Paläogenetik Tod aus der Vergangenheit

Vor 1500 Jahren, lange vor der großen Epidemie im 14. Jahrhundert, starben in Bayern Menschen an der Pest. Das verrät eine DNA-Analyse. Das Erstaunliche: Bislang wurde diese sogenannte Justinianische Pest vor allem im Mittelmeer verortet.

Wer über die Pest in Europa spricht, meint meist die große Epidemie, die ab dem 14. Jahrhundert Millionen Menschen tötete und oft als der "Schwarze Tod" bezeichnet wird. Doch bereits viele Hundert Jahre zuvor ging der Erreger um. Zwischen dem sechsten und achten Jahrhundert starben in der damals bekannten Welt bis zu 50 Millionen Menschen an der Seuche, die heute als die "Justinianische Pest" bezeichnet wird. Dass ihr auch Menschen im heutigen Bayern zum Opfer fielen, belegt jetzt die Analyse der Gebeine (erstes Bild) von Pestopfern, die bereits vor 50 Jahren bei einer Ausgrabung in Altenerding bei München (zweites Bild) auftauchten. Genetiker des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena untersuchten Erbgut, das sie aus den Zähnen der Verstorbenen isolieren konnten, und rekonstruierten daraus das komplette Genom des damaligen Killers. Das ist erst der zweite Fund dieses Erregers so weit im Norden. Bislang glaubte man, dass die Justinianische Pest vor allem im Mittelmeerraum gewütet habe.