren bis zur Kreidezeit vor 65 Millionen existierten. Lediglich die Vögel, die sich aus der Dino-Gruppe der Theropoden entwickelt haben, können als noch heute lebende Dinos betrachtet werden. Sie werden jedoch einer eigenen Klasse zugeordnet. Den US-Forschern zufolge hätten die Dinosaurier jedoch bereits in der frühen Mitteltrias existiert und demnach deutlich mehr Zeit gehabt, sich in die vielen unterschiedlichen Arten zu entwickeln, die das Leben auf dem Land dominierten.

Die ältesten bislang bekannten echten Dinosaurier, etwa Eoraptor und Eodromaeus, deren Fossilien im heutigen Argentinien entdeckt wurden, werden auf ein Alter von 230 Millionen Jahren datiert. Nesbitt und seine Kollegen haben 2010 Fossilien beschrieben, die zu einem engen Verwandten der Dinosaurier gehören, dem Asilisaurus kongwe.

Anschließend machten sich die Wissenschaftler daran, weitere Fossilien aus der Umgebung ihres Fundorts, den Manda Beds im Ruhuhu-Becken in Tansania, zu untersuchen. Dabei stießen sie unter anderem auf einen Armknochen und Wirbel, die Alan Charig, Wissenschaftler am Natural History Museum in London, untersucht und vor seinem Tod 1997 als Nyasasaurus bezeichnet hatte, wie das Magazin Science auf seiner Homepage berichtet.

Ein Fossil wie Nyasasaurus war zu erwarten

Hans-Dieter Sues vom National Museum of Natural History in Washington sagte dem Online-Magazin LiveScience, Charig hätte ihm die Knochen bereits in den siebziger Jahren gezeigt. Damals hätte allerdings niemand die Vorstellung akzeptiert, dass Dinosaurier bereits so früh existiert haben könnten.

Da Eoraptor und Eodromaeus bereits Vertreter verschiedener Gruppen waren, muss die Entwicklung der Dinosaurier bereits Millionen Jahre zuvor begonnen haben. Es war demnach zu erwarten, dass Fossilien eines Dinosauriers wie Nyasasaurus auftauchen würden. Handelt es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Dino, spräche das allerdings dagegen, dass sich diese Gruppe extrem schnell gebildet und in viele unterschiedliche Arten aufgespalten hätte, wie es manche Forscher annehmen.

Max Langer, Paläontologe an der Universidade de São Paulo, Brasilien, sagte Science, sei es hochspekulativ, davon zu sprechen, dass hier der älteste Dinosaurier gefunden worden sei. Dafür reichten die Fossilien nicht aus. Wenn er das nicht sei, erklärte Nesbitt, dann sei er zumindest deren engster bislang entdeckter Verwandter. "Seit 150 Jahren vermutet man, dass es einen Dinosaurier aus der Mittleren Trias geben muss, aber kein Hinweis war eindeutig." Nyasasaurus aber zeigt nun gleich mehrere Merkmale, die auf einen Dinosaurier hindeuten.

Die Funde des Nyasasaurus und des Asilisaurus in Tansania sprechen nun dafür, dass die frühe Evolution der Dinosaurier und ihnen ähnlichen Reptilien auf den südlichen Kontinenten stattfand, die damals den südlichen Teil Pangaeas bildeten, sagte Nesbitts Kollege Paul Barrett vom Natural History Museum in London.

Die Bezeichnung "Nyasasaurus" verbindet den Namen des Sees Nyasa - auch als Malawi-See bekannt - mit dem griechischen Wort für Echse, Saurus. "Parringtoni" wurde das Reptil zu Ehren von Rex Parrington von der University of Cambridge, Großbritannien, genannt. Der Wissenschaftler hatte die Knochen in Afrika entdeckt.